Dienstag 18. Dezember 2018

Bischof Scheuer segnete neu gestaltete Kapelle im Linzer Bischofshof

Bischof Manfred Scheuer segnet die Kapelle und die Mitfeiernden.

Bischof Manfred Scheuer segnete am 11. September 2018 bei einem feierlichen Gottesdienst die neue Kapelle im Linzer Bischofshof. In den Altar wurden Reliquien des seligen Franz Jägerstätter eingebracht.

Die Hauskapelle im Linzer Bischofshof hatte sich bisher im Privatbereich von Bischof Manfred Scheuer befunden. Damit die Kapelle allen, die im Bischofshof leben und arbeiten, für das persönliche Gebet offensteht, wurde sie in den öffentlichen Bereich verlegt und vom Künstler Alfred Haberpointner (* 1966) neu gestaltet. Der gebürtige Salzburger studierte nach der Fachschule für Bildhauerei in Hallein an der Kunstuniversität Linz bei Professor Erwin Reiter. Studienreisen nach New York, Paris und längere Aufenthalte rund um Genua folgten. Haberpointner, der mit seinen Kunstwerken international in Museen und Ausstellungen präsent ist, lebt und arbeitet in Leonding bei Linz und Ebenau in Salzburg. Werke Haberpointners finden sich bereits in einigen Kirchen bzw. kirchlichen Einrichtungen in Oberösterreich. So übernahm er etwa die Altarraumgestaltung in der Pfarrkirche Hargelsberg (2006), schuf die Skulpturengruppe „Heilige Familie“ für das Pfarrheim Sandl (2007) und gestaltete den Andachtsraum für das Petrinumheim der Katholischen Hochschulgemeinde in Linz (2009).

 

Künstler Alfred Haberpointner

Künstler Alfred Haberpointner. © Susanne Windischbauer

 

Hauskapelle als Mitte des gemeinschaftlichen Feierns und des persönlichen Betens

 

In einem feierlichen Gottesdienst segnete Bischof Manfred Scheuer am 11. September 2018 in Anwesenheit von Künstler Alfred Haberfellner die neue Hauskapelle. Mit dem Bischof feierten Generalvikar Severin Lederhilger, Bischofsvikar Johann Hintermaier, der Liturgiker Univ.-Prof. Ewald Volgger, die Diakone Peter Schwarzenbacher und Anton Birngruber, der Leiter des Kunstreferats Hubert Nitsch und zahlreiche MitarbeiterInnen des Bischöflichen Ordinariats und der Diözesanfinanzkammer. Ebenfalls unter den Mitfeiernden: VertreterInnen der Tischlerei Lengauer – u. a. Gabriel Burgstaller, der den Altar gefertigt hatte – und der Firma Wittmann, die die Bestuhlung geliefert hatte. Allen, die an der Planung und Umsetzung der Kapellengestaltung beteiligt waren, sprach Bischof Manfred Scheuer seinen Dank aus.

 

Kapellensegnung im Linzer Bischofshof
Viele MitarbeiterInnen und weitere Festgäste feierten mit.
Bischof Manfred Scheuer segnet die Kapelle und die Mitfeiernden.
Künstler Alfred Haberpointner (re.) und VertreterInnen der Tischlerei Lengauer, von der Altar und Tabernakel gefertigt wurden.

© Diözese Linz / Appenzeller

 

In seiner Predigt verglich Bischof Scheuer das Leben der Kirche und auch das Leben der Hausgemeinschaft mit einem Rad: „Wenn die Mitte nicht passt, dann kommt ein Achter heraus. Die Mitte eines Rades ist für die Bewegung von entscheidender Bedeutung. Das gilt für das Wagenrad und das Fahrrad, aber auch für das Leben und den Glauben.“ Damit schlug er den Bogen zur Eucharistie als „Quelle, Mitte und Höhepunkt“ des christlichen Lebens. Es sei wichtig, immer wieder zu dieser Quelle zu gehen, damit das eigene Leben nicht verkarste und vertrockne. So sei die Kapelle zwar räumlich nicht in der Mitte des Hauses, sie solle aber dennoch ein Zufluchtsort sein für das gemeinschaftliche Feiern und das Beten jedes bzw. jeder Einzelnen, um die innere Mitte zu finden, Gott und den inneren Frieden zu suchen.

 

In seinen Worten stellte der Bischof einen Bezug von der künstlerischen Gestaltung der Kapelle zur Bedeutung für die Hausgemeinschaft her: Die Eucharistie, aber auch die Kapelle sei von der Signatur des Leids und des Kreuzes gezeichnet, so Scheuer. Von der Eucharistie her könne der Tod Jesu als Akt der Liebe und Versöhnung verstanden werden, der von innen her das Leben verwandle. Das Kreuz, dessen Oberfläche vom Bildhauer freigelegt wurde, verbinde Leiden, Tod, Auferstehung und Pfingsten, sei aber auch eine Wunde. „Ich hoffe, dass dieser Raum uns hilft, uns zu bergen in diesem Kreuz, auch unsere Wunden zu bergen.“ Damit nahm Scheuer Bezug auf das Gebet „Seele Christi, heilige mich“ von Ignatius von Loyola, in dem es heißt: „Birg in deinen Wunden mich.“

 

Bischof Manfred Scheuer bei seiner Predigt.

Bischof Scheuer: "Die Kapelle soll ein Zufluchtsort werden." © Diözese Linz / Appenzeller

 

„Gott verheißt dem gebrochenen Leben eine neue, heilende Wirklichkeit“

 

Beim Gottesdienst wurde zunächst der neue Ambo gesegnet. Dann folgte die Weihe des Altars, der als „Tisch des Brotes“ Zentrum und Herzstück jeder Kirche ist. Alfred Haberpointner gab dem neuen Altar in der Kapelle des Bischofshofes Linz die Bezeichnung „Teilung“. Er bezieht diese formale Benennung auf einen Block aus Ahornholz, der durch eine Linie getrennt wird. In diese Trennlinie im Altar wurde eine Reliquie des seligen Franz Jägerstätter eingesetzt.

 

Einbringung der Reliquie des seligen Franz Jägerstätter in den Altar.
Eine Reliquie von Franz Jägerstätter wurde in den Altar eingebracht.

© Diözese Linz / Appenzeller

 

Bischof Scheuer zur Bedeutung der Gestaltung in Verbindung mit Franz Jägerstätter: „Alfred Haberpointner hat ein Werk mit klarer, herausfordernder Botschaft geschaffen, die nahegeht. Durchschnitten begegnet der Altar, durchbrochen ist auch der Tabernakel, die Trennlinie findet sich im Ambo wieder. Und doch macht die Gestaltung nicht ratlos, sondern sie nimmt den Betrachtenden in ihrer Gesamtheit hinein in ein stimmiges Ganzes. Eine solche Zerschneidung oder ‚Teilung‘ ist im Lebensentwurf des seligen Franz Jägerstätter, von dem im Altar Reliquien eingelassen sind, radikal verwirklicht.“ Franz Jägerstätter, Bauer und Mesner aus St. Radegund im Innviertel, wurde am 9. August 1943 wegen Wehrkraftzersetzung von den Nationalsozialisten hingerichtet. Er war ein gläubiger Mensch, dem Gott Mitte und Zentrum des Lebens war. Jägerstätter hielt es für nicht mit seinem Glauben vereinbar, in Hitlers Krieg als Soldat zu kämpfen. Dabei dachte er vom biblischen Prinzip der Gewaltlosigkeit her. Scheuer wörtlich: „Gott hat ihm die Kraft gegeben, seinen Glauben bis zuletzt durchzuhalten. Franz Jägerstätter lebte das Gebot der Feindesliebe und wollte Gewalt nicht mit Gewalt beantworten. Weil er sein Leben und auch sein Sterben so verstanden hat, kann sein Gedächtnis heute zum offenen Raum für Erzählen, Bekenntnis, Reue und Umkehr, Vergebung und Hoffnung werden. Es ist die Umkehrung des Prinzips der tödlichen Spirale der Gewalt, wie sie auch in der Feier der Eucharistie lebendig erfahrbar wird: Jesus teilt sich im Brot – um uns allen die Fülle des Lebens zu schenken. Die neu gestaltete Bischofskapelle will einen solchen Gedächtnisraum explizit machen, was in den Gottesdiensten und Gebetszeiten verdeutlicht wird: Gott verheißt dem gebrochenen Leben eine neue, heilende Wirklichkeit. Die Heiligen, Seligen und Diözesanpatrone, mit denen wir in der Eucharistie verbunden sind, seien uns Ansporn und Ermutigung, mit ungeteiltem Herzen Gott entgegenzugehen.“

 

Bei der Weihe besprengte Bischof Scheuer den Altar mit Weihwasser, das an die Taufe erinnert. Danach salbte der Bischof die Tischplatte des Altars mit Chrisamöl – auch hier der Bezug zur Taufe, da Täuflinge als Zeichen für die Zugehörigkeit zu Christus und die damit verbundene „Königs-Würde“ mit Chrisam gesalbt werden. An fünf Stellen, die für die Wundmale Christi und sein Leiden am Kreuz stehen, verbrannte Bischof Scheuer Weihrauch auf dem Altar. Die Weihrauchkörner, die auf glühende Kohlen gelegt werden, erinnern an die Lebenshingabe Jesu und bringen gleichzeitig die Bitte der Gläubigen um die Verwandlung des Herzens zu Gott. Nach einem gemeinsamen Lied sprach Bischof Scheuer das Weihegebet. Schließlich wurden das Altartuch aufgelegt und die Lichter am Altar entzündet. Nach der Altarweihe folgte die Eucharistiefeier.

 

Bischof Scheuer besprengt den Altar mit Weihwasser.
Bischof Scheuer salbt die Altarplatte mit Chrisamöl
An fünf Stellen auf dem Altar wird bei der Altarweihe Weihrauch entzündet.
An fünf Stellen auf dem Altar wird bei der Altarweihe Weihrauch entzündet.

© Diözese Linz / Appenzeller

 

 

Details zur künstlerischen Gestaltung des Altars von Alfred Haberpointner

 

Der Altar besteht aus einem Holzblock, der durch eine Linie geteilt wird. Dieselbe Linie findet sich als Eisenstab wieder, der als Grundlage für die Konstruktion des Ambos dient. Diese innere Verbindung wird auch am Tabernakel, dessen Tür ebenfalls von einer Linie durchbrochen wird, sichtbar. Der Tisch des Mahles und der Tisch des Wortes sind aufeinander bezogen. Der Tabernakel nimmt diese Gestaltungselemente auf.

 

In Alfred Haberpointners bildhauerischem Werk finden sich thematische Bezüge, die mit Proportion und Gewichtung zu tun haben. Diese grundlegen den Aspekte seines Werkes sind formal ablesbar und zugleich auch als inhaltliche Bilder des Lebens interpretierbar.

 

Alfred Haberpointner macht an den Oberflächen seiner künstlerischen Arbeiten die Einwirkungen und Einflüsse von außen sichtbar. Seine Werke zeigen sich u. a. als gehackte Holzwände oder eingeschnittene Blöcke. Mit seiner Arbeitsweise legt der Künstler gleichzeitig auch das Innere frei. Dieses Offenlegen des Innenlebens – in der Verletzung oder Unterbrechung des Erwarteten oder Bekannten – ist eine Grunderfahrung des Menschen. In den Kunstwerken von Alfred Haberpointner spiegelt sich diese Grunderfahrung auf besondere Weise wider.

 

Die von Künstler Alfred Haberpointner gestaltete Kapelle im Linzer Bischofshof
Die von Künstler Alfred Haberpointner gestaltete Kapelle im Linzer Bischofshof
Rückwand der Kapelle mit Marienbild

© Diözese Linz / Appenzeller

 

Sie wird auch im Kreuz, in Form einer gehackten Wand, sichtbar. Durch Axtschläge wird die Oberfläche aufgerissen und das Holz freigelegt. Es entsteht ein Rhythmus, eine Textur und eine Intensität, die die BetrachterInnen nachzuvollziehen suchen. Der Bezug zum Holz löst beim Betrachtenden ein genaues Spurenlesen und Beobachten aus. Diese Aufmerksamkeit findet sich in der Haltung spiritueller Menschen wieder.

 

Das von Alfred Haberpointner gestaltete Kreuz.
Das von Alfred Haberpointner gestaltete Kreuz.

© Diözese Linz / Appenzeller

 

Für das Kunstverständnis Haberpointners ist es elementar, dass der Künstler in einem mit der Natur vergleichbaren Prozess der Formfindung steht:

 

„…es ist oft ein langes, fast meditatives Dahinarbeiten über Tage, über Wochen, um ein Werk zum Abschluss zu bringen. Die Natur macht im Grunde dasselbe! Dieser Prozess, den ich versuche, auf ein Material zu übertragen, ist meist ein langwieriger. Es ist also nicht der spontane Ausdruck, der hier im Vordergrund steht, sondern die Formfindung über eine gewisse zeitliche Kontinuität hinweg.“, Hartog / Hochleitner (Hg), Der Haken der Bildhauerei: Alfred Haberpointner, 2011, S. 37–40.

 

(Autor der Details zum Altar: MMMag. Hubert Nitsch, Leiter Kunstreferat Diözese Linz)

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