Monday 21. October 2019

Neu: Caritas betreibt ein Krankenzimmer für Obdachlose

Für wohnungslose Menschen, die nach einem Krankenhausaufenthalt nicht mit „häuslicher Pflege“ rechnen können, bietet die Caritas OÖ nun in Linz ein Krankenzimmer an.

Menschen ohne Versicherungsschutz, die auf der Straße leben, werden immer wieder von Krankenhäusern in „häusliche Pflege“ entlassen. Doch diese gibt es für wohnungslose Menschen de facto nicht. Die Caritas OÖ bietet deshalb seit kurzem in Linz ein Krankenzimmer an, wo bis zu vier Obdachlose medizinisch nachbetreut und gesund gepflegt werden. Dank einer Großspende wurde der Start des österreichweit einzigartigen Projekts ermöglicht.

 

Durch das Leben auf der Straße können bei Obdachlosen Krankheiten wie z. B. Lungenentzündungen, aber auch Amputationswunden nicht ordentlich verheilen. „Oft verschlechtert sich der allgemeine Gesundheitszustand der Betroffenen so sehr, dass einfache Krankheiten lebensgefährlich werden“, weiß Caritas-Projektleiterin Mag.a (FH) Michaela Haunold aus ihrer 15-jährigen Erfahrung in der Arbeit mit Obdachlosen. „In Einzelfällen kommt es auch vor, dass Menschen von Krankenhäusern entlassen werden, bei denen uns mitgeteilt wird, dass sie in kurzer Zeit sterben werden. Das Krankenhaus kann aber die Kosten für den Aufenthalt dort nicht tragen.“ Daher startete die Caritas jetzt das Projekt „Krankenzimmer“ in einer Wohnung, in der bis zu vier Personen von Caritas-MitarbeiterInnen und auch Ehrenamtlichen betreut und gepflegt werden. „Ich bin sehr glücklich, dass ich im Krankenzimmer sein kann. Hier ist es mir möglich, dass ich wieder gesund werden kann, das wäre auf der Straße schwierig gewesen“, sagt Fabrizio, der sich als einer der Ersten im Krankenzimmer auskurieren kann. Das Angebot der Caritas ist für die Menschen kostenlos. Es ist spendenfinanziert und der Start wurde durch eine Großspende von Dr. Werner Lawugger ermöglicht.

 

Projekt-Leiterin Michaela Haunold und Fabrizio, der sich im Krankenzimmer erholen kann.

Projekt-Leiterin Michaela Haunold und Fabrizio, der sich im Krankenzimmer erholen kann. © Caritas OÖ

 

Bedarf bei Frauen ist groß

 

„Was uns selbst etwas überrascht hat: Die Hälfte der Betten sind von Frauen belegt. Täglich schauen SozialarbeiterInnen und diplomiertes Pflegepersonal vorbei und kümmern sich um die medizinische Versorgung“, sagt Michaela Haunold. Ein Arzt macht bei Bedarf ehrenamtlich Dienst. Hygiene- sowie Verbandsmaterialien stehen in der Wohnung zur Verfügung, ebenso Grundnahrungsmittel und täglich ein warmes Essen. Der Aufenthalt ist auf drei Wochen beschränkt. „Eine Verlängerung ist nach Absprache mit dem Krankenhaus möglich“, sagt Michaela Haunold.

 

Pro Jahr rechnet das Projektteam mit rund 80 Menschen, die das Angebot vom Krankenzimmer nützen werden. Wer das Caritas-Krankenzimmer zur Genesung braucht, entscheiden die behandelnden Ärzte und Ärztinnen im Krankenhaus. Die Vermittlung kann aus allen Krankenhäusern in Oberösterreich erfolgen.

 

Angebote der Caritas OÖ für wohnungslose Menschen

 

V. l.: Bischofsvikar Maximilian Mittendorfer, Caritas OÖ-Direktor Franz Kehrer, Fabrizio, Projekt-Leiterin Michaela Haunold, Cornelius Tuerk von der Caritas-Stiftung und Großspender Dr. Werner Lawugger.

V. l.: Bischofsvikar Maximilian Mittendorfer, Caritas OÖ-Direktor Franz Kehrer, Fabrizio, Projekt-Leiterin Michaela Haunold, Cornelius Tuerk von der Caritas-Stiftung und Großspender Dr. Werner Lawugger. © Caritas OÖ

 

Maria Knapp | Kommunikation Caritas OÖ

Getauft und Gesandt
Anneliese Schütz

Anneliese Schütz

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