Samstag 26. Mai 2018

Bischof Scheuer: Arbeit stiftet Sinn

Bischof Manfred Scheuer

Anlässlich des Tages der Arbeitslosen (30. April) und des Tages der Arbeit (1. Mai) formuliert Diözesanbischof Manfred Scheuer Gedanken zu unterschiedlichen Aspekten von Arbeit und deren Bedeutung für den einzelnen Menschen bzw. die Gesellschaft.

„Erwerbsarbeit, das damit verbundene Einkommen und die daraus resultierende soziale Absicherung sind ein zentraler Schlüssel zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.“

(Ökumenisches Sozialwort der Kirchen Österreichs, Nr. 163)

 

Arbeit ist ein wesentlicher Faktor unseres Lebens. Viele Menschen sind stolz auf ihre Arbeit, trotz mancher Belastungen und Anstrengung. Arbeit ist sinnstiftend. Ausschlaggebend dafür sind mehrere Komponenten:

 

Die persönliche Komponente von Arbeit bedeutet, Energie und Fähigkeiten in die Tätigkeit einzubringen. Arbeit ist wichtig für die eigene Identität und das Selbstbewusstsein. Arbeit hat von daher nicht nur einen Preis, sondern einen unveräußerlichen Wert, denn dahinter steht der Mensch mit seiner ganzen Würde.

 

Wesentlich ist auch die soziale Komponente von Arbeit: Am Arbeitsplatz werden soziale Kontakte geknüpft und gepflegt.

 

Selbstverständlich hat Arbeit eine lebenserhaltende Komponente für den einzelnen Menschen und die ihm anvertrauten Menschen. Mit dem Lohn für die Arbeit wird der Lebensunterhalt bestritten. Arbeit umfasst aber auch eine kollektive lebenserhaltende Komponente: Mit der Arbeit und ihrer Besteuerung tragen die Menschen zur Finanzierung des Staates und mit ihm auch des Sozialstaates bei.

 

Aus den angeführten Komponenten ergibt sich: Das Ziel von Arbeit ist ein gutes Leben für die/den Einzelne/n, aber auch für alle Menschen der Gesellschaft. Produkte und Dienste, die das Leben erhalten, fördern, schöner machen, werden durch Arbeit erzeugt und geleistet.

 

Der Mensch will mit seiner in der Arbeit eingesetzten Lebensenergie wirksam werden und die Welt mitgestalten. Sinnerfüllte Arbeit ist freilich nicht immer nur lustvoll. Es gibt Dinge, die weniger gut von der Hand gehen. Vieles muss mühevoll geübt oder angelernt werden. Auch das ist ein Aspekt von Arbeit.

 

 

Arbeit ist mehr als Erwerbsarbeit

 

Zu sehen ist aber auch, dass Arbeit mehr ist als Erwerbsarbeit: Es ist zu unterscheiden zwischen Arbeit, Erwerbsarbeit und Aktivität.

 

Für ein gutes Zusammenleben braucht es auch unbezahlte Arbeit – denken wir an die vielen Freiwilligen, an Nachbarschaftshilfe, an Vereine und NGOs, aber auch an die viele Betreuungs- und Pflegearbeit in Familien. Die Erwerbsarbeitszeit steht neben diesen Formen von Arbeit. Unbezahlter Arbeit, freiwilligem Engagement und (Freizeit-)Aktivität muss genügend Raum gegeben und Wertschätzung entgegengebracht werden.

 

 

Den Blick auf den einzelnen Menschen und die Strukturen richten

 

Die Kirche hat vom Evangelium her den Auftrag, „die Armen und Bedrängten aller Art“ in den Fokus ihrer Überlegungen zu rücken. Dabei geht es aber nicht nur um Einzelschicksale, sondern auch um den kritischen Blick auf Strukturen und Dynamiken, die das Leben fördern oder es im Gegenteil erschweren. Maßstab ist hier die katholische Soziallehre mit ihren Prinzipien Person – Gemeinwohl – Solidarität – Subsidiarität und Nachhaltigkeit.

 

Maßnahmen in der Welt der Arbeit müssen daher in Bezug auf ihre Konsequenzen geprüft werden. Es bedarf der ausreichenden Berücksichtigung persönlicher, sozialer, lebenserhaltender und kollektiv-lebenserhaltender Komponenten.

 

Die Arbeitswelt steht vor großen Herausforderungen: etwa durch das Phänomen der „working poor“, durch künstliche Intelligenz, Digitalisierung (Internethandel, Crowdworking, Neue Selbstständigkeit) und die damit verbundenen Fragen nach dem Ausmaß an Arbeit, das in Zukunft zur Verfügung steht, und wie diese verteilt werden kann. Es ist Aufgabe der Politik und der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verantwortungsträger, klare und sichernde Rahmenbedingungen für die arbeitenden Menschen zu schaffen, um so das Ziel von guter Arbeit für möglichst viele Menschen auch in einer sich dynamisch ändernden Arbeitsgesellschaft zu ermöglichen. Gute Arbeit ist ein Menschenrecht.

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