Montag 19. November 2018

Quartals.Gespräch 7: Kapitalismuskritik – Marx Reloaded

Zahlreiche Interessierte folgten am 6. Februar 2018 der Einladung zum siebten Quartals.Gespräch in den Pfarrhof der Stadtpfarre Linz, darunter auch Bischof em. Maximilian Aichern OSB.

Anlass war das Erscheinen der jüngsten Ausgabe der Theologisch-praktischen Quartalschrift zum Schwerpunktthema „Kapitalismus – Kultur und Kritik“ (2018/1). Unter der Leitung von Pastoralamtsdirektorin Mag.a Gabriele Eder-Cakl diskutierten Mag.a Anna Wall-Strasser, Leiterin der Betriebsseelsorge Oberösterreich, und Univ.-Prof. Dr. Christian Spieß, Professor für Christliche Sozialwissenschaften an der Katholischen Privat-Universität Linz.

 

Unter den interessierten BesucherInnen war auch Bischof em. Maximilian Aichern (ganz rechts).

Unter den interessierten BesucherInnen war auch Bischof em. Maximilian Aichern (ganz rechts). © Bernhard Kagerer

 

Am 5. Mai 2018 jährt sich der Geburtstag des einflussreichen Philosophen und Kapitalismuskritikers Karl Marx zum 200. Mal. Die Renaissance bzw. Aktualität seiner Überlegungen zur Wirtschaft ist nicht zuletzt auf die Erfahrungen aus der Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre zurückzuführen. Aber auch Kirche und Theologie durchziehen kapitalismuskritische Motive, die mitunter an die Überlegungen von Karl Marx erinnern.

 

Die Theorie von Karl Marx, der am 5. Mai 1818 in Trier geboren wurde, ließe sich auch von Seiten der christlichen Sozialwissenschaft betrachten, so Spieß. Er bemerkte, dass sich Kapitalismuskritik "wie ein roter Faden durch die Sozialverkündigung der katholischen Kirche, und zwar von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis hinein in die Texte von Papst Franziskus" ziehe. Und das bei einer "grundsätzlich positiven Haltung zur Marktwirtschaft mit Privateigentum an Produktionsmitteln", so Spieß. Als Beispiele nannte er die Befreiungstheologie und die Neue Politische Theologie.

 

Aktuell wird für Wall-Strasser wieder ein "Unbehagen gegenüber dem kapitalistischen System spürbarer": Einerseits leiste der Kapitalismus einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Armut, andererseits werde in vielen Gesellschaften die Kluft zwischen Arm und Reich größer. Hier werde der Unterschied zwischen Marx und der katholischen Soziallehre spürbar, so die beiden Diskutierenden. Denn die katholische Soziallehre sei immer "von dem Optimismus geprägt, dass die negativen Seiten des Kapitalismus nicht durch Klassenkampf und Revolution, sondern innerhalb des Systems überwunden werden können."

 

Laut Spieß führten v. a. theologische Forderungen nach einem "Umbiegen" bzw. "Bändigen des Kapitalismus" oder einer "sachgerechten, menschengerechten, gesellschaftsgerechten" Wirtschaft zum Anliegen einer rechtlichen Rahmenordnung für die Wirtschaft. Dazu gehöre auch das Eintreten für eine gut ausgebaute Sozialpolitik und eine stabilen und lebendige Sozialpartnerschaft, die auch starke Arbeitnehmervertretungen einschließe.

 

Quartals.Gespräch 7 in der Stadtpfarre Linz.

Quartals.Gespräch 7 in der Stadtpfarre Linz. © Bernhard Kagerer

 

Anliegen des Diskussionsformats ist es, Wissenschaft und Praxis bewusst in einem nicht-akademischen Rahmen ins Gespräch zu bringen.

 

 

Vorschau

 

Das nächste Quartals.Gespräch findet am 25. Mai 2018 im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen zum Thema „Wann ist ein Mann ein Mann? Eine Spurensuche“ von 20.00 bis 21.00 Uhr an der Katholischen Privat-Universität Linz statt.

 

Gabriele Eder-Cakl / Bernhard Kagerer / Kathpress

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