Samstag 20. Januar 2018

Kirche: Zahlreiche Initiativen zum Gedenkjahr in Vorbereitung

Republik Österreich

Mit zahlreichen Veranstaltungen wird sich die katholische Kirche am Gedenkjahr 2018 in Österreich beteiligen. Der Schwerpunkt der Initiativen wird beim Erinnern an die Gründung der Republik vor 100 Jahren und an die Ereignisse ab dem März 1938 liegen.

Sie haben vor 80 Jahren zum Ende Österreichs und den Beginn der NS-Verfolgungen von politisch Andersdenkenden und bald auch von Juden geführt. Dazu beabsichtigt die Österreichische Bischofskonferenz ein gemeinsames Hirtenwort im Zuge ihrer nächsten Vollversammlung im März zu veröffentlichen. Das bestätigte Kardinal Christoph Schönborn am 29. Dezember 2017 gegenüber Kathpress.

Wie der Vorsitzende der Bischofskonferenz weiter ausführte, plane die katholische Kirche eine Veranstaltung im Gedenken an das Rosenkranzfest am 7. Oktober 1938. Damals fand eine religiöse Jugendfeier im Wiener Stephansdom mit dem damaligen Wiener Erzbischof, Kardinal Theodor Innitzer, statt. Sie gilt als die größte Manifestation des geistigen Widerstands gegen den Nationalsozialismus im gesamten sogenannten "Großdeutschen Reich". In Reaktion darauf wurde am nächsten Tag das Erzbischöfliche Palais von der Hitler-Jugend gestürmt, gefolgt von einer NS-Massenveranstaltung auf dem Heldenplatz gegen die Kirche.

Die Ereignisse vor 80 Jahren werden auch im Rahmen diverser anderer kirchlicher Initiativen thematisiert werden. So organisieren die Katholische Aktion und die KirchenZeitung der Diözese Linz am 13. März 2018 gemeinsam mit dem Evangelischen Bildungswerk eine Gedenkfahrt nach Dachau. Der Linzer Bischof Manfred Scheuer und der evangelische Superintendent Gerold Lehner nehmen daran teil, ebenso der frühere Landeshauptmann Josef Pühringer. Damit soll daran erinnert werden, dass bereits am 13. März 1938 die Nationalsozialisten begannen, Politiker, Priester und Personen jüdischer Herkunft zu verhaften. Viele von ihnen kamen in das Konzentrationslager Dachau.

Das Bildungswerk der Diözese St. Pölten setzt in seinem Programm einen Schwerpunkt auf das Gedenkjahr und bietet dazu Pfarren und kirchlichen Einrichtungen eine Reihe von Referenten und Themen an. Dabei geht es nicht nur um die Republiksgründung vor hundert Jahren und das Jahr 1938, sondern auch um die Bedeutung der verschiedenen 8er-Jahre in der tschechischen und österreichischen Geschichte. Darüber hinaus bietet das katholische Bildungswerk auch einen Blick auf die Frauen und ihre historische Rolle angefangen von der Bürgerlichen Revolution 1848 bis zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948.

Zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Novemberpogrome des Jahres 1938 gegen die jüdische Bevölkerung werden 2018 wieder mehrere christliche und jüdische Organisationen in Wien gemeinsam die "Bedenktage"-Reihe "Mechaye Hametim - Der die Toten auferweckt" veranstalten. Sie erinnern an die Ereignisse in der Nacht vom 9. auf 10. November 1938, wo im gesamten deutschen Machtbereich Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte sowie Wohnungen zerstört und verwüstet wurden. Zahlreiche Juden wurden bei den Pogromen getötet oder verletzt. Allein in Wien wurden insgesamt 42 Synagogen und Bethäuser zerstört. 6.547 Wiener Juden kamen in Haft, knapp unter 4.000 davon wurden in das Konzentrationslager Dachau verschleppt.

Einen juristischen Blick auf die Zäsur im Verhältnis von Staat und Kirche in Folge der Republiksgründung 1918 wirft ein Symposium, das von der Grazer Universität gemeinsam mit der Diözese Graz-Seckau veranstaltet wird. "1918-2018: 100 Jahre Trennung von Staat und Kirche" lautet das Thema der "7. Seggauer Gespräche zu Staat und Kirche", die am 5. und 6. April im diözesanen Bildungshaus Schloss Seggauberg (Leibnitz) stattfinden.  

 

Kathpress

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