Freitag 20. Februar 2026

Bischof Scheuer zu Neujahr: Gott sieht keinen Menschen als Serienprodukt

Bischof Manfred Scheuer

Der christliche Glaube ist nach den Worten von Bischof Manfred Scheuer ein Gegenentwurf zur heutigen Zahlenversessenheit: Trotz der Hochkonjunktur von Skalen, Rankings und Quoten sei für Gott jeder Mensch einzigartig, so Scheuer in seiner Neujahrspredigt.

"Keiner ist wiederholbar und ersetzbar, keiner ist eine Nummer oder ein Serienprodukt, keiner ein Zahnrad, bloßer Funktionär, Maschine oder Computer. Jeder Mensch hat eine einzigartige Würde und einen unendlichen Wert", so der Bischof in seiner Neujahrspredigt am 1. Jänner 2018 im Linzer Mariendom.

Scheuer bezeichnete die "Zunahme an Zahlen" als eine der tiefgreifendsten Veränderungen der Gegenwart. Dass Wirklichkeit immer weniger in Sprache und Bildern, sondern anstelle dessen in Zahlen ausgedrückt werde, mache es "unwahrscheinlich, dass alle Dimensionen von Wirklichkeit gleichermaßen kommuniziert werden", kritisierte der Bischof. Die "Magie der Zahl" trage zu einer zunehmenden Sprachlosigkeit und der Anhäufung von unverbindlicher Rede bei, auch in der personalen Begegnung oder im Glauben. Scheuer: "Was ist mit dem Gesicht, mit dem Antlitz? Was mit der Zärtlichkeit und mit dem Eros, was mit der Schönheit, was mit dem Beten?"

Gott hingegen wolle keine Roboter oder "künstliche Persönlichkeiten" vor sich sehen, sondern "ein leibhaftiges Wesen, das weinen kann, schreien unter den Wirkungen seiner läuternden Gnade; er will ein Wesen, das um den Wert menschlcher Liebe weiß und die Anziehung des anderen Geschlechts kennt. Er will ein Wesen, das den heftigsten Wunsch verspürt, ihm zu widerstehen, warum nicht?", zitierte der Bischof den Jesuiten und Sinologen Yves Raguin. Gott nenne jeden Menschen beim Namen und nehme ihn dabei mit allen Schattenseiten, Durchschnittlichkeiten und Abgründen an – "auch wenn ich mich selber nicht mehr mag", wie Scheuer hervorhob.

 

Predigt von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Kathpress

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