Montag 22. Oktober 2018

Bischof Scheuer: Drei Wege auf Weihnachten zu

Den Weg als Symbol für Lebenserfahrungen und Gottes thematisiert Bischof Manfred Scheuer in seiner Weihnachtsansprache für Radio Oberösterreich, die am 24. Dezember 2017 gesendet wurde.

„Gottseidank ist die Zeit des Wartens vorbei“, werden sich heute am 24. Dezember vermutlich viele Kinder denken. Warten hat auch für viele Erwachsene eine negative Aura: Ist warten möglicherweise eine vergeudete Zeit? Dabei ist der Advent keine passive Wartezeit, sondern vielmehr eine aktive Vorbereitungszeit. Das ist nicht nur am geschäftigen Treiben in den Häusern und auf den Straßen ersichtlich. Auch religiös dient die Adventzeit dazu, sich auf das Weihnachtsfest, auf die Ankunft Gottes in unserem Leben vorzubereiten.

 

Advent, das heißt in Bewegung kommen, das heißt aufbrechen, sich auf den Weg machen. Der Weg ist ein menschliches Symbol, das eng mit unseren Lebenserfahrungen verknüpft ist. Von der biblischen Botschaft her sind unsere Lebens-Wege auch Gottes-Wege, der mit dem einzelnen Menschen und mit dem Volk Gottes mitgeht.

 

Drei Wege auf Weihnachten zu

Wege zur Weihnacht. © geralt / www.pixabay.com CC0 1.0

 

Ich möchte drei Richtungen, drei Wege benennen, in die uns der Weg hin auf Weihnachten führen kann:

 

Ein erster Weg führt zu mir selbst. Von Karl Valentin gibt es den Sager: „Heute besuche ich mich. Hoffentlich bin ich daheim.“ Nicht wenige Menschen neigen dazu, es immer allen recht machen zu wollen. Dabei vergessen sie ganz, einmal in sich hineinzuhorchen. „Was wünschst du dir?“ Gerade vor Weihnachten wird diese Frage oft gestellt. Es lohnt sich, diese Frage für sich zu vertiefen: Was wünsche ich mir wirklich, wie stelle ich mir mein Leben eigentlich vor? Wie viele große Hoffnungen habe ich in mich gesetzt, wo bleibe ich etwas schuldig, wo gelingt es mir, mich zu verwirklichen? Kenne ich meine innere Sehnsucht noch?

 

Ein zweiter Weg führt zu den anderen Menschen. Zu Weihnachten stehen die Beziehungen zu Familie, zu KollegInnen und FreundInnen im Vordergrund. Man denkt in dieser Zeit verstärkt an die Menschen, die wichtig sind. Mitunter mischt sich auch Trauer dazu: weil Entfremdungen und Verletzungen geschehen sind oder weil der Tod eine schmerzliche Lücke gerissen hat. Der Weg zu den anderen Menschen führt aber nicht nur zu den uns Vertrauten. Als Christinnen und Christen führt dieser Weg mich auch zwangsläufig zu den Menschen, die mir nicht geheuer sind, die mir fremd sind, die ich vielleicht nur unbewusst wahrnehme. Lasse ich mich ansprechen von Schicksalen, von Armut, von Fremdheit? Aufgrund der Botschaft Jesu haben wir Christen eine hohe soziale Verantwortung. Wir haben uns zu sorgen um eine Gesellschaft, die ein friedliches Zusammenleben fördert, die gastfreundlich ist und die Ausgrenzungen vermeidet.

 

Ein dritter Weg führt schließlich zur Krippe. In der Krippe liegt das Kind Jesus. In ihr liegt das Versprechen Gottes, mit uns Menschen zu sein und unserem Leben eine gute Wendung zu geben. Es geht zu Weihnachten darum, die Krippe, das heißt Jesus, vor lauter Trubel und Hektik nicht zu übersehen. So unscheinbar und unerwartet Gott damals in die Welt gekommen ist, so ist Gottes Zuwendung an uns oft überraschend, manchmal befremdend, alltäglich und doch befreiend. Er kommt kleiner, unscheinbarer, als wir uns das ausdenken. Um ihn wahrzunehmen, braucht es die Bereitschaft, Gott in unserem Leben Raum zu geben. Es braucht ein Hinhören und Hinschauen, ein Wahrnehmen der leisen und zarten Töne, und das tiefe Vertrauen, dass mit Gott immer zu rechnen ist.

 

Ich wünsche Ihnen von Herzen ein friedvolles und gesegnetes Weihnachtsfest und ein von Gott begleitetes neues Jahr 2018.

 

Bischof Manfred Scheuer

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