Sunday 28. February 2021

Hermann Glettler wird fünfter Bischof von Innsbruck

Der designierte Innsbrucker Bischof Hermann Glettler bei seiner Antrittspressekonferenz.

Papst Franziskus hat Hermann Glettler, Bischofsvikar der Diözese Graz-Seckau, zum fünften Bischof von Innsbruck ernannt. Das gab am 27. September 2017 der Heilige Stuhl im "Bollettino", dem Pressedienst des Vatikans, offiziell bekannt.

Damit wird das lange Warten der Tiroler auf einen Bischof offiziell beendet, das durch den Wechsel von Bischof Manfred Scheuer von Innsbruck nach Linz begonnen hatte. In der seit Jänner 2016 dauernden Sedisvakanz stand Jakob Bürgler als Diözesanadministrator an der Spitze der Innsbrucker Diözese. Bereits am Dienstag, 26. September 2017 war der Ministerrat dem Konkordat folgend mit der Ernennung Glettlers befasst und erhob keine Einwände "allgemein politischer Natur".

Die Bischofsweihe wird am 2. Dezember um 12 Uhr im Innsbrucker Dom mit Erzbischof Franz Lackner stattfinden. Die Bischöfe Wilhelm Krautwaschl und Manfred Scheuer werden konsekrieren.  

 

 

Antrittspressekonferenz: Mit Freude und Dynamik in die Zukunft

 

Mit einem herzlichen Dank an den Diözesanadministrator Jakob Bürger startete Hermann Glettler in seine erste Pressekonferenz als designierter Bischof der Diözese Innsbruck am Mittwoch, 27. September 2017 im Haus der Begegnung in Innsbruck. Bürgler habe "die Diözese mit Feinfühligkeit und großem Engagement geleitet" und dabei auch viele Hürden gemeistert. Dass er die Entscheidung des Papstes für einen Nicht-Tiroler so gelassen nehme, zeuge „von einer beeindruckenden menschlichen Größe und einer tiefen geistlichen Verwurzelung."

 

Mit launigen Worten kommentiert Glettler seine eigene Reaktion auf die Ernennung zum Bischof: "Die Freude über das Bischofsamt braucht noch etwas, aber der erste Schrecken ist überwunden.“ Nach den ersten Versuchen, dagegen zu reden, habe er dann doch zu dieser Ernennung Ja sagen können. „Ich vertraue darauf, dass auch bei dieser Entscheidung Gott seine Hände mit im Spiel hatte. Gott kennt mich, meine Begabungen und meine Sünden, trotzdem beruft er mich: Das ist Barmherzigkeit“, so Glettler. Der designierte Bischof ermutigte alle Menschen, auf den Ruf Gottes zu hören und auf ihre Weise auf diesen Ruf zu antworten. Auch wenn das oft bedeute, „die Komfortzone des Lebens zu verlassen“.

 

Nach Tirol komme er als Lernender, betont der gebürtige Steirer: „Ich muss die Kultur, die Bräuche und das Leben der Menschen hier erst kennen lernen“. Ihm sei klar, dass er mit dem Tiroler Dialekt eine weitere Fremdsprache lernen müsse, aber er sei sehr neugierig auf Tirol und die Menschen in diesem Land. Nach den ersten Stunden im Land habe er schon sehr viele herzliche Begegnungen erlebt, freut sich Glettler.

 

In der Diözese Graz-Seckau war Glettler zuletzt als Bischofsvikar für die Bereiche Caritas und Evangelisation verantwortlich. Beides gehört für den neuen Bischof von Innsbruck eng zusammen. „Eine wirkliche Verkündigung des Evangeliums lässt sich nicht leben ohne die liebevolle Aufmerksamkeit für Notleidende und Menschen, die an den Rand gedrängt sind“, so Glettler.

 

Seinen Weg als Bischof sieht Glettler mitten im Volk Gottes und vom Volk Gottes getragen. Er wolle ein Bischof sein, der um das Leben der Menschen Bescheid wisse und der sich auch korrigieren lassen wolle. Er will aber keiner Ortskirche vorstehen, die nur um sich selber und um innerkirchliche Themen kreise; so Glettler. „Als lebendiges Volk Gottes nehmen wir teil an allem, was es an Freude und Gelingen, aber auch an Verwundungen in unserer Gesellschaft gibt.“ Insgesamt blicke er mit großer Freude in die Zukunft, so Glettler.

 

Ausdrücklich wandte er sich an alle Menschen, die sich aus Enttäuschung oder Frustration von der Kirche abgewandt haben, eine andere spirituelle Heimat gefunden haben oder nie einen Bezug zur Kirche hatten. Er trete gerne in Dialog und freue sich über jedes Zeichen menschlicher Verbundenheit, so Glettler.

 

Ein besonderes Anliegen ist dem künftigen Bischof der ökumenische Dialog und das Gespräch mit anderen Religionsgemeinschaften. Ausdrücklich grüßte Glettler die israelitische Kultusgemeinde und die Muslime in Tirol. „Friede und Versöhnung kann es nur geben, wenn wir uns alle als Teil einer großen Menschheitsfamilie sehen und gemeinsam das Wohl aller vor Augen haben“, so Glettler.

 

Am Ende seines Statements bat der künftige Bischof um Unterstützung für sein künftiges Wirken in der Diözese Innsbruck. Es gehe dabei nicht um die Kirche, sondern um das Reich Gottes und um ein neues, vom Geist erfülltes und solidarisches Leben. Dankbar sei er für alle Zeichen des Willkommens, die ihm in diesen Tagen und künftig entgegengebracht werden.

 

 

Der designierte Innsbrucker Bischof Hermann Glettler bei seiner Antrittspressekonferenz.

Der designierte Innsbrucker Bischof Hermann Glettler bei seiner Antrittspressekonferenz. © Diözese Innsbruck / Weingartner-Rachlé

 

Gebet als Auftakt

 

Mit einem "Gebet für und mit dem Bischof" hat der neu ernannte Bischof von Innsbruck einen geistlichen Grundton für sein künftiges Wirken gesetzt: "Ich will mit dem Gebet beginnen", sagte Hermann Glettler unmittelbar nach Bekanntgabe seiner Ernennung durch Papst Franziskus vor zahlreichen Gläubigen im Innsbrucker Dom. Die schlichte geistliche Feier am Nachmittag des 27. September 2017 endete mit einer berührend Geste: Gletter bat knieend vor dem Altar im Blick auf das berühmte Marienbild im Dom um das Gebet und den Segen für ihn und war dabei von den Gläubigen umringt, die ihm die Hände auflegten.

 

Am Beginn der Andacht verlas Diözesanadministrator Jakob Bürgler das päpstliche Ernennungsschreiben und wurde dabei vom spontanen Applaus der Gläubigen unterbrochen, als der Name von Hermann Glettler proklamiert wurde. "Mit dieser Ernennung geht eine lange und belastende Zeit in der Diözese Innsbruck zu Ende", sagte Bürgler, der seit Jänner 2016 an der Spitze der Kirche in Tirol stand.

 

In einem kurzen geistlichen Wort sagte Glettler unter Bezugnahme auf den biblischen Text bei der Feier: "Ich habe Ja gesagt im Vertrauen auf den aufbauenden Geist Gottes." Seine Berufung zum Bischof entspreche ganz dem Paulus-Brief in dem es heißt, "dass Christus uns nicht aufgrund unserer Werke, sondern aufgrund seiner Gnade berufen hat". In diesem Vertrauen wolle er seinen neuen Dienst in der Diözese aufnehmen. Gleichzeitig verwies Glettler auf sein Kernanliegen, das er bereits als Bischofsvikar für Evangelisation in der Diözese Graz-Seckau ausgeübt hat und erklärte: "Evangelisation ist nicht Propaganda, sondern ermöglicht die Begegnung mit Jesus Christus, der das Leben schenkt."

 

Gebet für den und mit dem neuen Bischof im Innsbrucker Dom.

Berührender Auftakt: Gebet mit dem und für den Bischof im Innsbrucker Dom. © Kathpress / Paul Wuthe

 

 

Seelsorger, Kunsthistoriker und Künstler


Mit dem 52-jährigen Grazer Bischofsvikar Hermann Glettler ist nicht nur ein lang gedienter Seelsorger, der sich über viele Jahre in der Migranten- und Armenseelsorge engagierte, neuer Diözesanbischof für Innsbruck. Er ist zugleich auch ausgebildeter Kunsthistoriker und leidenschaftlicher Künstler. 14 Jahre lang leitete der gebürtige Steirer die Pfarre St. Andrä im Grazer Multikulti-Bezirk Gries, einem "Auffangbezirk für die Angeschwemmten, in Graz Gestrandeten", wie ihn Glettler in der Missio-Zeitschrift "alle welt" einmal beschrieb. 2016 ernannte ihn der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl zum Bischofsvikar für Caritas sowie für neue missionarische Aufgabenstellungen.

Hermann Glettler wurde am 8. Jänner 1965 in Übelbach in der Steiermark geboren. Seine Schullaufbahn schloss er am Bischöflichen Seminar und Gymnasium in Graz ab. Die Maturareise führte ihn 1983 nach Frankreich, wo er in Paray le Monial zufällig an einem internationalen Jugendtreffen der Gemeinschaft Emmanuel teilnahm, der er seit 1987 angehört. Im Gespräch mit jungen Theologiestudenten hatte sich damals sein Wunsch verstärkt, Priester zu werden in einer Gemeinschaft, die mitten in der Gesellschaft von heute lebt, betet und arbeitet. Glettler studierte Theologie und Kunstgeschichte in Graz, Tübingen und München.

Am 23. Juni 1991 wurde Hermann Glettler zum Priester für die Diözese Graz-Seckau geweiht. Nach Kaplansjahren in Judenburg-St. Nikolaus und Wagna verbrachte er ein Fortbildungsjahr 1998/99 in St. Nicolas des Champs in Paris. Von 1999 bis 2016 war er Pfarrer im Pfarrverband Graz St. Andrä-Karlau. Als Pfarrer im kulturell und religiös vielfältigen Bezirk Gries engagierte er sich besonders auch für sozial Benachteiligte und Flüchtlinge. Er gehört der Kommission für den interreligiösen Dialog und der Kunstkommission der Diözese an. Zusätzlich zur Kunstvermittlung ist er auch als eigenständiger Künstler tätig. Seit einigen Jahren ist er Vorsitzender des Arbeitsausschusses des steirischen Priesterrates. Im September 2016 wurde er zum Bischofsvikar für Caritas und Evangelisation in der Diözese Graz-Seckau bestellt. Als Provisor leitet er die Pfarre Graz-Christus der Salvator.



Kultureller Brückenbauer in Graz


Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Glettler bereits durch seine Zeit in Graz/St. Andrä bekannt, wo er bald neben der traditionellen Pfarrseelsorge auch die zahlreichen Migranten in den Blick nahm: Im Jahr 2000 erfolgte dazu der "Startschuss" mit einigen Taufen von Kindern afrikanischer Familien. Die Einführung englischsprachiger afrikanischer Gottesdienste band die Menschen dann an St. Andrä, die Pfarrgemeinde wurde Heimstätte der African Catholic Community mit einem von der Musik und dem Temperament Westafrikas geprägten sonntäglichen Gottesdienst. Auch eine spanischsprachige Gemeinschaft fand sich dort ein, der vor allem Leute aus der Dominikanischen Republik angehören.

Seine Affinität und Liebe vor allem für die zeitgenössische Kunst setzte Glettler auch in seiner eigenen Kirche St. Andrä in die Praxis um. Das aus der Barockzeit stammende Gotteshaus ließ er von zahlreichen zeitgenössischen Künstlern umfassend - von der unkonventionellen Fassadenbemalung bis zu den Glasfenstern - umgestalten. Mit konzeptuellen Bildgestaltungen ist er auch selbst künstlerisch tätig, mit einer seiner Arbeiten war er u. a. bei der Ausstellung "Leiblichkeit und Sexualität" in der Wiener Votivkirche präsent.

 

Gebet für den und mit dem neuen Bischof im Innsbrucker Dom.

Der designierte Innbrucker Bischof Hermann Glettler. © Kathpress / Paul Wuthe

 

Herzliches Grußwort von Amtsvorgänger Manfred Scheuer

 

Manfred Scheuer, seit 2016 Bischof von Linz und von 2003 bis 2016 Bischof der Diözese Innsbruck, brachte in seinem Grußwort auf der Website der Diözese Innsbruck seine Freude darüber zum Ausdruck, dass es nun in Innsbruck nach langem Warten einen Nachfolger gebe:

 

Sehr herzlich grüße ich Bischof Hermann Glettler. Ich kenne ihn von einigen kurzen Begegnungen und bin überzeugt, dass er gut in die Diözese Innsbruck hineinwachsen wird. Was Bischof Reinhold Stecher als „Kirche im Vierfarbendruck“ beschrieben hat, sehe ich in Hermann Glettler als einer farbigen und bunten Persönlichkeit verwirklicht. Priester und Künstler zu sein macht ihn anschlussfähig in den Bereichen Kunst und Kultur sowie offen für das Gespräch mit Suchenden, Skeptiker und Zweiflern. – Manchmal sind wir müde geworden bei all den Personaldiskussionen, bei Strategiefragen und Strukturdebatten. Ich hoffe, dass Bischof Glettler unverbraucht eine neue Dynamik und einen Schritt nach vorne hineinbringt. Seine Option für die Armen und Migranten, seine Internationalität, seine Spiritualität und auch sein Gebet werden für die Diözese Innsbruck ein Geschenk und auch eine Herausforderung sein. Ich bitte die Tirolerinnen und Tiroler, dass sie Bischof Hermann Glettler ebenso gut aufnehmen, wie ich es vor 14 Jahren erfahren durfte.

Ich freue mich sehr, dass es in Innsbruck einen Nachfolger für mich gibt. Es hat lange gedauert und es war durchaus ein schwieriger und schmerzlicher Weg, auf dem einige beschädigt und verletzt worden sind. Da braucht es in den kommenden Monaten noch einmal ein Innehalten und manches Gespräch. - Ich danke meinem früheren Generalvikar und derzeitigen Diözesanadministrator Msgr. Jakob Bürgler für seine ausgezeichnete Arbeit in den vergangenen 12 Jahren. Für uns alle erbitte ich den Segen und den Geist Gottes.

 

Bischof Dr. Manfred Scheuer

Bischof Manfred Scheuer freut sich, dass es in Innsbruck einen Nachfolger gibt. © Diözese Innsbruck / Aichner

 

Viele positive Reaktionen auf Glettlers Ernennung
 

Die Ernennung von Hermann Glettler zum neuen Innsbrucker Bischof hat zahlreiche positive Reaktionen aus der Kirche im In- und Ausland hervorgerufen. Er freue sich nach der "allzu langen Zeit des Wartens" mit der Diözese Innsbruck, schrieb etwa der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der Glettler am 2. Dezember die Bischofsweihe spenden wird, in einer Stellungnahme vom Mittwoch. Glettler werde den von seinen Vorgängern vorgezeichneten Weg sicher weitergehen und die Kirche in eine gute Zukunft führen werde, so der Erzbischof.

Er kenne den bisherigen Bischofsvikar der Diözese Graz-Seckau aus der gemeinsamen Zeit in Graz sehr gut und schätze ihn, betonte Lackner. Über viele Jahre sei der künftige Innsbrucker Oberhirte "Pfarrer mit Engagement und Hingabe" gewesen, zudem auch ein "tiefgläubiger Priester, geprägt von einer großen Offenheit in Fragen Kunst, Kultur und Andersdenkenden gegenüber", beschrieb Lackner Glettlers Person.

Besonderer Dank gebühre auch dem Innsbrucker Administrator Jakob Bürgler, der die Diözese nach der Versetzung von Bischof Manfred Scheuer nach Linz fast zwei Jahre lang "bedacht geleitet und vertreten" habe, wie Lackner hervorhob. Ähnlich äußerte sich hier der Feldkircher Bischof Benno Elbs, der Bürgler angesichts seiner eigenen Erfahrungen als Diözesanadministrator in Feldkirch "mit größtem Respekt" für die gute Zusammenarbeit dankte.

Dem künftigen Oberhirten seiner östlichen Nachbardiözese bescheinigte Bischof Elbs eine "unverkennbar direkte Verbindung zu den Menschen". Glettler sei "ein Mann der Kunst, ein Mann der Kirche und ein Mensch, der Glauben immer vom Menschen her und mit den Menschen denkt", so Elbs, und weiter: "Er kennt die Basis aus seiner Arbeit im denkbar buntesten Viertel von Graz und er kennt die Sorgen und Nöte der Menschen heute ebenso wie ihre Freuden und Hoffnungen."

Beeindruckt habe ihn selbst, als Glettler einmal Referent der Feldkircher "Theo-Tage" war und bei den Diskussionen über Leben und Glaube "sofort den richtigen Draht zu den rund 600 Jugendlichen gefunden" habe, berichtete Elbs. Nicht nur die Jugendlichen hätten dies geschätzt.

Hoffnung auf gute Nachbarschaft

Die nach langem Warten erfolgte Bestellung von Hermann Glettler zum Bischof von Innsbruck ist auch für die Nachbardiözese Bozen-Brixen ein "Grund zur Freude": Das hat der Südtiroler Bischof Ivo Muser am Mittwoch in seinem Glückwunschschreiben betont. Seinem künftigen Innsbrucker Amtskollegen Glettler wünschte Muser darin, er möge "Brückenbauer für alle Gesichter, Stimmen, Freuden, Sorgen und Charismen, die es in der Diözese Innsbruck" sein. Er solle die Gläubigen mit "Hoffnung, Einsatz und Gelassenheit" Jesus Christus als Grundfeste der Kirche erkennen helfen.

Muser hob zudem auch die Verbindung der Nord- und der Südtiroler Diözese hervor - "durch eine lange Geschichte, aber auch durch viele Gemeinsamkeiten, durch gute, nachbarschaftliche Beziehungen und durch bewährte Formen des Austauschs und der Zusammenarbeit in der Gegenwart". Er hoffe "auf eine gute Nachbarschaft und auf viele Begegnungen - diesseits und jenseits des Brenners", so der Bischof an seinen designierten Innsbrucker Amtskollegen.

Für Evangelische "Zeichen der Öffnung"

Als ein "Zeichen der Öffnung" gerade im Jahr des Reformationsjubiläums hat der Superintendent der evangelischen Kirche in Salzburg und Tirol, Olivier Dantine, die Innsbrucker Bischofsernennung bezeichnet. In einem persönlichen Gratulationsbrief wird Glettler als "sozial engagierter Pfarrer, dessen Herz für das Engagement für Flüchtlinge und auch für die interreligiöse Begegnung schlägt" gewürdigt. Man freue sich auf die zukünftige ökumenische Zusammenarbeit, so Dantine.

In seinem Schreiben nimmt Dantine auch auf die Kunst-Affinität Glettlers Bezug. Als Theologe habe der künftige Bischof "über die Kunst Wege zur Begegnung weit über die römisch-katholische Kirche hinaus" eröffnet. Hervorgehoben wurde auch Glettlers Aufträge an zeitgenössische Künstler für die Neugestaltung seiner Pfarrkirche St. Andrä sowie die internationalen Gottesdienste afrikanischer und spanischsprachiger Gemeinden am selben Ort.

Glettler vereint Beten und Handeln

Glücklich über Glettlers Bischofsernennung äußerte sich auch die Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission (KOO). Glettlers Person vereinige Kontemplation, Beten, soziales Handeln und Mission, erklärte KOO-Geschäftsführer Heinz Hödl am Mittwoch gegenüber Kathpress. Glettler habe sich schon bisher in großem Ausmaß für die Weltkirche engagiert, die er als "lebendige Solidar-, Gebets- und Lerngemeinschaft" verstehe und sich selbst immer als deren Teil sehe. Hödl: "Ich bin voller Hoffnung und Freude darüber, dass Hermann Glettler ein sehr guter Bischof in Innsbruck und ein guter Hirte für die Gläubigen wird."

Das Soziale, Ökologische und Politische sei als christlicher Auftrag zur Gestaltung der Welt zwar notwendig, die Transzendenzerfahrung dürfe dabei aber nicht fehlen, betonte Hödl. Gut bei Hermann Glettler aufgehoben sei "die zentrale Frage der Evangelisierung in einer weithin säkularen und religiös multioptionalen Welt", die da laute: "Wie wird die Botschaft des Evangeliums, wie wird der Glaube zur Erfahrung?" Das Evangelium müsse schließlich verkündet, der christliche Glaube "vorgestellt" und gelehrt werden. "Wenn der Glaube zur persönlichen Erfahrung wird, wird er lebendig und prägt das Leben", so der Kirchenfachmann.

 

 

Stichwort: Diözese Innsbruck


Mit der Ernennung von Hermann Glettler zum Bischof von Innsbruck reiht sich der gebürtige Steirer in eine bislang noch überschaubare Liste der Amtsvorgänger. Glettler ist der erst fünfte Bischof einer Diözese, die infolge der politischen Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg ihre heutige Form bekommen hat und gleichzeitig auf eine lange Kirchengeschichte blicken kann.

Geografisch gesehen ist die Diözese Innsbruck - wie das Bundesland Tirol - kein einheitliches Gebiet. Sie umfasst rund zwei Drittel des Gebietes von Nordtirol (vom Arlberg bis zur Ziller) sowie Osttirol. Die katholischen Pfarren im östlichen Teil Nordtirols gehören zur Erzdiözese Salzburg.

Aktuell leben in der Diözese mit 290 Pfarren und Seelsorgestellen rund 385.000 Katholiken. 2004 hat man sich für die Einrichtung von Seelsorgeräumen, in denen mehrerer Pfarren zusammenarbeiten, entschieden. Von den geplanten 75 Seelsorgeräumen sind knapp 90 Prozent bereits errichtet.

Zahlreiche Ordensgemeinschaften und kirchliche Einrichtungen spannen ein Netz der kirchlichen Präsenz und menschennahen Seelsorge über Tirol. Gut 25.000 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeugen von einem starken Laienengagement. Die Caritas der Diözese Innsbruck ist mit ihren haupt- und unzähligen ehrenamtlichen Mitarbeitern ein unverzichtbarer und professioneller Pfeiler in der sozialen Landschaft Tirols. Prägende Bildungseinrichtungen sind die Kirchliche Pädagogische Hochschule Edith Stein und die Theologische Fakultät der Universität Innsbruck. Dazu kommen die drei diözesanen Bildungshäuser Haus der Begegnung in Innsbruck, das Bildungshaus Osttirol und das Bildungshaus St. Michael in Pfons bei Matrei am Brenner, das bis Ende 2017 neu errichtet wird.

Lange Kirchengeschichte, kurze Diözesangeschichte

Das Christentum fasste in Tirol bereits im 5. und 6. Jahrhundert Fuß. Im 8. Jahrhundert erfolgte dann eine diözesane Grenzziehung, wie sie mehr oder weniger unverändert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts Bestand haben sollte: Der Osten Nordtirols und der Großteil Osttirols gehörte zur 732 gegründeten Diözese Salzburg (ab 798 Erzdiözese), das mittlere und westliche Inntal zur Diözese Säben bzw. Brixen, das Außerfern zur Diözese Augsburg. Der Südtiroler Vinschgau samt Nauders war, ebenso wie das hintere Paznaun, dem Bischof von Chur unterstellt, das Burggrafenamt wie Bozen und das Bozener Unterland dem Bischof von Trient.

Für die kirchliche Entwicklung bedeutend waren die im Hochmittelalter gegründeten Stifte Wilten, Fiecht und Stams, später dann auch Franziskaner, Kapuziner und Jesuiten sowie zahlreiche Frauenorden.

Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts war Tirol nur noch auf die Diözesen Brixen, Salzburg und Trient aufgeteilt. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Teilung Tirols lag nun der Großteil der Diözese Brixen, zu der auch Vorarlberg gehörte, auf österreichischem Gebiet, während der Bischofssitz samt Verwaltung, Priesterseminar und Bischöflichem Gymnasium in Italien lag, das mehr und mehr die Verbindungen in den Norden kappte. So wurde 1921 die Apostolische Administratur Innsbruck-Feldkirch in Abhängigkeit von Brixen, 1925 dann direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt, gegründet und die Leitung dem Brixener Weihbischof Sigismund Waitz übertragen.

1964 erhob Papst Paul VI. (1963-78) die Apostolische Administratur zur Diözese Innsbruck und ernannte Paulus Rusch (1903-1986) zum ersten Bischof von Innsbruck. Gleichzeitig entstand in Südtirol die Diözese Bozen-Brixen, die nun auch die ehemals Trienter Gebiete Südtirols umfasste. Vier Jahre später wurde 1968 das bis dahin zum Innsbrucker Diözesangebiet gehörende Vorarlberg abgetrennt und zur eigenständigen Diözese Feldkirch erhoben. Die kirchlichen wie politischen Bemühungen, das zur Erzdiözese Salzburg gehörende Tiroler Unterland mit Innsbruck zu vereinigen, wurden nicht umgesetzt.

Auf Bischof Rusch folgte 1980 Reinhold Stecher (1921-2013), ab 1997 war der gebürtige Steirer Alois Kothgasser Diözesanbischof von Innsbruck. Von 2003 bis Jänner 2016 stand der aus Oberösterreich stammende Manfred Scheuer als Bischof der Tiroler Diözese vor. Nach dem Wechsel Scheuers nach Linz leitete Diözesanadministrator Jakob Bürgler übergangsweise die Diözese.

 

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