Mittwoch 22. November 2017

Moraltheologe Rosenberger: Kirche fehlt Leidenschaft für Umweltschutz

Moraltheologe Dr. Michael Rosenberger

Der Kirche in Österreich fehlt es nach den Worten des Linzer Moraltheologen Michael Rosenberger an Leidenschaft für den Umweltschutz sowie an Identifikation mit dem Leiden anderer Menschen und der Natur.

Mit dieser Kritik lässt Rosenberger, der Professor an der Katholischen Privat-Universität (KU) Linz ist, in einem Gastbeitrag auf dem Portal "katholisch.at" aufhorchen. Etwas mehr als zwei Jahre nach Veröffentlichung der Papst-Enzyklika "Laudato si" fällt für den Theologen die Zwischenbilanz der Kirche hinsichtlich ihres Umweltengagements durchwachsen aus.

Sowohl an der Kirchenbasis wie auch an der Spitze vermisse er jene Leidenschaft, die Papst Franziskus eingefordert habe, betont Rosenberger. Dieser habe es in "Laudato si" als Ziel beschrieben, "das, was der Welt widerfährt, schmerzlich zur Kenntnis zu nehmen, zu wagen, es in persönliches Leiden zu verwandeln" und "eine Leidenschaft für den Umweltschutz zu fördern". Anders als für Themen wie etwa zur Kommunionspendung in Wortgottesdiensten, finde in Kirchenkreisen keine leidenschaftlichen Debatten über die heutigen Umweltprobleme statt. "Es ist an der Zeit, dass wir uns anstecken lassen von der Leidenschaft des Papstes für die geschundene Schöpfung", so Rosenberger.

 

Immerhin sei "Laudato si" laut dem Theologen die erste Enzyklika, die sprachlich von durchschnittlich gebildeten Menschen verstanden worden konnte wenigstens wahrgenommen worden: Das Interesse sei in der ersten Phase groß gewesen, blicke man auf die vielen Vorträge, Bildungsveranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Arbeitshilfen zu diesem Thema. Nun befinde sich Österreichs Kirche in der "zweiten Phase", in der sich die Diözesen darum bemühten, die Papst-Impulse "in strukturelle Veränderungen zu übersetzen" und das Handeln der Kirche "schöpfungsverträglicher" zu gestalten, erklärt der Theologe.

 

Noch seien nicht alle Prozesse abgeschlossen, "aber sie sind zumindest in den meisten Diözesen auf dem Weg", so Rosenberger; letztendlich werde es freilich darauf ankommen, was sich tatsächlich geändert habe. Konkret würden derzeit in vielen Diözesen Umwelt-Leitlinien formuliert, an denen sich das gesamte Handeln der Diözese ausrichtet. Ein weiteres Ziel sei die Entwicklung einer Klima- und Energiestrategie, die den Energieverbrauch und damit die CO2-Ausstöße deutlich reduziert. Schließlich versuche man auch, eine ökosoziale Beschaffungsordnung zu etablieren. Mit dieser soll der Konsum einer Diözese nach ökologischen und sozialen Kriterien gestaltet werden.

 

Der Beitrag Rosenbergers ist in der neuen "katholisch.at"-Rubrik "mein STAND.PUNKT" erschienen. In der Rubrik kommentieren regelmäßig bekannte Autorinnen und Autoren aus Kirche, Theologie und Gesellschaft aktuelle Entwicklungen und Debatten. Der Gastbeitrag von Prof. Rosenberger ist unter www.katholisch.at/standpunkt/rosenberger/schoepfung abrufbar.

 

Kathpress

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