Samstag 24. Juni 2017

20 Jahre Jugend Eine Welt: Drehscheibe und Brückenbauerin

Seit 1997 hilft die österreichische Hilfsorganisation "Jugend Eine Welt" unter dem Motto "Bildung überwindet Armut" benachteiligten Kindern und Jugendlichen weltweit.

Am 12. Mai 2017 feierte „Jugend Eine Welt - Don Bosco Aktion Österreich“ im Wiener Don Bosco Haus mit mehr als 300 Gästen ihr 20-jähriges Wirk-Jubiläum. Gründer der weltweit aktiven Fachorganisation für Entwicklungszusammenarbeit waren u. a. Reinhard Heiserer, ehemaliger Entwicklungshelfer in Ecuador, P. Petrus Obermüller, damals Jugendpastoralleiter der Salesianer, ehemalige Volontäre, Salesianerpersönlichkeiten und Freunde Don Boscos.

 

Gründer Reinhard Heiserer (r.) beim Anschneiden der 'Geburtstagstorte'.

Gründer Reinhard Heiserer (r.) beim Anschneiden der "Geburtstagstorte". © Jugend Eine Welt

 

Unter dem Motto „Bildung überwindet Armut“ förderte die 1997 gegründete Hilfsorganisation in den vergangenen 20 Jahren mehr als 2.700 Hilfsprojekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche, setzte Spenden- und Fördergelder in Höhe von 70 Millionen Euro um und entsandte alleine und gemeinsam mit ihren Partnern insgesamt 600 Volontäre auf Auslandseinsatz. Projektpartner aus Bolivien, Ecuador, Ghana, Indien, Liberia und Tunesien vermittelten beim Jubiläumsfest eindrucksvoll, wie dringend der Einsatz der Hilfsorganisation weiterhin gebraucht wird - und dass Europa endlich mit aller Kraft den Ursachen von Armut, Flucht und Verzweiflung in Ländern des globalen Südens entgegentreten muss.

 

„Seit 20 Jahren versuchen wir Brücken zu bauen zwischen denen, die Hilfe brauchen und jenen, die Hilfe geben können. Was aber vor allem zählt, ist nicht der Beginn, sondern - in Anlehnung an ein Zitat der Heiligen Theresa von Avila - das Durchhalten und das was wir mit der großzügigen Unterstützung anderer bisher bewirken konnten und weiter können. Dafür danken wir heute ganz herzlich!“, so Reinhard Heiserer in seiner Festrede. Gleichzeitig wies er auf aktuelle Herausforderungen hin: In mehr als 50 Ländern nähme die Armut ständig zu, die Spanne zwischen Arm und Reich gehe immer mehr auseinander, Ausbeutung und Kinderarbeit seien tägliche Realität für Millionen Menschen. Wenn viele in Europa ihre einzige Chance sähen, liege das vor allem daran, dass sie zuhause keinerlei Perspektiven hätten. Umso mehr müsse jeder Einzelne den Blick nach außen und für ein globales Miteinander schärfen. Jeder, aber insbesondere jene wie Jugend Eine Welt, die Teil eines weltweiten Netzwerkes sind, dürfen sich nicht mit Betreuung notleidender Menschen begnügen, sondern müssen unermüdlich danach trachten, Ursachen jener Unrechtsstrukturen zu bekämpfen. Hier in unserer Heimat genauso wie durch Mithilfe unserer Partner in den Projektländern.

 

 

Es geht um Haltung


Der Eine Welt-Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch das bunte Festprogramm, angefangen von der riesigen Geburtstags-Torte in Form einer Weltkarte bis hin zur selbst gebastelten Weltkugel-Scheibe, die Kinder des Nachbarschaftszentrums „Sale für Alle“ als Geschenk überreichten, einer drei Meter hohen aufblasbaren Weltkugel oder dem Fairtrade-Kabarett mit Georg Bauernfeind. Was Jugend Eine Welt von so manchen anderen Hilfsorganisationen unterscheidet, brachte Festredner Hans-Jürgen Dörrich von der deutschen Partnerorganisation Don Bosco Mondo auf den Punkt, indem er am Anfang seiner Rede das Sakko ablegte und die Hemdsärmel aufkrempelte: „Es geht um Haltung. Bei Don Bosco wird tatkräftig geholfen, dort wo die Not am größten ist. Wir sind nicht klüger als andere, aber wir sind näher dran. Denn unser weltweites Partnernetzwerk ist in 132 Ländern vor Ort. Wir müssen uns nicht einarbeiten, wir stehen seit Jahrzehnten an der Seite der Menschen und kennen ihre Bedürfnisse.“

 

Kinder des Nachbarschaftszentrums 'Sale für Alle' überbringen eine selbst gebastelte Weltkugel-Scheibe

Kinder des Nachbarschaftszentrums "Sale für Alle" überbringen eine selbst gebastelte Weltkugel-Scheibe. © Jugend Eine Welt

 

Kinder geben die Richtung vor


Wie sehr die von Jugend Eine Welt geförderten Don Bosco Hilfsprojekte an den konkreten Bedürfnissen benachteiligter Kinder orientiert sind, bekräftigte auch Projektpartner Br. Lothar Wagner, der nach jahrelangem Einsatz in Sierra Leone heute Hilfsprojekte in Liberia leitet - u.a. für „Friedhofskinder“, die in Grabstätten übernachten. „Wir sind sehr froh, dass es euch gibt, ihr werden gebraucht und steht hoffentlich noch lang an unserer Seite!“ Dabei geht es keineswegs nur um finanzielle Unterstützung, wie Don Bosco Schwester Maria Rohrer aus Tunesien beschrieb. Jugend Eine Welt hatte nach der Revolution - dem „Arabischen Frühling“ - den Umbau eines dringend benötigten Schulhauses finanziert. „Es ging damals drunter und drüber bei uns, der Bau ging nur langsam weiter, aber niemand hat uns gedrängt, ihr müsst fertig werden. Da war ganz viel Zuhören und menschliches Verständnis.“ Auch heute benötigen die Don Bosco Schwestern dringend Unterstützung bei der Betreuung von jungen Menschen, die aus Schwarzafrika kommend in Tunesien gestrandet sind. „Es sind viele Tausende und es werden immer mehr, wir sind alle total überfordert. Alle blicken nach Lampedusa, niemand zu uns auf die andere Seite, wo die Tragödie ihren Ausgang nimmt.“

 

 

600 Volontäre


Stellvertretend für 600 Volontäre, die seit der Gründung von Jugend Eine Welt auf Auslandseinsatz entsandt wurden, beschrieb der Oberösterreicher Franz König am Ende des 20-Jahre-Festaktes, wie ein Volontariat den eigenen Blick auf die Welt verändern kann: „Ich bin letzte Woche aus Äthiopien zurückgekommen und weiß jetzt viel mehr zu schätzen, welche reichen Möglichkeiten wir hier in Österreich haben. Gleichzeitig habe ich großen Respekt vor den Menschen dort, die es schaffen in Würde zu leben, obwohl sie mit einem Mindestmaß auskommen müssen. Bildung hilft sehr. Ich wünsche Jugend Eine Welt viel Erfolg für die nächsten 20 Jahre!“

 

 

Zukunft


Neue Herausforderungen warten bereits auf die innovative Hilfsorganisation, die mit Sicherheit noch lange jung und dynamisch bleibt: Nach der erfolgreichen Etablierung von „WeltWegWeiser“, der neuen Servicestelle für Internationale Freiwilligeneinsätze im vergangenen Jahr, wird derzeit das Volontariatsprogramm für Erwachsene und Senioren ausgebaut. Immer auf der Todo Liste von Jugend Eine Welt steht der zivilgesellschaftliche Einsatz in Österreich zur Stärkung und zum Ausbau sozial-gesellschaftlicher Initiativen und Netzwerke. Besonderes Augenmerk erhält die 2016 gegründete gemeinnützige Jugend Eine Welt Stiftung. Diese soll verstärkt Förderer und Zustifter ansprechen, die mithelfen, die Finanzierung von Sonder- und längerfristigen Projekten sowie Basiskosten zu finanzieren. Damit ermöglichen sie es Jugend Eine Welt, immer mehr gesellschaftsverändernde Maßnahmen mitzutragen und innovative, zukunftsweisende Projekte für Armutsbekämpfung, internationale Jugendförderung und Lebenssicherung in Ländern des Globalen Südens zu fördern.

 

 

Mithilfe


„Egal ob durch Spenden, Testamente, Darlehen, Öffentlichkeitsarbeit, Beratung, Partnerschaften, Unternehmenskooperationen oder freiwillige Mitarbeit – Freunde und Partner sind herzlich eingeladen, mit uns die nächsten Schritte zu gehen. Don Bosco sagte schon zu seiner Zeit: ´Für meine Jugend und ihre Lebensumstände gehe ich bis an die Grenzen der Verwegenheit.´ Diese Verwegenheit brauchen wir auch heute, um die gesellschaftlichen Herausforderungen zu schaffen“, so Reinhard Heiserer.

 


Jugend Eine Welt Spendenkonto
IBAN: AT66 3600 0000 0002 4000
SWIFT/BIC: RZTIAT22
oder online auf www.jugendeinewelt.at

 

Angelika Gerstacker / Jugend Eine Welt

 

Lesen Sie auch: "Drehscheibe und Brückenbauer" (Linzer KirchenZeitung online)

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