Mittwoch 29. März 2017

KU Linz: Antrittsvorlesung von Prof. Stephan Grotz

Dem "Ort der Philosophie" widmete sich Stephan Grotz, Professor für Geschichte der Philosophie an der Katholischen Privat-Universität Linz, in seiner Antrittsvorlesung am 8. März 2017.

Rektor Prof. Franz Gruber begrüßte zahlreiche Gäste aus Kirche und Gesellschaft, darunter Generalvikar Prof. Severin Lederhilger, Bischofsvikar Regens Johann Hintermaier sowie die Fach-Kollegen Prof. Rolf Schönberger aus Regensburg und Prof. Christian Schäfer aus Bamberg.

 

V. l.: Univ.-Prof. Dr. Rolf Schönberger, Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, Univ.-Prof. Dr. Stephan Grotz, Vizerektor Univ.-Prof. Dr. Ewald Volgger OT, Generalvikar Univ.-Prof. DDr. Severin Lederhilger OPraem.

V. l.: Univ.-Prof. Dr. Rolf Schönberger, Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, Univ.-Prof. Dr. Stephan Grotz, Vizerektor Univ.-Prof. Dr. Ewald Volgger OT, Generalvikar Univ.-Prof. DDr. Severin Lederhilger OPraem. © KU Linz / Eder

 

Mit der Gründung der neuen Fakultät für Philosophie und für Kunstwissenschaft im Jahr 2015 und der damit verbundenen Neustrukturierung des Fachbereichs Philosophie erfolgte auch die Einrichtung der drei philosophischen Lehrstühle Theoretische Philosophie, Praktische Philosophie/Ethik und Geschichte der Philosophie. Mit der Schwerpunktsetzung des letzteren auf Philosophie der Antike und ihrer Rezeption bis in die Gegenwart wurde in der österreichischen Universitätslandschaft ein besonderer Akzent gesetzt: Die Wertschätzung der antiken Philosophie und deren grundlegende Funktion für die Philosophie selbst aber auch für die Theologie, die ihre Existenz auch dem Diskurs mit der antiken Philosophie verdankt.

 

"Gut Ding braucht Weile" formulierte Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber in seiner launigen Begrüßungsrede, womit er nicht nur auf die Dauer der institutionellen Einrichtung des neuen Lehrstuhls Bezug nahm, sondern auch auf den Zeitpunkt der Antrittsvorlesung – ist doch  Univ.-Prof. Dr. Stephan Grotz bereits seit mittlerweile vier Semestern als Professor für Geschichte der Philosophie an der KU Linz tätig.

 

Die Frage nach dem Ort der Philosophie gestalte sich sowohl vielgestaltig als auch vielseitig, beschrieb Prof. Stephan Grotz eingangs. Seit den Anfängen der abendländischen Philosophie wurden Philosophen nach den Stätten ihres Wirkens gruppiert. Ist auch philosophisch mit diesen Orten noch nicht viel ausgesagt, so zeigen sich damit jedoch auch doktrinäre Unterschiede. Der Umgang der Philosophie mit ihrer Geschichte ist ein ganz spezifischer. Im Gegensatz zu anderen Wissenschaften kann die Philosophie ihre eigene Vergangenheit weder als Vorstufen des Fortschritts auslagern, noch kann sie sich mit einer historischen Einordnung vergangener philosophischer Positionen begnügen.

 

Das grundsätzliche Selbstverständnis des Denkenden hängt für Stephan Grotz mit einer bestimmten Art des Sich-in-Bezug-Setzens, der Gewinnung eines Standorts zusammen. Als prominente und durchaus verschiedene Orte der Philosophie nennt er in seinem Vortrag „die Schultern, die Beete und die Fluchtpunkte“: Anhand der Metapher von Zwergen auf den Schultern von Riesen nach Bernhard von Chartres beschreibt Professor Grotz die großen Denker der Vergangenheit und damit die Antike als Basis für die eigene Gegenwart, als Voraussetzung für das eigene Selbstbewusstsein.

 

Als zweiten Ort der Philosophie nennt Grotz die Beete. Immanuel Kant bezeichnete in seiner Vorrede zur ersten Ausgabe der „Kritik der reinen Vernunft“ die Philosophie als „Kampfplatz endloser Streitigkeiten“. Er versteht den geschichtlich gewachsenen Pluralismus als ernsthafte Bedrohung des wissenschaftlichen Charakters der Philosophie und gewinnt „seinen“ Ort, die Transzendentalphilosophie, durch eine spezifische Beschränkung des Feldes. Erkenntnis sei nur auf einem bestimmten Gebiet – den „eingehegten Beeten des territorium und der ditio“ - möglich. Eine „Geschichte der reinen Vernunft“ würde sich für Kant nicht mehr mit den vielen widerstreitenden Positionen der Vergangenheit befassen, wäre damit nicht historisch rückwärts gewandt, sondern rational.

 

Hegel jedoch, und damit beschreibt Stephan Grotz den dritten Ort der Philosophie, sieht deren Geschichtlichkeit als Besonderheit der Philosophie. Für ihn zeigt sich diese „als durch die Vernunft begründete Folge der Erscheinungen selbst als etwas Vernünftiges“. Die geschichtliche Entwicklung läuft für Hegel immanent auf sein eigenes System, das damit als Fluchtpunkt der gesamten philosophiegeschichtlichen Bewegung fungiert. „Die Philosophie hat ihren Maßstab im Inneren zu suchen, sie muss immer wieder eigene Kategorien gewinnen, um ihre eigenen Ergebnisse und die anderer Wissenschaften einordnen zu können“, resümiert Grotz.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es den Ort der Philosophie nicht gibt und nicht geben kann, so Professor Grotz abschließend, „Philosophie besteht vielmehr in der Gewinnung eines Ortes, einer Grundlage, auf der sie operieren kann“.

 

 Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber (l.) und Univ.-Prof. Dr. Stephan Grotz.

Rektor Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber (l.) und Univ.-Prof. Dr. Stephan Grotz. © KU Linz / Eder

 

Univ.-Prof. Dr. Stephan Grotz ist seit September 2015 Professor für Geschichte der Philosophie an der KU Linz. Er studierte Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Griechische Philologie und Philosophie in München und Berlin. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Philosophie der Antike und des Mittelalters, Metaphysik, Sprachphilosophie, Kunsttheorie und der Begriff der Relation.

 

Hermine Eder / KU Linz

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