Wednesday 21. October 2020

Reformationsjubiläum: Aufbruchstimmung bei Evangelischen Kirchen

Gerechtigkeit, Friede und die Bewahrung der Schöpfung: Diese drei Leitbegriffe sollen das Reformationsjubiläum 2017 in Österreich prägen, wie der lutherische Bischof Michael Bünker bei einer Pressekonferenz am 20. Jänner 2017 in Wien sagte.

500 Jahre Reformation seien kein Anlass für eine nostalgische Rückschau, sondern eine Anfrage an die evangelischen Kirchen: "Was ist unser Auftrag als Kirchen heute? Welchen Beitrag geben wir für das Zusammenleben hier in Österreich?" Reformation bedeute, "die Welt verändern, mit Hoffnung, Zuversicht und Leidenschaft", vermittelte Bünker eine gewisse Aufbruchstimmung unter den mehr als 300.000 evangelischen ChristInnen in Österreich.

Der lutherische Bischof bestritt die Pressekonferenz gemeinsam mit dem reformierten Landessuperintendenten Thomas Hennefeld und dem methodistischen emeritierten Superintendenten Lothar Pöll, denn in Österreich begehen die lutherische, reformierte und methodistische Kirche das Jubiläum gemeinsam. Deshalb gehe es auch bei weitem nicht nur um Martin Luther, sondern die gesamte Reformation müsse in den Blick genommen werden, stellte Bünker fest. Die Reformation sei ein Aufbruch gewesen, "der ganz Europa erfasste und sich weltweit auswirkte".

Das Jubiläumsjahr 2017 sei vor allem auch ein "Jahr des Glaubens", unterstrich Landessuperintendent Hennefeld: "Die Reformation war in erster Linie eine Glaubensbewegung." Grundlage des Glaubens aber sei die Bibel. Die Reformatoren hätten die Kirche kritisiert, weil sie sich ihrer Ansicht nach von diesem Fundament entfernt hätte. So gelte es auch 2017, "dass wir uns auf die zentralen Botschaften unseres Glaubens besinnen".

Wie Hennefeld sagte, hätten wesentliche Elemente der Reformationslehre auch für die heutige Gesellschaft hohe Relevanz. Beispielsweise der Gedanke, "dass mir alles im Leben geschenkt ist und ich mir nichts verdienen kann". Das bedeute auch eine Absage an eine reine Leistungsgesellschaft und Profitmaximierung. Hennefeld weiter: "Glaube, Kirche, Religion gehören zur Gesellschaft dazu und müssen einen entsprechenden Platz haben, ohne dass Kirchen eine besondere Vormachtstellung beanspruchen." Wie die Geschichte der Reformation zeigt, könne der Glaube verbinden, aber auch trennen. Deshalb hätten die evangelischen Kirchen im Vorfeld des Jubiläums auch ganz bewusst das Gespräch mit der katholischen Kirche gesucht, betonte der reformierte Landessuperintendent.

Auch Bischof Bünker zeigte sich über die vielen ökumenischen Aktivitäten zum Reformationsjubiläum erfreut. Er verwies u. a. auch auf die Begegnung der evangelischen Spitzenvertreter mit der Bischofskonferenz im Herbst 2016 in Eisenstadt oder den gemeinsamen ökumenischen ORF-Gottesdienst im Advent in Linz. Hennefeld ergänzend: "Im gemeinsamen Feiern sehen wir auch ein Zeichen für gelebte kirchliche Vielfalt. Wir wollen dieses Ereignis mit anderen Kirchen teilen. Bei so manchen Differenzen können wir unseren Glauben gemeinsam bekennen und uns für eine solidarische und inklusive Gesellschaft einsetzen."

 

V. l.: Landessuperintendent Thomas Hennefeld, Bischof Michael Bünker und Pastor Lothar Pöll bei der Pressekonferenz in Wien

V. l.: Landessuperintendent Thomas Hennefeld, Bischof Michael Bünker und Pastor Lothar Pöll bei der Pressekonferenz in Wien. © epdö / Marco Uschmann



"Freiheit und Verantwortung"


"Freiheit und Verantwortung" lautet das offizielle Motto zum Reformationsjubiläum. Pastor Lothar Pöll wies in seinen Ausführungen darauf hin, das beide Begriffe nicht falsch interpretiert werden dürften und in Zusammenhang zu sehen seien. Die Geschichte der Reformation sei "die Geschichte von einem mutigen Aufbruch in eine neue Zeit". Die Einsicht, dass jeder Mensch frei sei, selbst zu entscheiden, spiele dabei eine entscheidende Rolle: "Wir sind in unserer Entscheidungsfreiheit nur an Gott und an das eigenen Gewissen gebunden", so Pöll wörtlich.

Freiheit werde aber oft auch als Vorwand für "zügellosen Egoismus" missverstanden bzw. missbraucht. Andererseits würden Freiheiten oft auch leichtfertig für vermeintliche Sicherheiten geopfert, warnte der methodistische Pastor: "Freiheit bleibt nur bestehen, wo verantwortlich mit ihr umgegangen wird."



Umfangreiches Jubiläumsprogramm


Mit einem umfangreichen Programm feiern bzw. begehen die evangelischen Kirchen in Österreich das Reformationsjubiläum 2017, das eigentlich schon seit November des Vorjahres läuft. Ein Höhepunkt im Festprogramm: Unter dem Motto "Die Reformation tanzt" laden die Evangelischen Kirchen am 10. Februar zum Europäischen Reformationsball in die Redoutensäle der Wiener Hofburg. Zu dem Ball werden auch zahlreiche Repräsentanten evangelischer Kirchen aus ganz Europa erwartet. die schlechte Nachricht laut Bischof Bünker: "Wir sind ausverkauft."

Den Höhepunkt im Jubiläumsjahr soll am 30. September 2017 ein großes Fest auf dem Wiener Rathausplatz bilden. Thematisch werden dabei die drei Leitbegriffe Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung aufgegriffen, so Bischof Bünker. "Glaubwürdige Persönlichkeiten" wie die Friedensnobelpreisträgerin Leymah Gbowee aus Liberia werden mit dabei sein. Abgeschlossen wird das Jubiläumsjahr schließlich mit dem Reformationsempfang am 24. Oktober 2017 im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins.

Alle Informationen zu den einzelnen Programmpunkten sowie viele weitere Infos zum Jubiläumsjahr und den drei evangelischen Kirchen in Österreich finden sich auf der Website www.evangelisch-sein.at.

O-Töne von der Pressekonferenz sind in Kürze unter www.kathpress.at/audio abrufbar.

 

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