Sunday 23. February 2020

Interreligiöses Treffen für den Frieden in Assisi

Papst Franziskus ruft für Dienstag, 20. September 2016 zu einem weltweiten Gebetstag für den Frieden auf. Dieser steht im Zusammenhang mit dem interreligiösen Treffen in Assisi, das der Papst leiten wird.

"Der Heilige Vater bittet darum, dass die ganze Kirche dafür sensibilisiert wird", heißt es in einem Schreiben des vatikanischen Staatssekretariats. Der Appell richtet sich an die Bischofskonferenzen aller Länder der Welt.

Der Gründer der Gemeinschaft Sant'Egidio, Andrea Riccardi, und der Ökumenische Patrirarch Bartholomaios I. eröffnen bereits am Sonntag, 18. September 2016 um 16.30 Uhr im Beisein von u.a. der Staatspräsidenten von Italien und Zentralafrika, Sergio Mattarella und Faustin Touadera, im Teatro Lyrick in Assisi das diesjährige Weltgebetstreffen der Religionen für den Frieden. Das Treffen, für dessen Gestaltung wieder die Gemeinschaft Sant'Egidio in Zusammenarbeit mit dem Minoritenorden und der Diözese Assisi verantwortlich zeichnet, steht unter dem Motto "Durst nach Frieden - Religionen und Kulturen im Dialog". Sant'Egidio verfügt über reiche Erfahrung bei der Organisation der Gebetstreffen. Die Gemeinschaft veranstaltet seit 1987 alljährlich in einer anderen Stadt ein solches Treffen "im Geist von Assisi".

Das Treffen von 18. bis 20. September 2016 mit hochrangigen religiösen und institutionellen Persönlichkeiten solle zeigen, "dass die Religionen nicht gleichgültig gegenüber dem Schrei der Völker nach Frieden sind, dass sie zu den Hasspredigern auf Distanz gehen und sich für die Integration einsetzen, die ein Schlüsselwort für die Verteidigung unserer Gesellschaften gegen die Gewalt" ist, erklärte Sant'Egidio-Präsident Marco Impagliazzo gegenüber Radio Vatikan. Neben Gebeten sind auch zahlreiche Diskussionsrunden angesetzt. Zu den Themen gehören u.a. "Religion und Gewalt", "Märtyrer von heute", "Muslime und Christen gemeinsam für den Frieden", "Wirtschaft und Finanz im Dienst des Friedens", "Neue Europäer: Mehr Brücken und weniger Mauern" und "Solidarität: Schlüsselwort der Gegenwart".



Auch VertreterInnen der Nicht-Glaubenden


Der Sprecher des Minoritenkonvents in Assisi und Mitorganisator des Treffens, Pater Enzo Fortunato, sagte Radio Vatikan gegenüber am Dienstag, es nähmen über 470 ReligionsführerInnen und RednerInnen teil. Neun Religionsgemeinschaften würden vertreten sein, aber es gebe auch VertreterInnen der Nicht-Glaubenden wie den polnischen Philosophen Zygmunt Bauman. "Beim Gebetsmoment machen wir es wie 2002 mit den drei monotheistischen Religionsgemeinschaften, die im Inneren des Konvents beten werden. Die Christen werden in der Unteren Basilika beten, die Muslime beim Theologischen Institut, und die Juden werden in der Frate-Elia-Aula beten: Somit werden alle drei Gemeinschaften im Herzen der Franziskaner-Konvents sein", so Fortunato.

Dass es kein eigentliches gemeinsames Gebet gebe, habe damit zu tun, "dass man aus dem Treffen nicht einfach ein Spektakel machen, sondern den Glauben jeder Religionsgemeinschaft respektieren" wolle, erklärte der Bischof von Assisi, Domenico Sorrentino, im Radio: "Vor fünf Jahren hat uns Papst Benedikt XVI. bei dem Treffen genau erläutert, wie wir dieses Gebetstreffen verstehen sollen. Es darf ja kein Missverständnis geben, wenn es um die religiöse Ebene eines solchen Treffens geht. Papst Franziskus, der an dem Treffen am letzten Tag persönlich teilnehmen wird, unterstützt diese Linie seines Vorgängers."

Es gehe nicht um Synkretismus, so der Bischof. Ziel sei vielmehr, ein Zeugnis für den Frieden zu geben. "Wir sind überzeugt, dass der Besuch des Papstes viel dazu beitragen wird. Die Welt von heute braucht den Frieden mehr denn je."

Das kommende Welttreffen der Religionen für den Frieden hat nach den Worten von Erzbischof Sorrentino einen "prophetischeren" Charakter als je zuvor seit dem Start 1986. "Es war eine prophetische Intuition von Johannes Paul II. Er setzte in das Gebet das Vertrauen, dass die Dinge sich in etwas Gutes wandeln können. Seither beten wir in Assisi beispielsweise jeden 27. Oktober für den Frieden auf der Welt, mit einem Tag des Gebets, den wir bei uns eingeführt haben."

Die Veranstaltung unter dem Motto "Durst nach Frieden" findet vom kommenden Sonntag bis Dienstag in Assisi statt. Die umbrische Kleinstadt, Heimatort des Ordensgründers und Friedensapostels Franziskus (1181/82-1226) erwartet zu den Podien, Vorträgen und Gebeten rund 12.000 TeilnehmerInnen.



25-Jahr-Jubiläum des Patriarchen


Papst Franziskus landet am 20. September um ca. 11 Uhr per Helikopter in Assisi und wird vom Ortsbischof Domenico Sorrentino, Umbriens Präsidentin Catiuscia Marini und von Bürgermeisterin Stefania Proietti empfangen. Um 11.30 Uhr begegnet er im Minoritenkonvent dessen Kustos P. Mauro Gambetti sowie dem Ökumenischen Patriarch Bartholomaios I., dem anglikanischen Primas Justin Welby, dem syrisch-orthodoxen Patriarchen Mar Ignatius Aphrem II. sowie höchste Repräsentanten des Islam, des Judentums und des Buddhismus.

Beim gemeinsamen Mittagessen im Refektorium um 13 Uhr werden auch einige Kriegsopfer anwesend sein, zudem wird laut den Ankündigungen in besonderer Weise auf das bevorstehende 25-Jahr-Jubiläum der Amtsübernahme von Patriarch Bartholomaios I. hingewiesen. Mit diesem führt der Papst am Nachmittag Einzelgespräche, sowie auch mit Erzbischof Welby, Patriarch Aphrem II. und den islamischen und jüdischen Repräsentanten. Die verschiedenen Religionsgemeinschaften veranstalten um 16 Uhr an verschiedenen Orten in der Franziskus-Stadt, darunter das christlich-ökumenische Friedensgebet in der Unteren Basilika.

Um 17.15 Uhr ist die Abschlusszeremonie für den Papst auf der Piazza San Francesco angesetzt. Grußworte spricht Bischof Sorrentino, danach sprechen Andrea Riccardi, Patriarch Bartholomaios, ein Kriegsopfer sowie je ein muslimischer, ein jüdischer und ein buddhistischer Repräsentant.

Nach der Rede von Papst Franziskus wird ein weltweiter Friedensappell veröffentlicht, der an Kinder aus verschiedenen Nationen verteilt wird. Nach einer Schweigeminute für die Opfer der Kriege, der Unterzeichnung des Friedensappells und dem Austausch des Friedensgrußes fährt der Papst gegen 18.30 Uhr zum Heliport in Santa Maria degli Angeli, von wo er mit dem Hubschrauber den Rückflug in den Vatikan antritt.

 

Assisi

Assisi. © Serenaste / www.pixabay.com CC0 1.0

 

Interreligiöser Dialog als zentrales Anliegen von Papst Franziskus


Vor 30 Jahren gab es in Assisi eine Premiere: Im Oktober 1986 kam in der italienischen Stadt erstmals ein Papst mit ranghohen Vertretern anderer christlicher Konfessionen und anderer Religionen zusammen, um ein Zeichen zu setzen: gegen religiös motivierte Gewalt und für den Frieden in der Welt. Seither sind die Begegnungen, die jährlich an wechselnden Orten stattfinden, zu einer festen Größe im interreligiösen Dialog geworden - auch wenn die Teilnahme des Papstes nicht selbstverständlich ist. Am 20. September reist Franziskus nun zu einer Neuauflage dieses Weltfriedenstreffen nach Assisi. "Durst nach Frieden" lautet das Motto.

Der Dialog der Religionen ist ein zentrales Anliegen von Franziskus. Als er im Januar damit begann, seine monatlichen Gebetsanliegen in Videobotschaften vorzustellen, begann er kaum zufällig mit diesem Thema. "Der größte Teil der Erdbevölkerung bezeichnet sich als gläubig. Diese Tatsache sollte zu einem Dialog zwischen den Religionen ermuntern", sagte der Papst in seiner Botschaft, die erstmals auch via Youtube, Facebook und Twitter verbreitet wurde. In seinem programmatischen Schreiben "Evangelii gaudium" heißt es, der interreligiöse Dialog sei eine notwendige Bedingung für den Frieden. Er verdunkele keineswegs die christliche Botschaft. Nötig sei dazu eine "klare und freudige Identität".

Vor allem im Gespräch mit dem Islam hat der Vatikan zuletzt Fortschritte erzielt. Im Mai besuchte der Großimam der Al-Azhar-Universität in Kairo, Ahmed Mohammed al-Tayyeb, Franziskus in Rom. Dies war das erste Treffen des leitenden Geistlichen dieser renommierten Lehrstätte des sunnitischen Islams mit dem Papst. Der regelmäßige Dialog zwischen dem Vatikan und der Al-Azhar-Universität steht offenbar kurz vor der Wiederaufnahme. Der 1998 begonnene theologische Austausch war 2011 von ägyptischer Seite abgebrochen worden. Der Rektor von Al-Azhar, Abdul Hay Azab, wird in der kommenden Woche auch in Assisi erwartet.

Auch der katholisch-jüdische Dialog hat im Pontifikat von Franziskus eine neue Ebene erreicht. Der Vatikan veröffentlichte im Dezember 2015 ein Studiendokument, in dem er den Juden so weit wie nie zuvor entgegenkam. Die "Überlegungen", die allerdings keinen lehramtlichen Charakter haben, münden in der Feststellung, dass die Juden auch "ohne explizites Christusbekenntnis" Anteil an Gottes Heil hätten, auch wenn unergründbar bleibe, wie dies möglich sein könne. Der Judenmission erteilt das Schreiben eine klare Absage.

In der Ankündigung für das Weltfriedenstreffen heißt es, man müsse angesichts der weltweiten Bedrohung durch Gewalt, Terror und Kriege gemeinsam für die Verteidigung des Friedens und des Lebens einstehen. Die Begegnung falle in einen "sensiblen historischen Kontext".

Auch Franziskus vermied in seinen Stellungnahmen zu den jüngsten islamistischen Terroranschlägen jeden Hinweis auf deren religiöse Motivation. In seinen Beileidstelegrammen nach dem Anschlägen von Nizza und der Ermordung eines katholischen Priesters in einer Kirche in Frankreich erwähnte er etwa deren islamistischen Hintergrund mit keinem Wort. Er wolle nicht von "islamischer Gewalt" sprechen, weil das zu einer unzulässigen Gleichsetzung von Islam und Gewalt führe, erklärte er seine Zurückhaltung. Jede Religion habe kleine fundamentalistische Gruppen. Franziskus möchte offenbar alles vermeiden, was eine religiöse Aufladung der Debatte über den islamischen Terrorismus fördern könnte. Der Anwalt einer "armen Kirche für die Armen" stellt stattdessen die sozialen Ursachen des Terrorismus in den Vordergrund.

Die Welt befinde sich derzeit nicht in einem "Krieg der Religionen", sondern einem "Krieg der Interessen, es herrscht Krieg ums Geld, es herrscht Krieg um die Ressourcen der Natur, es herrscht Krieg um die Herrschaft über die Völker", sagte der Papst im Juli auf dem Weg zum Weltjugendtag in Krakau. Nichtsdestoweniger forderte der Vatikan islamische Geistliche und Politiker wiederholt auf, religiös motivierte Gewalt klar zu verurteilen. Am kommenden Dienstag werden sie dies gemeinsam mit Christen, Juden und Buddhisten tun.

 

Kathpress

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