Samstag 23. Juni 2018

Grüß Gott – Salam: Willkommen in Österreich!

Von MitarbeiterInnen der Diözese ist mehr denn je „Fitness“ über Christentum, Judentum und Islam gefragt. Dr. Stefan Schlager hat wichtige Fakten zusammengestellt.

In Österreich leben heute Menschen aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen Religionen zusammen. Dialog, Toleranz und Respekt sind dafür unverzichtbar. Die Diözese Linz steht ganz in diesem Sinn in regem Austausch mit der Islamischen Religionsgemeinde, der Israelitischen Kultusgemeinde und der Buddhistischen Religionsgesellschaft.

 

Die VertreterInnen drei Religionsgemeinschaften bei Bundesrat Prof. Gottfried Kneifel. V.l. Dr. Stefan Schlager (Diözese Linz), Lic. Murat Baser (Islamische Religionsgemeinschaft), der Bundesrat, Dr.in Charlotte Herman (Israelitische Kultusgemeinde). © privat

 

Das Gemeinsame im Blick

 

Hilfreich für ein gutes Miteinander ist der Blick auf das Gemeinsame. Im Konzilsdokument „Nostra Aetate“ (Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen) heißt es diesbezüglich: „In unserer Zeit, da sich das Menschengeschlecht von Tag zu Tag enger zusammenschließt […] erwägt die Kirche mit umso größerer Aufmerksamkeit, in welchem Verhältnis sie zu den nichtchristlichen Religionen steht. Gemäß ihrer Aufgabe, Einheit und Liebe unter den Menschen und damit auch unter den Völkern zu fördern, fasst sie vor allem das ins Auge, was den Menschen gemeinsam ist und sie zur Gemeinschaft untereinander führt.“ In Zeiten islamfeindlicher Pauschalverurteilungen gilt es zu erinnern, dass Christen und Muslime verwandt sind – wie Cousins und Cousinen. Für beide Religionen gilt das Judentum als „Vorfahre“ und Verbindungsglied.

 

Hochachtung und Respekt

 

Christen haben daher eine Hochachtung vor ihren älteren Brüdern und Schwestern aus dem Judentum sowie vor ihren jüngeren Cousins und Cousinen aus dem Islam. Im Koran findet sich solch eine Hochachtung vor den anderen ebenfalls. So sehen Muslime in Juden und Christen die „Leute der Schrift“ (Ahlul-Kitab). In der Sure 2/62 heißt es respektvoll: „Siehe, die da glauben, auch die Juden und die Christen und die Sabäer – wer immer an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag und das Rechte tut, die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn. Keine Furcht kommt über sie, und sie werden nicht traurig sein.“

 

ChristenInnen und Muslime verbindet mehr als der Glaube an einen Gott. © Eder-Cakl

 

Was uns verbindet

 

Aufgrund dieser verwandtschaftlichen Nähe gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen Judentum, Christentum und Islam:

  • Für alle drei Religionen ist Gott der Schöpfer der Welt, er gilt als barmherzig und gnädig. So wie Christen hoffen Muslime und Juden auf eine Auferstehung von den Toten.
  • Wer an Gott, den Barmherzigen, glaubt, versucht gut und verantwortungsvoll zu leben, menschenfreundlich und gerecht zu sein. In der Sure 17,22−38 finden sich Gebote, die aus den Zehn Geboten des Alten Testaments ebenfalls vertraut sind.
  • Im Islam gibt es die „fünf Säulen“: Bezeugung des Glaubens, Gebet, Sozialabgabe, Fasten, Wallfahrt. Auch für Christen und Juden ist das Bezeugen ihres Glaubens, das Gebet, die Hilfe für die Armen und das Fasten von großer Bedeutung. Durch diese Konkretisierungen bleibt der Glaube lebendig.

Was uns trennt

 

Die Unterschiede zwischen Christentum und Islam hängen vor allem mit einem unterschiedlichen Verständnis von Offenbarung zusammen: Im Islam kommuniziert Gott vorrangig über Sätze (Suren) bzw. über ein Buch (Koran) mit den Menschen. Man kann sagen: „Das Wort Gottes ist Buch geworden.“ Für Christen hingegen bringt Gott das, worum es ihm geht (seinen Willen) in und durch Jesus Christus auf den Punkt. „Das Wort Gottes ist Mensch geworden.“ Das Neue Testament bzw. die Evangelien geben davon Zeugnis. Diese unterschiedlichen Erfahrungen von Offenbarung wirken sich auf die Art des Betens, auf die Gestaltung des Gottesdienstes, auf die Interpretation biblischer Personen oder auf die Methode der Glaubensvermittlung aus. Unterschiede gibt es auch betreffend Kleidungs- und Speisegebote. Während im Judentum und Islam diesen Geboten eine hohe Bedeutung zukommt, sind sie für Christen von eher geringer Bedeutung. Jesus hat einmal gesagt: „Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein“ (Markus-Evangelium 7,15).

 

Muslime in Österreich

 

Die meisten Flüchtlinge haben einen islamischen Background. Darauf reagieren immer mehr Menschen in Europa mit Angst und Skepsis. Einen fundierten Einblick, wie Muslime sich selbst verstehen und die Gesellschaft sich zu ihnen verhält, gibt der Religionsmonitor 2015 der Bertelsmannstiftung. Die Studie aus Deutschland ist auf Österreich anwendbar:

  • Muslime (in Deutschland) sind mit Staat und Gesellschaft eng verbunden.
  • Das Leben in einer säkularen und pluralen Gesellschaft prägt die religiösen Orientierungen und Werthaltungen der Muslime in Deutschland – und verändert diese auch (z.B. Richtung Akzeptanz der Ehe Gleichgeschlechtlicher).
  • Der offenen Haltung vieler Muslime in Deutschland steht aber eine zunehmend ablehnende Haltung der Mehrheit der Bevölkerung gegenüber. Muslime leiden unter einem negativen Image, das vermutlich durch die kleine Minderheit der radikalen Islamisten (weniger als 1 % aller Muslime) geprägt wird.
  • Islamfeindlichkeit findet sich längst in der Mitte der Gesellschaft und geht oft mit diskriminierenden und ausgrenzenden Verhaltensweisen gegenüber einer Minderheit einher.
  • Regelmäßige persönliche Kontakte helfen am besten, Vorurteile gegenüber Muslimen abzubauen.

Der Islam ist seit 1912 staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft. Verantwortlich für die Muslime bzw. die verschiedenen muslimischen Gemeinden ist in den jeweiligen Bundesländern die „Islamische Glaubensgemeinschaft“ (www.derislam.com).

 

In Kontakt treten

 

Im Vergleich zu den letzten Jahren ist auch innerhalb von Dialog­veranstaltungen das Klima „rauer“ geworden. Selbstbewusst vor­getragene Pauschalverdächtigungen („des Islam“, „der Kirche“ oder „der Flüchtlinge“) sind bei Publikums­diskussionen zu hören. Oft verwechseln die lautstarken KritikerInnen ihre Sichtweise mit der (komplexeren) Wirklichkeit. Alles, was nicht in das eigene Bild passt, wird abgewertet oder als realitätsfern abgetan („naiver Gutmensch“). Es kann und darf nach Meinung dieser Menschen nicht vorkommen, was dem eigenen Bild widerspricht (z.B. Muslime, die andere Religionen respektieren, die sich in der Gesellschaft engagieren, sich als Österreicher verstehen etc.).

 

Stefan Schlager und Murat Baser.

Stefan Schlager (Theologische Erwachsenenbildung der Diözese Linz) und Murat Baser (Vorsitzender der Islamischen Glaubensgemeinde in Ober­österreich) halten viele gemeinsame Vorträge. Das Ziel: ein differenziertes Kennenlernen von Christentum und Islam zu ermöglichen, falsche Bilder abzubauen und gegenseitiges Vertrauen zu stiften. © privat

 

Veranstaltungen: Begegnung mit dem Islam

 

Die Katholische Erwachsenenbildung bietet seit Jahren Dialog- und Weiterbildungsveranstaltungen an, auch im nicht-kirchlichen Bereich. In der Regel ist jeweils ein/e ReferentIn KatholikIn, der/die zweite Muslim/a. Ziel ist, zu einem differenzierten Kennenlernen beizutragen und durch Gespräche, Zuhören, Offenheit und authentische Informationen Vorurteile und falsche Bilder abzubauen. Immer wieder zeigt sich, dass Muslime „unsere“ Ängste und Sorgen teilen – und bereit sind, gemeinsam Maßnahmen zu ergreifen, um Fehlentwicklungen entgegenzusteuern (z.B. Sprachförderung, Deradikalisierungsmaßnahmen etc.). Davon zeugen viele Projekte zwischen Diözese Linz (Theologische Erwachsenenbildung, Institut Z.I.M.T/Pädagogische Hochschule, Krankenhausseelsorge etc.) und Islamischer Religionsgemeinde OÖ. Wir dürfen einander vertrauen!

www.dioezese-linz.at/theoleb
theoleb@dioezese-linz.at

 

Dieser Artikel erschien in der MitarbeiterInnen-Zeitung der Diözese Linz "informiert"; Ausgabe 3/2016. Verfasser ist Gastautor Stefan Schlager.

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