Thursday 27. June 2019

Klimakonferenz: EZA-Bischof Ludwig Schwarz drängt auf ehrgeizige Ziele

Bischof Ludwig Schwarz

Der Linzer Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz appelliert vor dem Weltklimagipfel in Paris an die "unbestreitbare moralische Pflicht aller Regierungen", verbindliche Klimaschutzziele zu beschließen.

Der scheidende Linzer Bischof Ludwig Schwarz hat im Vorfeld der Ende November in Paris tagenden UN-Weltklimakonferenz einen dringenden Appell an die Teilnehmer gerichtet: "Es ist unbestreitbare moralische Pflicht aller Regierungen, verbindliche Ziele für die Begrenzung der Emissionen sowie verbindliche Maßnahmen für den Klimaschutz und zur Stärkung der Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel zu beschließen", betonte der in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Entwicklungszusammenarbeit zuständige Bischof im Gespräch mit "Kathpress".

Inhaltlich schließt sich Schwarz den Forderungen der "Allianz für Klimagerechtigkeit" an. Die CO2-Emissionen sollen im Vergleich zu 1990 bis 2020 um 40 Prozent, bis 2030 um 55 bis 60 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zurückgehen. Österreich müsse hier gemäß seinen technischen und finanziellen Möglichkeiten einen fairen Anteil leisten. Schwarz spricht sich für eine Umstellung des Energiesystems auf erneuerbare Energien aus, die in Richtung Energieautarkie gehen soll. Zusätzlich brauche es eine Ökologisierung des Steuersystems, die weit über Energiesteuern hinausgehen müsse.



Schwarz: Entwicklungsländer mit "fairem Beitrag" unterstützen


Der Bischof wirbt auch für einen "fairen Beitrag" der Industriestaaten bei der Unterstützung von Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Wichtigstes Mittel auf internationalen Ebene sei der 2009 in Kopenhagen gegründete "Green Climate Fund". Ab 2020 sollen über den Fonds jährlich 100 Milliarden US-Dollar für den Aufbau klimafreundlicher Industrien in Entwicklungsländern und die Unterstützung bei der Bewältigung von Auswirkungen des Klimawandels zur Verfügung stehen.

Bis dahin haben sich die Länder verpflichtet, bereits jetzt schon einmalig einen Beitrag zu leisten. Österreichs Zusage sei bisher marginal. 25 Millionen EU-Dollar hat Bundesminister Andrä Rupprechter versprochen und sich etwas später zu einer weiteren Zahlung von 25 Millionen US-Dollar bereiterklärt, diese Zusage dann aber "leider nicht eingehalten". Der Pro-Kopf-Beitrag liege in Österreich bei 2,9 US-Dollar und damit 20 Mal niedriger als etwa in Schweden, wo pro Kopf 60,5 US-Dollar zugesagt wurden. "Dazu kommt, dass zu einem großen Teil bestehende Mittel der Entwicklungszusammenarbeit in die Klimafinanzierung eingerechnet werden", wies Bischof Schwarz hin.

Laut dem UN-Umweltprogramm werden die notwendigen Mittel zur Anpassung an den Klimawandel die bisherigen Finanzierungsvereinbarung aber bald überschreiten. Schwarz appelliert daher an die Bundesregierung nicht nur national zu handeln, sondern sich auch innerhalb der EU und bei den Verhandlungen in Paris dafür einzusetzen, dass die Finanzmittel von der Staatengemeinschaft zur Verfügung gestellt werden und ein weiterer Anstieg der Mittel nach 2020 verbindlich verankert wird.



Rupprechter: Möglichst viele an Bord holen


Umweltminister Andrä Rupprechter reagierte in einer "Kathpress"-Anfrage verhalten auf die Forderungen des Bischofs. "Wir müssen bedenken, dass es bei internationalen Zielen um einen breiten Konsens geht. Unsere Aufgabe ist es, den bestmöglichen Kompromiss zu finden, bei dem wir möglichst viele Staaten an Bord holen können. Nur so können wir eine wirklich nachhaltige Entwicklung sicherstellen." Angesprochen auf den Beitrag Österreichs zum "Green Climate Fund" meinte Rupprechter: "Ich bin derzeit im Gespräch mit dem Finanzminister, um unsere Leistungen für 2016 zu ergänzen."

Wie dringend die Unterstützung der Schwellenländer ist zeigten die Folgen des Klimawandels, die schon heute Menschen am eigenen Leib erleben müssten: "Wüsten breiten sich aus, das Meer dringt vielerorts tief ins Land ein und versalzt landwirtschaftlich genutzte Flächen", sagte Bischof Schwarz. Der Klimawandel bringe die vielschichtige Ungleichheit zwischen den Gesellschaften zum Vorschein und verschärfe diese. "Reiche Länder, die zuerst einen Industrialisierungsprozess begonnen haben und damit die heutige Klimakrise ausgelöst haben, sind auch jene, die sich am einfachsten vor den Auswirkungen schützen können. Im Gegenzug leiden diejenigen Bevölkerungsgruppen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, heute am stärksten."

Neben einer "strukturellen Umkehr", die Politik, Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben umfasse, brauche es auch die "ökologische Umkehr" eines jeden Einzelnen, so Bischof Schwarz. Papst Franziskus habe mit seiner Umweltenzyklika "Laudato si" für die nötigen Impulse gesorgt. "Sie liegt in einer Bekehrung, die der Papst mit den Worten Achtsamkeit, Demut, Genügsamkeit, Freude an den kleinen Dingen und Verbundenheit charakterisiert." Es gehe um eine andere  Haltung des Herzens.

Grundsätzlich glaubt Schwarz an die Fähigkeit des Menschen zur Umkehr. Mit Papst Franziskus sagt er: Die Lage möge dramatisch sein, "trotzdem ist nicht alles verloren, denn die Menschen, die fähig sind, sich bis zum Äußersten herabzuwürdigen, können sich auch beherrschen, sich wieder für das Gute entscheiden und sich bessern, über alle geistigen und sozialen Konditionierungen hinweg". Schwarz weiter: "Ich ermutige die österreichische Bevölkerung zu einem einfachen und verantwortungsvollen Lebensstil in Respekt vor Gottes guter Schöpfung. Was bringt wirtschaftlicher Erfolg, wenn er auf Kosten von Verwüstung und Zerstörung der natürlichen Ressourcen erreicht wird und die Lebenschancen nachkommender Generationen mindert?"

Kathpress

 

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