Mittwoch 22. November 2017

Pastoralrat zum Thema Flucht und Migration

Im Rahmen einer Pressekonferenz des OÖ. Journalistenforums präsentierte heute Mag.a Edeltraud Artner-Papelitzky, die Ergebnisse der Herbst-Vollversammlung des Pastoralrates zum Thema Flucht und Migration.

Flucht und Migration war Hauptthema bei der Vollversammlung des Pastoralrates der Diözese Linz am 6. und 7. November 2015 im Bildungshaus Schloss Puchberg.

 

Zuerst gilt es ein großes Danke zu richten – an die vielen engagierten Menschen aus Zivilgesellschaft und Kirche! Durch ihre beispielhafte und tatkräftige Unterstützung konnte die Versorgung von tausenden Flüchtlingen in den letzten Wochen gelingen und gelingt auch weiterhin. Betonen möchten wir auch das unbürokratische, konstruktive Miteinander der verschiedenen Hilfseinrichtungen, lokalen Polizeibehörden und politischen Gemeinden.

 

Vollversammlung des Pastoralrates am 6./7. November im Bildungshaus Schloss Puchberg.

Foto: Diözese Linz

 

Bei den Beratungen des Pastoralrates haben wir eingehend über die derzeitige Flüchtlingssituation beraten. Dabei ist für uns als Christinnen und Christen eines völlig klar: Menschen in Not ist zu helfen! Und wie es der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer schon gesagt hat: „Asyl ist ein Menschenrecht, darüber darf es keine Diskussion geben“.

 

Über einige Punkte soll dabei jedoch nicht hinweggesehen werden.

  • Seit einigen Wochen werden am Linzer Bahnhof AsylwerberInnen bewusst in die Obdachlosigkeit geschickt. Die Caritas sucht Abend für Abend für über 120 Personen Quartiere bei Privatleuten und Pfarren, um den Flüchtlingen zumindest eine Übernachtungsmöglichkeit bieten zu können. Hier vernachlässigt die öffentliche Hand ganz offensichtlich ihre Aufgaben und schiebt ihre Verantwortung auf NGOs und die Zivilgesellschaft ab.
  • Vielleicht wird an diesem Beispiel aber auch nur sichtbar, dass die Position in der Bundespolitik in der Flüchtlingsfrage mehrdeutig ist. Diskussionen über nötige oder unnötige Zäune (oder doch nicht Zäune) sind dabei nur der Gipfel. Spürbar wird es auch, wenn NGOs erst kurz vor dem Eintreffen von hunderten Flüchtlingen informiert werden. Hier wäre eine rasche und deutliche Verbesserung der Koordinierung unbedingt erforderlich. Dies würde auch viel an Verunsicherung in der Bevölkerung nehmen. Es braucht klare Signale, dass wir die derzeitige Situation meistern werden.
  • Ein weiterer Punkt sind die nach wie vor viel zu langen Asylverfahren. Dadurch werden die Plätze in den Grundversorgungsquartieren unnötig lange belegt und AsylwerberInnen einem nervenaufreibenden Warteprozess ausgesetzt.
  • In diesem Zusammenhang muss auch der Idee von „Asyl auf Zeit“ eine deutliche Absage erteilt werden. Denn wenn nach drei Jahren alle Anträge neuerlich geprüft werden sollen, bedeutet dies zusätzlichen bürokratischen Aufwand und eine bewusste Erschwerung von Integration.

 

Kirche engagiert sich konkret sowohl bei der Akutversorgung als auch bei der Grundversorgung. Hier besteht verstärkt Bedarf an größeren Quartieren, wo auch das Wohnfähigmachen von Leerstand von Firmen, Wohnbauten und öffentlichen Einrichtungen überlegt werden muss. Pfarren, christliche Gemeinschaften und Engagierte stellen Startwohnungen für anerkannte AsylwerberInnen zur Verfügung und bieten konkrete Unterstützung.

 

Edeltraud Artner-Papelitzky bei der Diskussion zum Thema Flucht und Migration bei der Pastoralratsvollversammlung im Bildungshaus Schloss Puchberg.

Foto: Diözese Linz


Als Pastoralrat sehen wir vor allem die Zukunft und die Frage der Integration. In der Bibel finden wir viele Fluchtgeschichten, die Fremden stehen unter besonderem Schutz. Das ist für uns Ermutigung und Auftrag. So wollen wir mit allen Bildungseinrichtungen den Dialog aufgreifen, einen Dialog der Religionen und Kulturen. Das Gespräch, das Kennenlernen, der gegenseitige Respekt, all das wird entscheidend sein für ein positives Klima und um die Vielfalt auch als Chance zu erkennen. Dies wird für ganz Europa entscheidend sein – ein gutes und friedvolles Zusammenleben zwischen den Religionen.

 

In der ganzen Diskussion dürfen aber Ursachen und Profiteure nicht übersehen werden. So wie es Papst Franziskus bereits in „Evangelii gaudium“ benannt hat: „Diese Wirtschaft tötet“. Ganz konkret werden Kriege und Leid und Verfolgung durch Waffenlieferungen und wirtschaftliche Ausbeutung des Westens gefördert. Es geht global um eine andere Form des Wirtschaftens und Konsumierens. Dieser Ernstfall der Veränderung ist auch hier in Österreich gefragt. Welche Chancen bieten wir flüchtenden Menschen hier bei uns? Es geht um Bildung, um Arbeitsplätze, um leistbares Wohnen. In Deutschland denken Architekten und Bauherren intensiv über neue Formen des sozialen Wohnbaus nach. In Österreich ist in diese Richtung leider recht wenig zu spüren. Dabei gilt es zu vermeiden, dass eine Gruppe gegen die andere ausgespielt wird. Denn auch für InländerInnen mangelt es in Österreich an leistbarem Wohnraum. Eine ähnliche Situation erleben wir am Arbeitsmarkt. Es geht nicht darum, jemandem Arbeitsplätze wegzunehmen, sondern wie wir es künftig schaffen, Arbeit gerecht zu teilen.

 

Wir in der Katholischen Kirche nehmen die derzeitige Situation wahr und ernst. Es gibt auch in unseren Pfarren Ängste und Sorgen vor einer Überforderung, oft verstärkt durch bösartige Gerüchte, die sich bei Recherche als Lügenmärchen entpuppen. Hier braucht es sachliche, ehrliche Information. Aber nur wenn es uns gelingt, aus dem diffusen Gefühl einer ängstlichen Bedrohung ein Gefühl des Zusammenhalts und der Bereicherung entstehen zu lassen, wird ein friedliches und chancenreiches Leben für alle möglich werden.

Abschließend sei nochmals der Innsbrucker Bischof Scheuer zitiert. Für die Bewältigung der aktuellen Flüchtlingssituation „braucht es Herz, Hirn, Recht und Engagement“.

 

 

Hintergrund:

Der Pastoralrat ist das größte Beratungsgremium der Katholischen Kirche in OÖ. Dieses diözesane Gremium hat zur Aufgabe, all das, was sich auf das pastorale Wirken in der Diözese bezieht, zu untersuchen, zu beraten und dazu praktische Folgerungen vorzuschlagen. Unter den 79 Mitgliedern sind Delegierte (Kleriker und Laien, Hauptamtliche und Ehrenamtliche) aus den 39 Dekanaten, sowie aus allen Bereichen des diözesanen Lebens und der diözesanen Einrichtungen.

 

Bei der Pressekonferenz des OÖ. Journalistenforums: (v.l.) Christian Schörkhuber, MAS, Mag.a Petra Ramsauer, Landesrat Rudi Anschober, Mag.a Edeltraud Artner-Papelitzky und Mag. Erwin Fuchs

(v.l.) Christian Schörkhuber, MAS, Mag.a Petra Ramsauer, Landesrat Rudi Anschober, Mag.a Edeltraud Artner-Papelitzky und Mag. Erwin Fuchs

Foto:  Land OÖ/Pichler

 

Flüchtlinge – Herausforderung und Chance?

 

Unter diesem Titel fand am Freitag, 13. November 2015 eine Pressekonferenz des OÖ. Journalistenforums statt. Dabei wurde das Thema Flüchtlinge von verschiedenen Seiten beleuchtet. Am Podium waren Landesrat Rudi Anschober; Mag.a Petra Ramsauer, Freie Journalistin und Nahost-Expertin; Mag.a Edeltraud Artner-Papelitzky, geschäftsführende Vorsitzende des Pastoralrates der Diözese Linz; Mag. Erwin Fuchs, Landespolizeidirektor-Stellvertreter; Christian Schörkhuber, MAS, GF der Flüchtlings- und Migrant/innen-Betreuung Volkshilfe OÖ.

Nähere Informationen zu dieser Pressekonferenz finden Sie auf der Website des Landes Oberösterreich.

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