Wednesday 23. October 2019

Wohlstand ohne Wachstum - geht das?

Gut zu leben heißt nicht, viel zu haben, sondern wenig zu brauchen. Dieser Satz bringt den Vortrag von Dr. Harald Klimenta, Mitarbeiter im wissenschaftlichen Beirat von ATTAC Deutschland und Erwachsenenbildner), wohl am treffendsten auf den Punkt.

Was verbessert unsere Lebensqualität? Mehr Geld oder weniger Geldsorgen? Mehr Geschwindigkeit oder mehr erreichte Zíele? Gibt es die Wachstumszwänge tatsächlich und was bedeuten sie für ein Unternehmen oder für ganze Staaten, was für ein Individuum? Wer fragt, ob der zunehmende Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen überhaupt ein genussvolles Leben garantiert, wird von einer milliardenschweren Werbeindustrie als uncool gebrandmarkt. Trotzdem entstehen immer mehr Initiativen, die das Hamsterrad verlassen wollen. Immer mehr Menschen werden aktiv und zeigen, dass anders zu leben und zu wirtschaften trotz der Möglichkeiten unserer Warenwelt ein unerschütterliches Bedürfnis ist.

 

In seinem Vortrag zum Thema "Wohlstand ohne Wachstum" am 2. Oktober im Bildungszentrum Maximilianhaus in Attnang-Puchheim zeigte Dr. Harald Klimenta, studierter Physiker und Volkswirt, eine Alternative zum Wachstumswahn auf. Klimenta beschäftigt sich seit Langem mit ökologischen Fragen und Globalisierungs- und Finanzmarktkritik.

 

In seinem Vortrag näherte Klimenta sich dem Thema in drei Stufen:

  • Im Sehen – Wahrnehmung von Krise
  • Im Urteilen – Reformblockaden (persönlich oder institutionell)
  • Im Handeln – mögliche Modelle einer besseren, solidarischeren Zukunft/Gemeinschaft

Im ersten Teil ging der Vortragende auf die vielfältigen Ursachen für die momentane Lage ein. Eine dieser Ursachen ist die Umweltbelastung. Anhand einer Grafik wies Klimenta auf die Belastungsgrenzen des Planeten Erde hin. Ein weiterer Baustein ist die CO²-Reduktion, die benötigt wird, um die Klimaerwärmung zu verlangsamen bzw. zu stoppen. Hier bräuchte es eine weitere Reduktion von jährlich 5,8 %. In den letzten 20 Jahren wurde nur eine Reduktion von 0,7 % pro Jahr erreicht.

 

Weitere Bausteine der Krise sind die ungleiche Vermögensverteilung, Armut und Hunger, Stress und Arbeitsverdichtung, Finanzkrise und die momentan weltweiten Wanderungsbewegungen.

 

Im zweiten Teil ging Harald Klimenta den eigenen Reformblockaden nach: der Manipulation durch Werbung und der Frage nach dem Unterschied zwischen Mensch und Konsument. Ein weiterer Aspekt war die Frage der Gewinn- und Verdienstmaximierung im Kapitalismus. "Mache nicht, was dir Spaß macht, sondern mache, wo du mehr verdienst, um das Geld für das zu haben, was dir Spaß macht", lautet die Devise. Im momentanen System fördert Ersparnis nur neuen Konsum.

 

 

 Dr. Harald Klimenta. © Wilhelm Seufer-Wasserthal

 

Im dritten Teil des Vortrages ging es darum, einen Kulturwandel anzustoßen. Folgende Schlagworte und Forderungen griffen hier Raum:

  1. Konkurrenz verringern
  2. Statuswettbewerb verringern
  3. Eigentumsfrage stellen
  4. Geldgier bändigen

Für eine persönliche Änderung fordern dazu die 12 Regeln erfolgreichen Widerstands nach Harald Welzer ("Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand", Fischer Verlag) heraus:

  1. Alles könnte anders sein.
  2. Es hängt ausschließlich von Ihnen ab, ob sich etwas verändert.
  3. Nehmen Sie sich deshalb ernst.
  4. Hören Sie auf, einverstanden zu sein.
  5. Leisten Sie Widerstand, sobald Sie nicht einverstanden sind.
  6. Sie haben jede Menge Handlungsspielräume.
  7. Erweitern Sie Ihre Handlungsspielräume dort, wo Sie sind und Einfluss haben.
  8. Schließen Sie Bündnisse.
  9. Rechnen Sie mit Rückschlägen, vor allem mit solchen, die von Ihnen selber ausgehen.
  10. Sie haben keine Verantwortung für die Welt.
  11. Wie Ihr Widerstand aussieht, hängt von Ihren Möglichkeiten ab.
  12. Und von dem, was Ihnen Spaß macht.

Zum Abschluss lud Harald Klimenta die TeilnehmerInnen ein, einmal jährlich ihren persönlichen Nachruf zu verfassen - so, wie ihn jede Person von sich lesen möchte.

 

Wilhelm Seufer-Wasserthal / Maximilianhaus Attnang-Puchheim

 

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