Thursday 17. October 2019

Die Herzen der Südamerikaner schlagen für Franziskus

Papst Franziskus

Radikale politische Botschaften, bewegende Gesten und Begegnungen und eine erstaunliche körperliche Konstitution: Die erste lange Papstreise nach Lateinamerika hatte es in sich.

Von den etwa 20 großen Auftritten des Papstes bei dieser Reise bleiben vor allem vier in Erinnerung. Zu ihnen gehört die große Messe in Quito am 7. Juli 2015. Vor mehr als einer Million Menschen versuchte der erste lateinamerikanische Papst die große historische Versöhnung zwischen der katholischen Kirche und den zumeist antiklerikalen lateinamerikanischen Unabhängigkeitsbewegungen des frühen 19. Jahrhunderts. Er schlug einen Bogen zwischen den Freiheitsträumen der Generation der Freiheitskämpfer um Simon Bolivar auf der einen und der revolutionären, radikalen Dimension des Evangeliums auf der anderen Seite.                    

Der zweite Papstauftritt dieser Reise, der das Prädikat historisch verdienen könnte, war seine Rede vor dem internationalen Kongress der Volksbewegungen in Santa Cruz (Bolivien). Seite an Seite mit dem linken bolivianischen Präsidenten Evo Morales verlas der "revolutionäre Bruder Papst Franziskus" eine knapp einstündige Grundsatzrede, in der er den Kapitalismus und den Kult des Geldes als "Dung des Teufels" und als "sanfte Diktatur" kritisierte. Zugleich ermutigte er die Aktivisten der überwiegend linken Volksbewegungen, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und mutig und kreativ für eine gerechte Gesellschaft einzutreten. Dass Morales dem Papst am selben Tag auch noch ein Kruzifix mit den kommunistischen Symbolen Hammer und Sichel überreichte, sorgte für einige Aufregung insbesondere in den USA. Die Kritik des Papstes an den schleichenden links-diktatorischen Tendenzen, die Morales zeigt, fiel zurückhaltend aus, war aber für Kenner der Szene unüberhörbar.

Die dritte, zutiefst bewegende Szene der Reise war der Besuch des Papstes im bolivianischen Gefängnis Palmasol, einer der berüchtigtsten Haftanstalten Lateinamerikas. Der faktisch als geschlossenes Stadtviertel in Eigenregie der Inhaftierten organisierte Knast, gilt als eine Art Vorhölle auf Erden, in der Banden und Drogenhändler regieren. Dass der Papst sich hierher traute und es schaffte, den Häftlingen durch seine Nähe und seine Menschlichkeit Hoffnung zu geben, war eine der stärksten Episoden dieser an emotionalen Höhepunkten überreichen Reise.

Auf andere Weise bewegend waren die Worte und Gesten des Papstes im Nationalheiligtum Paraguays und des Guarani-Volkes in Caacupe. Obwohl er aus dem reichen und eher ungeliebten Nachbarland Argentinien kommt, bejubelten ihn die immer wieder von Kriegen, Naturkatastrophen und Verarmung heimgesuchten Gläubigen als Seelsorger und Tröster. Die Tatsache, dass er bereits als Erzbischof in Buenos Aires den dort lebenden Gastarbeitern aus Paraguay besonders nahe war, baute ihm Brücken und öffnete die Herzen.

Neben dem, was in Erinnerung bleibt, ist auch auffällig, was bei dieser Reise fehlte. So registrierten Beobachter aufmerksam, dass außer dem Kardinalstaatssekretär kein weiterer hochrangiger Chef einer Kurienbehörde den charismatischen Papst begleitete. Auch gab es vergleichsweise wenige innerkirchliche Ansagen in seinen Äußerungen. Die eine war die in allen drei Ländern wiederholte Mahnung an die Priester, ihren Klerikalismus und ihren Machtdünkel abzulegen und sich auf die Aufgaben einer dienenden Kirche zu besinnen. Die zweite fiel ganz am Anfang, als der Papst in Guayaquil ausdrücklich die Familiensynode im Oktober erwähnte. Er warb dafür, um "konkrete Lösungen" und um Mut zu beten - was wohl in Richtung einer veränderten Sexualmoral weist. Und die dritte war sein Werben für eine gastfreundliche, sich verschenkende Kirche bei der Abschlussmesse in Asuncion.

Neue Maßstäbe für sein Pontifikat hat Franziskus bei dieser Reise auch in gesundheitlicher und körperlicher Hinsicht gesetzt. Trotz eines einwöchigen Marathons mit sechs Flugreisen und 21 Ansprachen, mit Zeitverschiebungen und enormen Klima- und Höhenveränderungen zeigte sich der 78-jährige abgesehen von einem kurzen Aussetzer am vorletzten Tag der Reise in Asuncion in erstaunlich guter Verfassung.

 

Weitere Beiträge und Hintergrundberichte zur Papstreise nach Südamerika im "Kathpress"-Themenschwerpunkt unter www.kathpress.at/papstinsuedamerika

Getauft und Gesandt
Bernhard Rudinger

Bernhard Rudinger

„Für Wunder muss man beten, für Veränderungen aber arbeiten."
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