Tuesday 15. October 2019

Zulehner: Kirche wird "engagierte und glaubenssichere Minderheit"

Der Pastoraltheologe Paul M. Zulehner

Die Kirche verwandelt sich immer mehr von einer ehemaligen Staatsreligion und Massenkirche hin zu einer glaubenssicheren Minderheit mit dem Charakter einer engagierten "Grassroot-Bewegung".

Zu diesem Schluss kommt der Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner im Blick auf den gegenwärtigen Umbruch in Kirche und Gesellschaft. Dieser werde nicht nur Auswirkungen auf die bisher gekannte kirchliche Struktur haben, sondern auch die Verantwortungsbereiche zwischen kirchlichen Amtsträgern und Laien verändern, so der Religionssoziologe gegenüber der "Presse" am Samstag, 27. Juni 2015.

Mit dem Rückgang der Katholiken werde das bisherige Selbstverständnis als quasi Staatsreligion nicht länger haltbar sein. Dieses rühre noch aus Zeiten, in denen Religion als von den Herrschenden verordnetes Schicksal betrachtet wurde. "In Zukunft wird es nicht mehr eine schwache Massenkirche geben, sondern eine engagierte, glaubenssichere Minderheit", so Zulehner, der zugleich eine von der Basis und der Kirchenspitze ausgehende Erneuerung der Kirche ortete.

So gebe es an der Basis bereits sehr viel Engagement von Menschen für ihre Kirche. Ein Zeichen dafür sei etwa der Kampf schrumpfender Gemeinden um ihre Pfarren als Reaktion auf Pfarrzusammenlegungen und andere Strukturreformen. Dieses Engagement sei verständlich weil in manchen Gemeinden ohne Postamt und Geschäft "die Kirche die letzte Gemeinsamkeit" sei. Laut Zulehner könnte die Gründung von "Kirchenerhaltungsvereinen" ein möglicher Ausweg sein, wodurch sich die Menschen auch um die finanziellen Grundlagen kümmern. "Die Gemeinden werden stärker von den geschenkten Ressourcen und der Fantasie ihrer Mitglieder leben."

Ablehnend äußerte sich Zulehner gegen Modelle zur Schließung bzw. Vergrößerung von Pfarren. Weil es zunehmend weniger Priester gibt, werden der Papst und die Bischöfe vermutlich gar nicht anders können, als Laien aufzuwerten, meinte der Pastoraltheologe. "Überzeugte Christen werden das Leben der Christen tragen. Aus deren Kreis werden ehrenamtliche Priester gefunden werden." Priester würden dann vor allem spirituelle Helfer sein und den Laien in der täglichen Gemeindearbeit als "Seelsorger mit Augenmaß" zur Seite stehen.



Kirche als gesellschaftliche Grassroot-Bewegung


Nach einer Zeit des verordneten Katholizismus gehe es laut Zulehner darum, dass die Kirche lernen müsse, mit der Freiheit des Menschen zu leben und sie für sich zu gewinnen. Kirche werde so immer mehr "eine Grassroot-Bewegung, also nicht mehr auf der Seite des Staates und der Parteien stehen, sondern eher bei den NGOs". Dabei gehe es um konkret gelebte Nächstenliebe wie beispielsweise im Umgang mit Flüchtlingen.

Bestärkt werde dieser Trend durch den gegenwärtigen Papst: "Franziskus ist wieder auf der Spur des Konzils, die Kirche mischt sich wieder in die elementaren Probleme der Welt ein." Zuletzt habe das der Papst etwa mit seiner Enzyklika "Laudato si" zur Ökologie bewiesen. Der erneuerten katholischen Kirche werde es gelingen, von einer konfessionellen wieder zu einer universellen Religion zu werden, prognostizierte der Theologe.

 

Kathpress

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Gabriele Eder-Cakl

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