Tuesday 19. November 2019

„Kunst ist nicht dazu da, zu gefallen“

Der Jesuit Pater Friedhelm Mennekes SJ referierte an der JKU.

Warum Kunstwissenschaft an einer katholischen Universität notwendig sei, erläuterte Pater Friedhelm Mennekes SJ in einem Vortrag an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz.

Zu dem Vortrag hatte die Katholisch-Theologische Privatuniversität (KTU) Linz anlässlich des 90. Geburtstages von Prof. Günter Rombold geladen. Eine klassische Geburtstagsfeier hatte sich der Jubilar verbeten und so hatte man mit Pater Mennekes einen prominenten Referenten eingeladen, zu einem der großen Lebensthemen Günter Rombolds zu sprechen: dem Spannungsfeld von Kunst und Kirche.

 

Zahlreiche Ehrengäste aus beiden Bereichen waren der Einladung gefolgt, darunter der Linzer Bischof Ludwig Schwarz, Andrea Bina (Nordico), Elisabeth Novak-Thaller (Lentos) und Martin Sturm (OK) als VertreterInnen bedeutender Linzer Kultureinrichtungen, die Leiterin des Wiener Dommuseums Johanna Schwanberg sowie Künstler Manfred Hebenstreit.

 

V. l.: Prof. em. Günter Rombold, Bischof em. Maximilian Aichern und Prof. em. Dr. Friedhelm Mennekes SJ

V. l.: Prof. em. Günter Rombold, Bischof em. Maximilian Aichern und Prof. em. Dr. Friedhelm Mennekes SJ. © KTU Linz / Eder

 

„Bilder, die fest sind, sind tot“

 

Mennekes, der eingangs den Einfluss Rombolds auf seine persönliche Entwicklung betont, findet klare Worte. Er beschreibt eine kritische Beziehungsform von Kunst und Religion: „Eine gemeinsame Sprache gibt es nicht“, man müsse jedoch versuchen, darauf einzugehen, aufeinander zuzugehen. Indem Kunstgeschichte sich selbst als Bezugnahme auf Geschichte benenne, bleibe sie oft in der Geschichte und bei der bloßen Bewahrung des Hergebrachten stehen, was dazu führe, dass Neues abgelehnt werde. Dieser Blick auf das Vergangene kreiere gerade auch in der Kirche eine Art „Kunstunfähigkeitssyndrom“, ein Festhalten an Vergangenem, das blind mache für aktuelle künstlerische Entwicklungen, Auseinandersetzungen und Herausforderungen.

 

Kunst jedoch sei nicht dazu da, um zu gefallen, wichtig sei allein das von Kunst geöffnete, angeregte, ausgelöste, dynamisierte „Sehen“ – „Sehen“ nicht gedacht nicht als festgestelltes, fixiertes Sehen, sondern als offene Bewegung, als Neugierde, als steter Prozess. Bilder können nicht so genommen werden, wie sie sind. Eine Vitalität des Glaubens erfordere es, offen zu sein für Neues, sich selbst ein Bild zu machen, Bilder zu problematisieren, zu bewegen und von ihnen bewegt zu werden. „Bilder, die fest sind, sind tot“, hält Mennekes fest, der abschließend seine Überlegungen zu Religion, Glaube und Kirche anhand von Motiven und Bildeindrucken von Siegfried Anzinger darlegt.

 

Dass an einer katholischen Privatuniversität – der KTU – diese Herausforderung der Kunst nicht nur angenommen und die Kunst damit auch in die Theologie hineingenommen, sondern aktuell durch den Ausbau des IKP zur Fakultät für Philosophie und Kunstwissenschaft noch vertieft werde, sei – so betonte Mennekes – weltweit einzigartig. Und es lasse ihn hoffen, dass das Finden einer gemeinsamen Sprache zwischen Kunst und Theologie Zukunft hat.

 

Vortrag von Prof. em. Dr. Friedhelm Mennekes SJ

Zahlreiche BesucherInnen folgten der Einladung zum Vortrag von Prof. em. Dr. Friedhelm Mennekes SJ anlässlich des 90. Geburtstages von Prof. em. Günter Rombold. © KTU Linz / Eder

 

Prof. em. Dr. Friedhelm Mennekes SJ


Prof. em. Dr. Friedhelm Mennekes SJ, geb. 1940, 1961 Eintritt in den Jesuitenorden, Studium der Katholischen Theologie, daneben Studien in Philosophie, Politische Wissenschaft und Geschichte. 1980–2008 Professor für Praktische Theologie und Religionssoziologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen (Frankfurt a. M.), 1987–2008 Leiter der Kunst-Station St. Peter Köln. Honorar- und Gastprofessuren in Braunschweig, Mainz, Worcester (Mass./USA) und Amherst (Mass./USA), seit 2011 ständiger Gastprofessor für Zeitgenössische Kunst, ihre Ausstellung und Vermittlung in Bonn. Weitere Informationen unter www.artandreligion.de.

 

 

Prof. em. Günter Rombold

 

Prof. em. Günter Rombold, oberösterreichischer Priester und international bekannter Kunstexperte, wurde am 2. Jänner 90 Jahre alt. Der Theologe, Publizist und Sammler gilt als Brückenbauer zwischen bildender Kunst und Kirche und ist Fachmann für die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Rombold hatte 1984 das Institut für Kunst und Kirchenbau gegründet, welches 2005 in Verbindung mit dem Fachbereich Philosophie in das Institut für Kunstwissenschaft und Philosophie (IKP) ad instar facultatis, übergeführt wurde.

Als Redakteur und Herausgeber der Zeitschrift "Kunst und Kirche", erwarb sich Rombold große Verdienste um Brückenschläge zwischen Kunst und Kirche. Er organisierte vielfache Ausstellungen und Künstlerbegegnungen, veröffentlichte hunderte wissenschaftliche Publikationen und leitete von 1981 bis 1996 die Jury des Otto-Mauer-Preises. 1999 erhielt Rombold die Kulturmedaille des Landes Oberösterreich, dessen Landesmuseum er 2002 mehr als 500 Werke aus seiner Privatsammlung schenkte. Im gleichen Jahr wurde er mit dem Landeskulturpreis für Theologie ausgezeichnet.

 

Hermine Eder / KTU Linz (be)

 

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