Montag 25. März 2019

Bischof Kräutler: Mutige Vorschläge für die Kirche

Press conference with the Laureates of the Right Livelihood Awards, Holger Motzkau 2010. © Holger Motzkau/wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Der austro-brasilianische Bischof Erwin Kräutler sagte, dass der Papst sie aufgefordert hätte "mutige Vorschläge" zu machen. In der brasilianischen Bischofskonferenz sei dazu nun die Einrichtung einer eigenen Kommission in Planung.

"Ich kann nicht sagen, dass wir übermorgen bereits verheiratete Priester haben werden", so der Bischof von Xingu, eine mögliche Antwort auf das Recht der Gemeinden zur Eucharistie seien jedoch "Gemeinde-Älteste, die eine Ordination erhalten könnten", wie dies der südafrikanische Bischof Fritz Lobinger vorgeschlagen habe.

Zwar würden in seiner Amazonas-Diözese die meisten der kleinen Gemeinschaften von insgesamt 800 Laien geleitet und 90 Prozent der Gemeinden könnten nicht regelmäßig Eucharistie feiern, so der Bischof. Dennoch seien Eucharistiefeiern durch Laien undenkbar, da sie sich damit "außerhalb der Gemeinschaft" stellen würden. Kräutler: "Du kannst dich ja auch nicht selber zum Arzt machen. In unserer Kirche bekommst du eine Beauftragung. Das gehört seit 2.000 Jahren dazu."

Kräutler hält die jüngste Exkommunikation der "Wir sind Kirche"-Vorsitzenden durch Bischof Scheuer für "richtig": Die von Martha und Gert Heizer durchgeführten privaten Eucharistiefeiern seien "eine Provokation, ein absoluter Unsinn", so der Bischof von Altamira-Xingu, der sich zurzeit auf Österreich-Besuch befindet, im Interview mit den "Vorarlberger Nachrichten" (Mittwoch), in dem er auch auf seine nahende Pensionierung zu sprechen kam.

 

Bin skeptischer, nicht gelähmt

 

Es werde "nicht sehr einfach sein", einen Nachfolger für ihn als Bischof der Amazonas-Diözese Xingu zu finden, so Kräutler angesichts seines nahenden 75. Geburtstages am 12. Juli, mit dem er laut Kirchenrecht dem Papst seinen Rücktritt anbieten wird. 34 Jahre lang sei das Überwinden riesiger Distanzen sein "tägliches Brot" gewesen, und aufgrund der explodierenden Gläubigenzahl - statt vormals 40.000 wohnen nun 700.000 im Diözesangebiet - strebe er eine Dreiteilung der Diözese an.

Die Errichtung des gigantischen Kraftwerks "Belo Monte" in seinem Diözesangebiet, gegen die Kräutler stets aufgetreten ist, habe ihn "nicht gelähmt". Nach langer Hoffnung habe er realisiert, vom Präsidenten "angelogen" worden zu sein, was ihn skeptisch gemacht habe. Heute gehe es ihm darum, Schaden zu begrenzen und die 40.000 betroffenen Menschen zu unterstützen. "Viel Elend" sei dadurch heute schon verhindert worden, erklärte der Träger des Russpreises 1992 und des Alternativen Nobelpreises 2010.

Seine eigene Bekanntheit, die besonders nach einem gewalttätigen Überfall auf ihn begonnen habe, komme davon, "weil man sich für etwas einsetzt". Gewollt habe er die Popularität jedoch nie, "ich habe Position bezogen, weil ich nicht anders konnte", so Kräutler. Rückblickend sei er nun froh, in der Jugend und als Theologe auf ein Leben mit Frau und Kind verzichtet zu haben, wenngleich auch das für ihn "Thema" gewesen sei: Angesichts der der oftmaligen Bedrohungen habe er somit nicht Option für die Familie ergreifen müssen.

Seine Anliegen würden auch nach seiner Pensionierung weitergehen, gab sich Kräutler gewiss, vor allem die Rechte der indigenen Völker, die Ökologie und die "Mitwelt". "Ich bin nur einer. Aber das Anliegen ist ein planetares Anliegen", so der Bischof.

 

Papst grundbiblisch, kein Showman

 

Papst Franziskus sei absolut authentisch, so die Erfahrungen des Geistlichen aus einer langen Privataudienz und drei Tagen Aufenthalt im Vatikan-Gästehaus Santa Martha. Kräutler wörtlich: "Wie er sich gibt, wie er selber zum Buffet geht, dich zur Tür begleitet, das ist alles echt. Was er sagt, hat Sinn. Der schwebt nicht irgendwo in den Wolken. Er predigt so, dass es jeder versteht. Er spricht sehr viel von der Barmherzigkeit. Das ist grundbiblisch. Der ist kein Showman. Er fragt nach im Gespräch: Was denkst du drüber?"

Der Papst stehe für Freimut, Kühnheit, Einsatz sowie das Licht- und Überzeugtsein, und dessen griechische Bezeichnung "Parrhesia" sei sein Lieblingswort. Nicht zu erwarten seien vom Pontifex aus Argentinien Änderungen der Glaubens- und Sittenlehre, "er wird nie sagen: Die Ehe ist auflöslich. Aber es gibt Fälle, in denen Ehen schiefgegangen sind. Das ist Realität. Wir wollen diese Leute trotzdem einbeziehen."

 

Kathpress (gec)

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