Montag 5. Oktober 2026

"Gemeinwohl-Ökonomie" wächst mit kirchlicher Unterstützung

Hand in Hand

Die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, der Wiener Weihbischof Franz Scharl und der Priester und Sozialethiker Markus Schlagnitweit von der Katholischen Sozialakademie Österreichs sind kirchliche UnterstützerInnen des Projekts "Bank für Gemeinwohl".

"Die rasche Verbreitung der Idee der Gemeinwohl-Ökonomie zeigt die länderübergreifende Sehnsucht der Menschen nach einem neuen, ethischen Wirtschaftssystem, das uns Menschen und dem Gemeinwohl dient." Das sagte der Wirtschaftsethiker und Buchautor Christian Felber, der die wachsende Gemeinwohl-Bewegung mitinitiierte, am Donnerstag, 21. Jänner 2016 bei einer Pressekonferenz in Wien. Statt "rücksichtsloser Profitmaximierung" solle dabei ökologisch-soziale Verantwortung im Mittelpunkt stehen. Zum Flaggschiff der Gemeinwohl-Ökonomie in Österreich soll das auch kirchlicherseits unterstützte Projekt "Bank für Gemeinwohl" werden, die laut Vorständin Christine Tschütscher kurz vor dem Start steht.

Kirchliche Unterstützer des Projekts sind die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, der Wiener Weihbischof Franz Scharl und der oberösterreichische Priester und Sozialethiker Markus Schlagnitweit von der Katholischen Sozialakademie Österreichs. Mit einer solchen Bank, die - so Tschütscher -  "nicht zockt", sondern zu Kreditvergabe, Sparen und Zahlungsverkehr als den ursprünglichen Kerngeschäften von Geldinstituten  zurückkehrt, "wachsen der Gemeinwohl-Ökonomie hoffentlich Füße, die helfen, auf dem Weg zum Gemeinwohl kräftig voranzuschreiten", erklärte Bischof Scharl.

Er ernte "stets ungläubiges Erstaunen", so Schlagnitweit, wenn er in Vorträgen die ursprüngliche Gemeinwohl-Funktion des Bankwesens in Österreich erwähne. Diese Ausrichtung werde in der Öffentlichkeit offenbar nicht mehr wahrgenommen. "Angesichts des in Österreich besonders eklatanten Mangels an Gemeinwohl-orientierten Alternativbanken könnte die 'Bank für Gemeinwohl' für eine dringend nötige 'Auffrischung' des Bankplatzes Österreich sorgen", hofft der frühere Direktor der Sozialakademie. Dies würde auch die etablierten "Platzhirsche" im Bankwesen an ihre ursprünglichen Wurzeln erinnern.


Weitere Genossenschafter gesucht


2014 wurde die "Bank für Gemeinwohl" als Freie Genossenschaft eingetragen, seither schreite die Gründung voran, hieß es auf der Pressekonferenz. Im zweiten Halbjahr 2015 seien von rund 2.800 Privatpersonen knapp zwei Millionen Euro an Startkapital gezeichnet worden (Mindestbetrag 200 Euro), die die Entwicklungen der Bank selbst mitgestalten könnten. Sobald sechs Millionen Euro erreicht sind, werde der Banklizensierungsprozess bei der österreichischen Finanzmarktaufsicht begonnen. Zum kürzlich gewählten Aufsichtsrat zählen mehrere Bankvorstände anderer Institute, Persönlichkeiten wie der Ökonom Stephan Schulmeister, "GEA"-Geschäftsführer Heini Staudinger oder Ex-Schisprungstar Toni Innauer fungieren als Mitgründer.

Christian Felber, ebenfalls im Aufsichtsrat, erinnerte an das Jahr 2010, als er gemeinsam mit zwölf Unternehmen das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie entwickelte. Ausgehend von Wien habe sich diese in fünf Jahren weltweit verbreitet: Fast 2.000 Unternehmen, über 250 Vereine, rund 20 Gemeinden und mehr als 6.000 Privatpersonen unterstützen laut Felber aktiv die Bewegung. "Der ergebnisoffene Weg zu einer gemeinwohlorientierten Wirtschaftsordnung soll so langfristig in demokratischen Wirtschaftskonventen entwickelt, vom Volk als Souverän entschieden und in den nationalen Verfassungen und EU-Verträgen verankert werden."

(Info: https://www.mitgruenden.at)

 

Kathpress

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