Samstag 17. Januar 2026

Olympiakaplan Chavanne: Menschenrechte als Thema!

Johannes Paul Chavanne

Debatten über Menschenrechte werden bei sportlichen Großereignissen weiterhin ein Thema sein, glaubt Olympiakaplan P. Johannes Paul Chavanne, der die österreichischen TeilnehmerInnen an den olympischen und paralympischen Spielen seelsorglich begleiten wird.

Kritik an den Veranstalterländern sei bei Missständen berechtigt und notwendig, erklärte Olympiakaplan P. Johannes Paul Chavanne, der Mönch des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz im "Kathpress"-Interview. Es gelte aber zu beachten, dass es immer auch Benachteiligte gebe, denen Olympia zugute kommt.

 

Chavanne: Differenzierter Blick auf Vor- und Nachteile nötig

 

Investitionen, die im Vorfeld Olympischer Spiele etwa in die Infrastruktur eines Landes gemacht werden, nützen laut Chavanne auch jenen gesellschaftlichen Gruppen, die am Rand stehen. Auch der mit Sportevents verbundene Geldzufluss und Imagegewinn eines Landes könne allgemeine positive Effekte haben. Freilich werde es auch Gruppen geben, die gerade durch den betriebenen enormen Aufwand Nachteile in Kauf zu nehmen hätten, räumte der seit 2013 mit dieser Aufgabe betraute Olympiaseelsorger. Es gelte beides im Blick zu behalten, und auch bei künftigen Vergaben sportlicher Großereignisse würden Menschenrechte sicher mitzubedenken sein.

 

Eine differenzierte Sichtweise nahm Chavanne auch bei der jüngsten Diskussion um den Ausschluss russischer Sportler von den Spielen in Rio ein: Er sei "gegen Sippenhaftung" bei Dopingvergehen, wohl aber für klare Konsequenzen bei erwiesenen Fairnessverstößen. Die Anwendung unzulässiger leistungssteigernder Mittel und Methoden sei ein solcher Fairnessverstoß, für den die daran Beteiligten dann auch geradezustehen hätten. 

 

Erwartung: viele schöne Begegnungen, Gespräche und... manche Medaille!

 

Seine seelsorgliche Tätigkeit sei durch die vielen Reisen von Spitzensportlern nicht einfach, erzählte Chavanne. Er könne natürlich "nicht überall dabei sein", dennoch würden sich mit manchen Sportlern und auch Funktionären längere Kontakte ergeben, die über kurzfristige Begegnungen hinausgehen. Der Ordensmann nützt übrigens auch gerne die sozialen Medien, um mit seinen Schützlingen in Verbindung zu bleiben. 

 

Von Olympia in Rio erwartet er sich "viele schöne Begegnungen, tiefgehende Gespräche - und auch manche Medaille", so Chavanne. Zu seinen Aufgaben bei den Spielen gehört es, Gottesdienste mit den Sportlern und ihren Betreuern zu feiern, die Athleten bei Wettkämpfen, Trainings und abseits des Sportgeschehens zu besuchen und für Gespräche aller Art zur Verfügung zu stehen. Den Erfolgreichen stehe er dabei genauso zur Verfügung wie jenen, die eine Niederlage verkraften oder mit einer Verletzung zurechtkommen müssen. 

 

Die Relativität von Erfolgen, die für die Gottesbeziehung nachrangig seien, bringe er den Sportlerinnen und Sportlern immer wieder mit dem Spruch aus dem Matthäusevangelium (19,30) nahe: "So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten." Aus der Perspektive des Glaubens zählten andere Kriterien als Präsenz auf dem Siegertreppchen; für Gott und für ihn zähle der Mensch, und dies sei ein Medaillengewinner ebenso wie einer, der im geschlagenen Feld landet. 

 

Kräutler und Paloschi: Sorge über Entwicklung in Brasilien

 

Bereits Altbischof Erwin Kräutler hatte zuvor Kritik geübt: Sportliche Großereignisse wie die Fußball-WM 2014 oder Olympia 2016 sieht er als Fortsetzung von "Panem et Circenses" (Brot und Spiele), mit denen schon im alten Rom die Bevölkerung "politisch mundtot" gemacht werden sollte. Die genannten Events sollen nach den Worten Kräutlers "von der Krise ablenken, in der Brasilien steckt".

 

Auch Erzbischof Roque Paloschi aus Porto Velho, wies auf den in Brasilien im Vorfeld der olympischen Spiele tobenden "Krieg der Auslöschung der Armen und der Jugend" hin. Paloschi bezog sich damitauf die vielen Menschenrechtsverletzungen, die im Zuge der Vorbereitungen auf Olympia 2016 täglich passieren. 

 

Quellenangabe:

kathpress.at: Bischof Kräutler in Sorge über Entwicklung in Brasilien. URL: http://www.kathpress.at/goto/meldung/1403155/bischof-kraeutler-in-sorge-ueber-entwicklung-in-brasilien [Stand: 07/2016]

kathpress.at: "Olympiakaplan" Chavanne: Menschenrechte werden Thema bleiben. URL: http://www.kathpress.at/goto/meldung/1403050/olympiakaplan-chavanne-menschenrechte-werden-thema-bleiben [Stand: 07/2016]

Oft nachgefragt
Gebet

Guter Gott,
es sind nicht immer nur die großen und tiefen
Probleme des Lebens,
die uns bewegen.


In diesen Tagen denken viele von uns
vor allem an sportliche Ereignisse.


Wir genießen die Spannung beim Zuschauen,
die Begeisterung beim Siegen,
und wir sind gerührt von den Tränen der Verlierer.


Hilf, dass die weltweite Übertragung der Wettkämpfe
uns auch weltweit miteinander verbindet;
dass die sportlichen Begegnungen dazu beitragen,
Vorurteile zu überwinden
und Verhärtungen im Verhältnis der Völker aufzulösen.


Verhindere, dass aus der Trauer über Niederlagen
Aggression wächst.


Gott, Dir sei gedankt,
dass uns aus so vielen Ereignissen Lebensfreude zuwächst.
Dir sei heute einmal für den Sport gedankt.

 

Amen.

 

(Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland, leicht modifiziert)

 

Quellenangabe: 

© Text: Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland. In: Pfarrbriefservice.de. URL: http://www.pfarrbriefservice.de/file/gott-wir-danken-dir-fur-den-sport [Stand: 12/2017]

[Aus: Ein starkes Stück Leben. Ideen und Entwürfe für die kirchliche Arbeit anlässlich der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006, Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland.]

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