Freitag 27. März 2026

In Gallneukirchen wird gehammerlt, nicht geratscht

Wenn zwischen Gründonnerstag und der Osternacht die Kirchenglocken verstummen, dann ziehen wieder die Ratschenkinder durch die Gemeinden, um an die Gebetszeiten und Gottesdienste zu erinnern. Etwa in Gallneukirchen, auch wenn dort der Brauch als Hammerln, nicht als Ratschen bekannt ist.

Mit dem Gründonnerstag endet die 40-tägige Fastenzeit und es beginnt das österliche „Triduum sacrum“, die drei heiligen Tage. Ab dem Gloria der Gründonnerstagsliturgie verstummen in den Kirchen die Glocken und Orgeln. Erst in der Osternacht erklingen sie wieder. Das Schweigen der Glocken symbolisiert die Trauer über den Tod Jesu. Das freudige Läuten in der Osternacht bekräftigt den Jubel über seine Auferstehung. Während des „Fastens der Ohren“ tritt das rhythmische Rattern der Holzratschen an die Stelle der Glocken und verkündet der Bevölkerung die Gebetszeiten.

 

Rätschen, Räppeln, Karsingen, Rappeln, Klappern oder auch Klacheln: Für das Osterratschen gibt viele Bezeichnungen, abhängig vom Land oder der Region. Gemeint ist damit aber immer die Tradition, bei der Kinder und Jugendliche, in der Regel aus der Jungschar und/oder Ministrant:innen, mit ihren Holzlärminstrumenten durch die Straßen marschieren.


Dass das Ratschengehen in der Pfarrgemeinde Gallneukirchen Hammerln heißt, hat einen guten Grund, sind doch die Minis dort mit Hammerln – Holzkonstruktionen, bei denen ein kleiner Hammer auf eine Platte geschlagen wird –und nicht wie üblich mit den Ratschen unterwegs.

 

In Gallneukirchen wird gehammerlt, nicht geratscht

Keine Ratschen, sondern Hammerl rufen in Gallneukirchen zwischen Gründonnerstag und Karsamstag die Bewohner:innen zum Gebet. © Diözese Linz / Johannes Kienberger

 

„Wie es dazu kam, das weiß heute keiner mehr so genau“, verrät Benjamin Hainbuchner. Als Seelsorgeverantwortlicher ist er auch zuständig für die Ministrant:innen in der Mühlviertler Pfarrgemeinde. Und das Hammerln ist für die meisten seiner Minis ein Fixtermin im Kalender. An drei Tagen – vom Gründonnerstag bis zum Karsamstag – ziehen die Kinder und Jugendlichen los. Nicht nur durch Gallneukirchen. Zur Pfarrgemeinde, die mit knapp 10.000 Katholiken die größte in Oberösterreich ist, gehören nämlich insgesamt fünf politische Gemeinden bzw. Ortsteile davon: neben Gallneukirchen auch Engerwitzdorf, Alberndorf, Unterweitersdorf und Altenberg.

 

40 Kinder und Jugendliche sind mit dabei

 

Bei einem so großen Gebiet braucht es auch jede Menge „Man- und Woman-Power“. In dieser Beziehung kann man in Gallneukirchen aus dem Vollen schöpfen. Etwa 40 Kinder und Jugendliche beteiligen sich jedes Jahr an der Hammerl-Aktion. Ab 8 Jahren – nach der Erstkommunion – darf man mitmachen, die Ältesten sind über 20 Jahre alt, mehr als die Hälfte sind Mädchen. „Marschiert wird in Gruppen zu drei, vier Ministrant:innen, die von einem Gruppenleiter/einer Gruppenleiterin begleitet werden“, sagt Hainbuchner. Früher als Ministrant war der heute 38-Jährige selbst oftmals mit dabei.

 

Aus organisatorischen Gründen wird das Pfarrgebiet zunächst in Gebiete aufgeteilt. „Weil so viele Ministrant:innen mitmachen, können wir auch nahezu alle Haushalte in der Pfarrgemeinde erreichen“, ist Hainbuchner stolz auf die rege Beteiligung. Und auf das Durchhaltevermögen, denn manche Minis sind dermaßen engagiert bei der Sache, dass sie von frühmorgens bis zum Abend auf den Beinen sind. Dazu kommen auch noch die Gottesdienste in der Osterzeit, bei denen der Dienst am Altar gemacht werden muss. „Aber da kann ich mich zu 100 Prozent auf meine Minis verlassen“, ist Hainbuchner stolz.

 

Für die Gallneukirchner:innen sind die Besuche der Buben und Mädchen immer etwas Besonderes: „Die Ministrant:innen werden zu einem Großteil mit Wohlwollen empfangen, wenn sie ihr Sprücherl aufsagen.“

 

„Die Glocken verstummen in diesen Tagen und unser Hämmern soll euch sagen, dass unser Heiland Jesus Christ für uns am Kreuz gestorben ist.

Und wir möchten euch noch bitten gern, betet stets zu Gott dem Herrn.

Und für unser Dienen am Altar bitten wir für die Ministrantenschar um eine Gabe groß oder klein.

Für alles möge Gottes Segen euch immer stets beschieden sein“, heißt es da.

 

Bei ihrer Tour durch das Pfarrgemeindegebiet rufen die Ministrant:innen nicht nur zum Gebet, sie erbitten danach auch einen kleinen Obolus, den Ratscherlohn. Mit dem Geld werden, so Hainbuchner, jedes Jahr die Ministrantenarbeit und ein Sozialprojekt finanziert. 2025 wurde von den Minis eine eigene Kinderglocke gespendet, die zum Teil durch das Hammmerln finanziert werden konnte.

 

„Und wenn die Kinder in den Haushalten die ungewöhnlichen Holz-Hammerl ausprobieren wollen, dann geht das auch“, sagt Hainbuchner. Wer weiß, vielleicht findet ja der/die eine oder andere bei diesen Gelegenheiten Geschmack am Mitmachen.

 

In diesen weiteren Pfarren wird heuer geratscht (kleiner Auszug):

•          Pfarrgemeinde Maria Puchheim

•          Pfarrgemeinde Leonding-St. Michael

•          Pfarre Micheldorf

•          Pfarre Bad Ischl

•          Pfarre Ebensee/Roith

•          Pfarrgemeinde Braunau-St. Stephan

 

Mehr Informationen zu den Hintergründen, Geschichte und Brauchtum des Ratschen

(Karfreitags-)Ratschen – ein gar nicht stiller Brauch vor Ostern
 

Presseunterlagen zum Download

 

Pressemitteilung zum Download (doc/pdf)

 

Fotos zum Downloaden (honorarfrei) © Diözese Linz - Kienberger

Kirche vor Ort

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