Monday 14. October 2019

Mit Bio gegen den Klimawandel

Vortrag in St. Georgen an der Gusen zu 'Bio-Lebensmittel und Bodenschutz – eine Antwort auf den Klimawandel'

In der Pfarre St. Georgen an der Gusen referierte der Steyregger Bio-Bauer und Bodenpraktiker Erwin Appenzeller am 27. April 2015 darüber, wie biologische Landwirtschaft dem Klimawandel entgegenwirkt.

Die UNO-Generalversammlung hat das Jahr 2015 zum internationalen Jahr des Bodens ausgerufen. Viel Beachtung für etwas, das unendlich vorhanden ist – könnte man meinen, denn wo immer Menschen gehen, haben sie Boden unter den Füßen. „Der Boden ist mehr, als die Fläche auf der wir stehen", sagte Bio-Bauer und Bodenpraktiker Erwin Appenzeller bei seinem Vortrag „Bio-Lebensmittel und Bodenschutz – eine Antwort auf den Klimawandel“. Etwa 80 Interessierte kamen dazu ins Foyer des Johann Gruber Pfarrheims in St. Georgen, das somit bis auf den letzten Stuhl gefüllt war.

 

Appenzeller bewirtschaftet in der Nachbargemeinde Steyregg einen Bio-Bauernhof, wo er u.a. mit pflugloser Bodenbearbeitung experimentiert. Unter den oberösterreichischen Bio-Bauern gilt er als Pionier und Mann der ersten Stunde. 2008 machte er eine von Bio-Austria Österreich und dem LFI (Landwirtschaftliches Fortbildungsinstitut) angebotene Ausbildung zum Bodenpraktiker.

 

Erwin Appenzeller ist Bio-Bauer der ersten Stunde und Bodenpraktiker.
Der St. Georgener Pfarrer Franz Wöckinger begrüßt Referenten Erwin Appenzeller.
Das Foyer des Johann Gruber Pfarrheims in St. Georgen war voll.
Pfarrer Franz Wöckinger.
Der Biohof Peterseil aus Statzing bot Bio-Äpfel als Snack.
Der Apfel-Korb war innerhalb weniger Minuten leer.
Organisatorin Herta Hauser, Referent Erwin Appenzeller, Pfarrer Franz Wöckinger.

 

Gegen der Hunger in der Welt

 

Appenzeller begann sein Referat mit einem Blick in die Geschichte der konventionellen und der biologischen Landwirtschaft. Um den Hunger in der Welt zu bekämpfen erfand der deutsche Chemiker Justus von Liebig im Jahre 1840 die Mineralstofftheorie. Damit machte er die künstliche Düngung von Pflanzen möglich. Eine revolutionäre Erfindung, die weltweit Beachtung fand, von der Industrie aufgegriffen wurde und die Landwirtschaft veränderte. Vor seinem Tod stellte von Liebig aber fest, „dass die Agrar-Chemie für unsere Natur problematisch ist“, meinte Appenzeller. Von Liebig widerrief seine Theorie, aber die Katze war aus dem Sack. 1920 begründete Dr. Rudolf Steiner die biologisch-dynamische Landwirtschaft.

 

Es wimmelt in gesunden Böden

 

Etwa 50.000 verschiedene Bodentiere gibt es in Europas Böden. Jedes hat seine Aufgabe, jedes seinen Platz, um den Boden fruchtbar zu erhalten. „Wie in einem Getriebe“, zog Appenzeller den Vergleich. So auch der Regenwurm. In gesunden Böden leben pro Quadratmeter dreihundert bis sechshundert Regenwürmer. Das fand der deutsche Bodenforscher Dr. Johannes Bauchhenß von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft heraus. Leider stellte er auch fest, dass in durchschnittlichen europäischen Böden nur mehr 30 Regenwürmer pro Quadratmeter vorkommen. Und: Auf konventionell bewirtschafteten Flächen gibt es weniger Regenwürmer als im Ökolandbau.

 

Dauerhumus speichert CO2

 

Fruchtbare Böden haben außerdem einen hohen Anteil an Dauerhumus. „Humus ist der größte CO2-Speicher“, so Appenzeller, „ein Prozent Humus speichert hundert Tonnen CO2“. Dadurch würden gesunde Böden dem Klimawandel aktiv entgegenwirken. Heutzutage hätten wir in Europa aber anstatt der früher üblichen vier bis acht Prozent Dauerhumus nur mehr etwa ein Prozent übrig. Appenzeller appelliert: „Es ist Zeit, dass wir wieder Humus aufbauen.“ Mit dem Wiederaufbau von Dauerhumus könnten die Bauern flächendeckend dem Klimawandel entgegenwirken, so Appenzeller. Genau das tut er als Bio-Bauer auf seinen Feldern.

 

Warum sich Dauerhumus abbaut

 

Zwei Hauptgründe führt Appenzeller ins Feld: den chemischen Pflanzenschutz und tiefe mechanische Bodenbearbeitung.

 

Chemischer Pflanzenschutz zerstöre den Dauerhumus, weil er die Quarz-Kohlenstoff-Verklebung auflöse, die den Dauerhumus bilde. Er zerfalle somit in seine Bestandteile, beschrieb Appenzeller. In der biologischen Landwirtschaft ist chemischer Pflanzenschutz und auch chemischer Pflanzendünger nicht erlaubt.

Den Boden mechanisch zu bearbeiten, ist etwas, das die Menschen seit langem tun. Sie pflügen ihre Felder. Die Pflugscharren der Pferde- und Ochsengespanne gruben den Boden nur oberflächlich um. Heute pflügt man tief – bei etwa zwanzig bis dreißig Zentimetern. Das sei einerseits schlecht für den Wurm, anderseits komme Sauerstoff tiefer in den Boden. Nährstoffe aus dem Dauerhumus würden dadurch oxidieren. „Vordergründig puscht diese Methode die Böden, langfristig zerstören wir den Dauerhumus.“

 

UNO nimmt sich dem Boden an

 

Hoffnungsvoll stimmt ihn die Arbeit der UNO, die auf politischer Ebene für mehr Verständnis für den Zusammenhang zwischen Klima und Boden wirbt. Denn auch der Bodenverbrauch in Österreich durch Verbauung ist groß – 22 Hektar sind es täglich. Das ist die Fläche eines durchschnittlichen österreichischen Bauernhofes.

 

Schöpfungsverantwortung übernehmen

 

Jede/r Einzelne könne außerdem im Kleinen tun, was möglich sei: mit Öffis fahren, Kunststoffverpackungen meiden, Energie sparen, Umweltorganisationen unterstützten und biologisch einkaufen. Appenzeller: „Als Bio-Bauer muss ich aber auch sagen: Bio ist nicht perfekt. Es ist in der Entwicklung. Aber es ist besser als die konventionelle Landwirtschaft.“

 

Für Appenzeller jedenfalls gehören Schöpfungsverantwortung und soziale Verantwortung zusammen. Damit dürfte er auf einer Linie mit Papst Franziskus sein, der in seinen Ansprachen wiederholt die Schädigung der Natur durch den Menschen beklagte. Der Erscheinungstermin der geplanten Umwelt-Enzyklika des Papstes vor der Sommerpause ist nicht zufällig gewählt. Franziskus hat dabei auch die nächste UN-Klimakonferenz im Blick, die vom 30. November bis 11. Dezember 2015 in Paris stattfindet.

 

Der Erlös der Veranstaltung ging an ARGE Schöpfungsverantwortung, eine ökosoziale Bewegung in der Katholischen Kirche.


Appenzeller, Maria (ma)

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