Samstag 23. Juni 2018

Flucht nach Österreich – Frauen erzählen

Ein bewegender Abend, an dem vier Migrantinnen ihre Geschichte erzählten.

Welche Sorgen, Erwartungen und Ängste Menschen auf der Flucht nach Österreich haben, erzählten vier Frauen auf berührende Weise in der Pfarre Wels-St. Franziskus.

Die Katholische Frauenbewegung der Pfarre Wels-St. Franziskus hatte am 14. April 2015 zu einem bewegenden Abend geladen. Vier Frauen aus Afghanistan, Syrien und dem Iran erzählten über ihren Weg nach Österreich. Es waren sehr authentische Berichte, geprägt von einem unbändigen Wunsch nach Freiheit und dem Recht auf ein eigenes, selbstbestimmtes Leben für sich und die eigene Familie.

 

Den Beginn machte Akilah× – eine Frau aus Syrien, die sehr treffend sagte über vier Jahre Bürgerkrieg: „Das Schlimmste in Damaskus nach vier Jahren Krieg ist der Mangel an Menschlichkeit. Aus Freunden und Nachbarn wurden misstrauische Menschen, ja manchmal sogar Feinde.“ Der Beweggrund, zu fliehen und alles hinter sich zu lassen, war die Angst um die beiden Kinder und der große Wunsch, sie mögen in Frieden aufwachsen können. Auf die Frage, was für sie hilfreich war in Österreich, die einfache und doch sehr bewegende Antwort: „Menschen, die mit mir Deutsch gelernt haben und die ihre sozialen Kontakte eingesetzt haben.“

 

Die nächste Geschichte wurde von zwei Schwestern – Nesrin× und Riana× aus dem Iran erzählt. Beide sind als streng gläubige Muslimas aufgewachsen und haben bereits in jungen Jahren einen unbändigen Willen zur Freiheit für das eigene Leben entwickelt. Sie lernten im Iran das Christentum kennen und Nesrin× sagt: „Ich habe gespürt, dass das mein Weg zu Gott ist. Ich war im Iran in einer Hauskirche, die verraten wurde. Weil ich vom Islam zum Christentum konvertiert bin, konnte ich nicht in meinem Heimatland bleiben.“ Gemeinsam mit ihrer Schwester wurde sie von einem Schlepper in die Türkei und weiter dann nach Österreich gebracht.

 

Besonders Riana× beschreibt in sehr einprägsamen Worten das Leben als Flüchtling und den unbändigen Wunsch, etwas zu arbeiten, etwas Sinnvolles zu tun. Sie sagt: „Die zwei Jahre im Asylheim waren schlimm für mich: Enge, Stress, Streit und Gewalt.“ Und auf die Frage nach dem Kontakt zu den Eltern und Geschwistern: „Ich habe hier in Österreich geweint, meine Mama hat im Iran geweint.“

 

Zum Abschluss erzählte Semira× in lebendiger und chronologischer Form von ihrer mühseligen Flucht aus Afghanistan. Als junges Mädchen ging sie zur Schule, obwohl sie dafür immer wieder von ihrem Vater geschlagen wurde. Mit 15 Jahren wurde sie ihrem Cousin versprochen, den sie auf keinen Fall heiraten wollte. Das Glück meinte es jedoch gut mit ihr, denn eines Tages kam ein junger Mann auf Besuch und sie verliebte sich in ihn und er in sie. Schon kurz darauf packte sie einige wenige Sachen in eine Tasche und floh mit ihm. Sie heirateten überstürzt und er brachte sie zu seiner Familie, doch dort wurde sie nicht aufgenommen und so entschieden sich die beiden jungen Menschen, in den Iran zu fliehen, um dort als Familie leben zu können. Zu dem Zeitpunkt hatten sie bereits ein zweijähriges Kind. Die vier Jahre im Iran gestalteten sich sehr mühevoll und dazu kam eine schwere Krankheit ihres Mannes und Übergriffe aus der Ursprungsfamilie von Semira×. Das zwang sie wiederum zur Flucht – ihr Ziel war Europa. Sie vertrauten sich einem Schlepper an und mussten viele Male viele Kilometer durch unwegsames Gelände gehen, in ein Schlauchboot steigen und einen Fluss mit starker Strömung überqueren. Angst war ein ständiger Begleiter. Sie wurden auch immer wieder von der Polizei aufgegriffen; das verzögerte die Flucht, doch der Wille, frei zu sein, war stärker und so setzten sie beständig ihren Weg fort über Mazedonien nach Serbien und zu guter Letzt nach Österreich.

 

Über ihre Ankunft in Österreich sagte sie eindrucksvoll: „Angekommen in Österreich wusste ich: Jetzt bin ich als Frau endlich ein Mensch. Ich bin frei!“ Doch auch hier hatte die Mühsal noch kein Ende und nach der körperlichen und seelischen Anstrengung der Flucht folgten körperliche Reaktionen wie Tinnitus, depressive Stimmungen und andere körperliche Beschwerden. Ein zweites Kind kündigte sich an und das führte Semira× Schritt für Schritt zurück ins Leben. Als lebensfrohe und optimistische Frau von 28 Jahren sagte sie zum Schluss den wohl prägendsten Satz des Abends „Schlepper sind für uns Engel!“ – und alle stimmten ihr zu.

 

Ein bewegender Abend, an dem vier Migrantinnen ihre Geschichte erzählten.

Ein bewegender Abend, an dem vier Migrantinnen ihre Geschichte erzählten. © Pfarre Wels-St. Franziskus

 

Allen Geschichten gemeinsam war die Dramatik und Gefahr. Die immense psychische Belastung der lange dauernden Asylverfahren zeigt sich auch vielfach in gesundheitlichen Problemen. Beeindruckend waren der große Lebenswille der Frauen und ihre Sehnsucht nach Freiheit.

 

Die Migrantinnen wünschen sich, dass sie akzeptiert werden als Menschen mit Freuden und Sorgen und dass ihnen Vertrauen entgegengebracht wird. Sie sprachen nach 1 bis 3 Jahren hier in Österreich alle gut Deutsch.

 

×Namen geändert

 

Gabriele Haas / Kath. Frauenbewegung Pfarre Wels-St. Franziskus (be)

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