Gottesdienst für (Jubel-)Paare im Mariendom Linz
Die Katholische Kirche in Oberösterreich lädt alljährlich zu einem Festgottesdienst für Paare ein, die ein rundes Ehejubiläum oder einen anderen Anlass zum Feiern haben. Gemeinsam mit mehr als 50 Paaren aus allen Regionen Oberösterreichs feierte Bischof Manfred Scheuer den Gottesdienst im Linzer Mariendom. Der Gottesdienst stand unter dem Thema „Einander anvertraut“. Ein besonders berührender Moment: Die einzelnen Paare wurden von Bischof Manfred Scheuer, der Pastoralvorständin der Pfarre Linz-Mitte Monika Weilguni und Beziehungs-, Ehe- und Familienseelsorger Josef Lugmayr gesegnet.

Mehr als 50 Paare aus ganz Oberösterreich feierten einen Festgottesdienst im Linzer Mariendom. / © Diözese Linz / Thomas Markowetz
Die Feier wurde von der Fachstelle Beziehungs-, Ehe- und Familienpastoral vorbereitet und organisiert. Josef Lugmayr, Beziehungs-, Ehe- und Familienseelsorger der Diözese Linz, der aufgrund seiner Pensionierung heuer zum letzten Mal mitfeierte, sagt: „Menschen in ihrer Beziehung zu begleiten ist unser Auftrag in der Familienpastoral. Der Segen Gottes ist Paaren wichtig, wenn sie heiraten und auch wenn sie ein besonderes Jubiläum ihrer Beziehung feiern. Im Dom können sie mit anderen Paaren feierlich ihre gemeinsame Zeit vor Gott tragen und sich den Segen zusprechen lassen.“
Bischof Manfred Scheuer: Kein Rezept für die Liebe, aber Hoffnung auf Gelingen
Bischof Manfred Scheuer stellte in seiner Predigt die Liebe als Geschenk und Geheimnis in den Mittelpunkt. Hinter dem Wunsch nach einer lebenslangen, erfüllenden Partnerschaft stehe das Bewusstsein, dass Liebe nicht einfach gemacht oder garantiert werden könne. Trotz aller Bemühungen und guten Vorsätze bleibe sie unverfügbar. Wörtlich verwies Scheuer darauf, dass die Liebe zweier Menschen „stets auch ein Geheimnis“ sei, „das alle Regeln und alles Machbare transzendiert“. Aufgabe der Partnerinnen und Partner sei es, den Boden dafür zu bereiten, dass Liebe, Zuneigung und Zärtlichkeit wachsen können.
In diesem Zusammenhang wandte sich der Bischof auch gegen die Vorstellung, für eine glückliche Ehe gebe es ein einfaches Rezept. Die häufig gestellte Frage nach dem „Rezept für eine gelungene Ehe“ greife zu kurz, weil sie suggeriere, man müsse nur die richtigen Zutaten zusammenfügen, um dauerhaftes Glück zu erreichen. Zwar gebe es hilfreiche Haltungen und gemeinsame Erfahrungen, die Beziehungen stärken, doch jede Ehe sei von unterschiedlichen Lebensgeschichten, Prägungen und Umständen bestimmt. Das Gelingen einer Partnerschaft lasse sich daher nicht nach einem festen Schema herstellen.

Predigt Bischof Manfred Scheuer. / © Diözese Linz / Thomas Markowetz
Beim ehelichen Ja-Wort eröffne sich nach den Worten Scheuers zugleich eine Dimension der Hoffnung, die über die Beziehung zweier Menschen hinausweise. Wer das Sakrament der Ehe eingehe, erkenne an, dass das Gelingen des gemeinsamen Lebens nicht ausschließlich in den eigenen Händen liege. Das Ja vor Gott sei auch ein Ausdruck des Vertrauens darauf, dass Liebe wachsen und getragen werden könne. Es beinhalte die Hoffnung, dass menschliche Möglichkeiten nicht das letzte Wort haben. Scheuer unterstrich diesen Gedanken mit den Worten: „Eheliche Liebe ist zutiefst hoffende Liebe. Sie hofft darauf, dass die letzte Lebensfülle von Gott kommt.“
Der Bischof verwies zudem auf die Überlegungen des Ehe- und Familienberaters Markus Wonka, der drei Haltungen einer hoffenden Liebe beschreibt: eine ernsthafte Gelassenheit, die offen bleibt für die Veränderungen und Herausforderungen des Beziehungsalltags; die Annahme des nicht Perfekten, die um die Unvollkommenheit des Lebens weiß, ohne zu resignieren; sowie die Haltung des Abschieds, die Veränderungen, Loslassen und Wandlungsprozesse als Teil jeder langen Beziehung begreift. Diese Haltungen seien Ausdruck einer Hoffnung, die nicht auf Perfektion setzt, sondern auf ein gemeinsames Wachsen durch die verschiedenen Phasen des Lebens.
Segen für den weiteren gemeinsamen Weg
Beim Festgottesdienst erneuerten die Paare ihr Eheversprechen, sie wurden einzeln gesegnet, konnten anregende Impulse für ihre Beziehung mitnehmen und gingen gestärkt aus dem Gottesdienst. „Wir haben uns gegenseitig zugesagt, dass wir einander mögen und auch weiter miteinander unterwegs sein wollen. Und dazu haben wir den Segen Gottes zugesagt bekommen.“, sagte eine Teilnehmerin aus dem Mühlviertel, die 50 Jahre mit ihrem Mann verheiratet ist. „Mit dem Bischof und den Paaren aus ganz OÖ zu feiern, war ein erhebendes Erlebnis. Ich war gerührt und bin dankbar“, ergänzte ihr Mann.

Josef Lugmayr segnet die Jubelpaare. / © Diözese Linz / Thomas Markowetz
Der Bürgermeister von Engerwitzdorf, Christoph Meisinger, war mit seinen Eltern, die 65 Jahre miteinander verheiratet sind (eisernes Hochzeitsjubiläum) und mit 4 weiteren Paaren aus seiner Gemeinde beim Gottesdienst. „Es ist gut, wenn wir für Paare und gelingende Beziehungen etwas tun. Das kann ich nur unterstützen und ich freue mich, dass es dieses Angebot für Jubelpaare im Dom gibt. Danke dafür.“
„Es war eine sehr schöne und bewegende Feier mit unserem Herrn Bischof. Als Mesner von St. Florian habe ich mit meiner Frau Christl die Liturgie sehr bewusst mitgefeiert, die im Dom der Diözese Linz etwas Besonderes ist.“, sagt Georg Windtner, der mit seiner Gattin das 60-jährige Hochzeitsjubiläum feiert.
Die Jubelpaare waren im Anschluss an die Feier von der Diözese auch zu einer Domführung eingeladen. Viele Paare nutzten die Gelegenheit, den Dom bei dieser speziellen Führung kennenzulernen. „In der Bischofskirche unser Jubiläum zu feiern war erhebend und sehr feierlich. Wir haben auch viele neue Sachen über den Dom erfahren und fahren mit vielen schönen Eindrücken nach Hause“, sagte ein Ehepaar nach der Führung.
Geerdeter Theologe mit wachem Blick für die Nöte der Menschen
Für Josef Lugmayr war der heurige Gottesdienst der letzte, den er als Beziehungs-, Ehe- und Familienseelsorger mitgestaltet und begleitet hat. Knapp 40 Jahre hat sich Lugmayr in der Diözese Linz engagiert: ab 1987 als Pastoralassistent in St. Georgen an der Gusen, ab 1998 im Diözesanhaus als Diözesansekretär und Abteilungsleiter der Katholischen Männerbewegung, ab 2012 als Abteilungsleiter bei BEZIEHUNGLEBEN.AT und seit 2023 als Leiter des in der neuen Struktur geschaffenen Teams Männer, Generationen und Familie. Sechs Jahre lang, seit 2020, war er der diözesane Beziehungs-, Ehe- und Familienseelsorger. Nun verabschiedet sich Josef Lugmayr in den Ruhestand.

Bischof Manfred Scheuer bedankte sich für das langjährige Engagement von Josef Lugmayr. / © Diözese Linz / Thomas Markowetz.
Bischof Manfred Scheuer würdigte Lugmayr mit herzlichen Worten als Menschen, „der die Menschen mag, der sich freuen kann für andere, der zuhört, anpackt und über den Tellerrand schaut“. Lugmayr sei ein geerdeter Theologe, der besonnen und reflektiert für eine offene und menschenfreundliche Kirche einstehe. Er, Scheuer, schätze Lugmayr für dessen Bodenständigkeit, seine Gabe, andere aufzubauen, und für seinen wachen Blick für die Nöte und Anliegen von Menschen in ihren ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. „Du hast in allen deinen Arbeitsfeldern vermittelt, was die Kirche auszeichnen soll: die Freuden und Hoffnungen, die Trauer und Ängste der Menschen wahrzunehmen und zu teilen“, so der Bischof.
Lugmayr selbst blickt vor seiner Pensionierung dankbar auf seine Tätigkeit in der Diözese Linz zurück. „Der Dienst an gelingenden Beziehungen war für mich nicht nur eine berufliche Arbeit, sondern auch eine erfüllende Freude und sinnvolle Tätigkeit“, sagt er.
© Diözese Linz / Thomas Markowetz.
Fachstelle Beziehungs-, Ehe- und Familienpastoral
Die Katholische Kirche in OÖ unterstützt das Gelingen von Beziehungen in vielfältiger Weise und mit verschiedenen Angeboten. Die Fachstelle Beziehungs- Ehe- und Familienpastoral organisiert die Partnerkurse für Brautpaare, macht Angebote für Väter und Mütter in der Lebensphase der heranwachsenden Kinder (Elternbriefe und punktuelle Bildungsangebote für Paare) und zum Feiern der Beziehung (Segensfeiern zum Valentinstag, Gottesdienste für Jubelpaare).
Weiters wird an 26 Familienberatungsstellen in ganz Oberösterreich ein hochwertiges Beratungsangebot für Paare, Familien und Einzelpersonen in verschiedensten Anliegen und Problemstellungen angeboten.
„Es ist uns wichtig, Paare in allen Lebenssituationen zu begleiten: Wenn es einen Anlass zum Feiern gibt, freuen wir uns und feiern mit ihnen, wenn die Beziehung einmal in einer Krise ist, begleiten wir sie durch ein gutes Beratungsangebot“, so Josef Lugmayr über das breite Aufgabenfeld in der Beziehungs-, Ehe-, und Familienpastoral und die Familienberatung.







