Sieben neue Kulturgutpfleger:innen in der Diözese Linz
Ihre Arbeit reicht von der Reinigung und Pflege der Kelche bis zum richtigen Lüften, damit die Ausstattung der Kirche keinen Schaden nimmt. 1500 Ehrenamtliche achten in der Katholischen Kirche in Oberösterreich auf die rund 130.000 wertvollen Kunstschätze, die in Kirchen aufbewahrt werden. 321 von ihnen haben sich ihr Wissen im Lehrgang Kulturgutpflege, der vom Fachbereich Kunst der Diözese Linz angeboten wird, angeeignet.
„Kulturgutpflege ist Pflege von Geschichte, Glaube und Identität einer Pfarrgemeinde sowie an der Gesellschaft und nicht zuletzt an einem selbst“, sagt Diözesankonservatorin und Fachbereichsleiterin Ulrike Parzmair-Pfau. „Auf den Schultern der eigenen Geschichte wird die Zukunft gestaltet. Die Absolvent:innen des Lehrgangs Kulturgutpflege sind die ersten Ansprechpersonen zu den Kunstobjekten der Pfarrgemeinden und sorgen sich – in Abstimmung mit uns – um die Kulturgüter ihrer Pfarrgemeinde.“
Die Kulturgutpfleger:innen kümmern sich um die Kunstschätze der Pfarrgemeinden, indem sie ein achtsames Auge auf ihren Zustand haben: Sie kontrollieren, ob Holzwurmbefall bei den Altären auftritt, reparieren kleine Schäden und achten auf die sorgsame Lagerung. Sie pflegen und reinigen Kelche, entfernen Kerzenwachs von den historischen Leuchten und betreuen das Kunstdepot ihrer Pfarrgemeinde. Nach dem Lehrgang verfügen sie über Wissen zur Wartung und Pflege der Objekte. Sollte professionelle Hilfe benötigt werden, treten sie mit dem Fachbereich Kunst in Kontakt. Dort werden erfahrene Handwerker:innen und Restaurator:innen vermittelt.
Kulturgutpfleger:innen mit Herz und Seele
Manfred Weilguni ist einer der ausgebildeten Kulturgutpfleger:innen. Mit Engagement und Umsicht trägt der 80-Jährige Sorge für die Erhaltung der Kulturgüter der Pfarre Hagenberg im Mühlkreis. So etwa betreute er die im Jahr 2025 abgeschlossene Renovierung der Schlosskapelle in unzähligen ehrenamtlichen Stunden und fertigte nach Entwürfen des Künstlers Edgar Lissel die neuen Ausstattungselemente im Altarraum. Zuletzt arbeitete der frühere Pfarrgemeinderatsobmann an einem Kunstdepot in der Empore der Schlosskapelle. Fachlich begleiten und unterstützen ihn dabei die Mitarbeiter:innen des Fachbereichs Kunst der Diözese Linz. „Kulturgutpflege ist eine wichtige, aber auch eine schöne Aufgabe“, sagt Weilguni. Daher habe er auch den vom Fachbereich angebotenen Lehrgang Kulturpflege absolviert. Bei der Ausbildung erfahre man, dass mit relativ einfachen Mitteln, die so schönen und wertvollen Kunst- und Kulturgüter vor Ort gepflegt, aufbewahrt und archiviert werden können.

Manfred Weilguni ist Kulturgutpfleger in Hagenberg im Mühlkreis. Mit Engagement und Umsicht trägt er Sorge für die Erhaltung der Kulturgüter der Pfarre. © Diözese Linz / Bruno Fröhlich
In der Pfarre Wippenham hat Ernestine Lehrer ein wachsames Auge auf die Kunstschätze. Die 62-jährige Steinmetzmeisterin koordinierte als Obfrau des Pfarrgemeinderates zwischen 2014 und 2024 die Innenrenovierung der gotischen Kirche mit Barockausstattung und die künstlerische Neugestaltung des Altarraumes. Nun trägt sie Sorge für dessen Erhaltung und leistet damit einen außerordentlichen Beitrag zum gesellschaftlichen, kulturellen und kirchlichen Leben der Gemeinde. Unterstützt wird sie vom Fachbereich Kunst der Diözese Linz. Viel Wissen eignete sie sich dabei auch bei den Seminaren des Lehrgangs Kulturgutpflege an. „Es ist mir wichtig, die Kunstschätze in unserer Pfarrkirche zu erhalten“, sagt Lehrer. Dies sei „ein Zeichen des Respekts gegenüber den Generationen vor uns, die in schwierigen Zeiten die Kirche errichtet, erhalten und – wie bei uns in Wippenham – vor Jahrhunderten auch gegenüber Plünderungen verteidigt haben“.

Ernestine Lehrer, Obfrau des Pfarrgemeinderates, hat die Arbeiten für die Innenrenovierung der gotischen Kirche mit ihrer eindrucksvollen Barockausstattung sowie die künstlerische Neugestaltung des Altarraumes koordiniert und trägt Sorge für dessen Erhaltung. © Diözese Linz / Foto: Anton Planitzer
Einzigartiger Lehrgang vermittelt Wissen
Ihre fachliche Kompetenz erhalten Oberösterreichs Kulturgutpfleger:innen im österreichweit einzigartigen Lehrgang Kulturgutpflege, der vom Fachbereich Kunst der Diözese Linz angeboten wird. Dieser lehrt seit 1997 Menschen, die sich ehrenamtlich und sinnstiftend in Pfarren engagieren möchten und an Kunst interessiert sind, praktisches Know-how im Umgang mit Kunstgegenständen. Der Lehrgang wird in Kooperation mit der Katholischen Privatuniversität Linz (KU) und dem Institut für Geschichte und Theorie der Architektur durchgeführt. Er besteht aus 7 Modulen: Zwei davon sind verpflichtend („Restaurierung und Denkmalpflege“ sowie „Zeitgenössische Kunst und Liturgie“), vier weitere frei wählbar, zwei davon müssen absolviert werden. Als Abschluss erhalten die Teilnehmer:innen ein Zertifikat.
7 neue Kulturgutpfleger:innen: Zertifikatsverleihung in Pollham
Am 3. Oktober 2026 fand in Pollham im Bezirk Grieskirchen im Rahmen des Jahrestreffens der Kulturgutpfleger:innen die Zertifikatsverleihung an die Absolvent:innen des diesjährigen Lehrgangs statt. Erfolgreich abgeschlossen haben:
- Anna Kohler, Kulturgutpflegerin in der Pfarrgemeinde Gunskirchen
- Karl Stöttinger, Kulturgutpfleger in der Pfarrgemeinde Pucking
- Erna Dullinger, Kulturgutpflegerin in der Pfarrgemeinde Vichtenstein
- Peter Ludwig, Gramastetten
- Veronika Wolf, Kulturgutpflegerin in der Pfarrgemeinde Vichtenstein
- Theresa Eschelbeck, Fachbereich Kunst
- Martin Niederleitner, Verwaltungsvorstand Pfarre Pramtal

Zertifikatsverleihung (v. l.): Ulrike Parzmair-Pfau, Diözesankonservatorin, Leiterin FB Kunst; Anna Kohler, Karl Stöttinger, Erna Dullinger, Peter Ludwig, Veronika Wolf, Theresa Eschelbeck, Fachbereich Kunst; Andreas Kaltseis, Leiter Bereich Bildung und Kultur. (Nicht am Bild: Martin Niederleitner) © Diözese Linz / Judith Wimmer
Die Zertifikatsverleihung findet jeweils in einer anderen Region in Oberösterreich statt und ist als Jahrestreffen zugleich eine Plattform für Austausch und Gespräch. Mit der Wahl des Ortes wird auch ein gelungenes Beispiel für eine Renovierung und Neugestaltung in den Blick genommen – wie in Pollham. Die Pfarrkirche Pollham ist mit ihrem Kirchenraum ein eindrucksvolles Beispiel von Architektur und Ausstattung aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts.
Im Zuge der Innenrenovierung gestaltete die international renommierte Künstlerin Judith Fegerl den Altarraum, den Taufort sowie ein eigenes Bezugssystem im Boden. Dafür wählte sie Birnenholz und Messing. Ihrem Konzept liegt der Wunsch nach größtmöglicher Flexibilität zugrunde. Das Projekt zeigt, wie wichtig Offenheit für Neues und künstlerische Qualität im Sinne einer Veränderung sakraler Räume und ihrer Nutzung, die über liturgische Feiern hinausgeht, sind.
Im Gespräch mit Diakon Wolfgang Froschauer, Pfarrgemeinderatsobfrau Helga Hofer und der Künstlerin Judith Fegerl wurden einzelne Parameter der Gestaltung und des Entstehungsprozesses für die anwesenden Kulturgutpfleger:innen anschaulich erläutert. Zudem wurden viele Tipps aus der Praxis für gelingende Renovierungs- und Gestaltungsprozesse gegeben.
Beim anschließenden Imbiss im Pfarrheim gab es Gelegenheit zum Austausch. Anna Kohler, frischgebackene Kulturgutpflegerin und Mesnerin zweier Kirchen der Pfarrgemeinde Gunskirchen, freut sich, wenn die Arbeit der Kulturgutpfleger:innen in den Pfarrgemeinden sichtbar wird: „Beim Lehrgang lernt man den sorgfältigen und fachgerechten Umgang mit Kunstgegenständen. Die Seminare waren für mich eine Bereicherung. Ich freue mich, dass ich aus meiner Generation etwas für die nächste Generation weitergeben und einen kulturellen Beitrag leisten kann.“
Der nächste Lehrgang Kulturgutpflege 2027 startet am 12. März mit dem Praxismodul „Reinigung und Pflege im Kirchenraum“.
Anmeldung, Detailprogramme und Auskünfte:
Diözese Linz, Fachbereich Kunst
Rudigierstraße 10, 4020 Linz
05/1785-4520 oder







