Dienstag 22. September 2026

Landeserntedankfest: Auch für magere Ernten danken

Zu einem von Solidarität geprägten Erntedank hat Bischof Manfred Scheuer am 20. September 2026 beim Landeserntedankfest aufgerufen. Im Linzer Mariendom feierten mehr als 2.000 Menschen gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer OÖ, der OÖ Bäuerinnenorganisation und der Dompfarre.

Angesichts des von Dürre und Hitze geprägten Sommers 2026 verdiene die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern besondere Wertschätzung, zugleich brauche es Verantwortung der Konsumentinnen und Konsumenten sowie einen sorgsamen Umgang mit der Schöpfung, sagte Bischof Manfred Scheuer in seiner Predigt. 

 

Der Dürresommer habe tiefe Spuren hinterlassen, bemerkte der Bischof. Erntedank werde deshalb heuer mit anderen Gefühlen als in vielen Jahren zuvor gefeiert. „Viele Felder sind ausgetrocknet, Wiesen brachten zu wenig Futter hervor, Hausgärten verdorrten, Bäche und Flüsse führten kaum noch Wasser." Hinter den Zahlen und Ernteeinbußen stünden Bäuerinnen und Bauern, die mit schwierigen Situationen konfrontiert seien. Es gehe auch um die wirtschaftliche Zukunft der Betriebe und die Frage, was umgestellt und neu gedacht werden müsse.

 

Landeserntedankfest: Auch für magere Ernten danken
V. l.:  Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger, Landwirtschaftskammer-OÖ-Präsident Franz Waldenberger, Landeshauptmann Thomas Stelzer, LK-Vizepräsidentin Rosemarie Ferstl, Bischof Manfred Scheuer © LK OÖ

 

Danke sagen für die Kräfte der Menschen, denZusammenhalt und die Solidarität

 

Trotz der schwierigen Bedingungen könne am Erntedankfest Dankbarkeit stehen. „Nicht für alles, was geschehen ist. Aber für alles, was trotz der Schwierigkeiten gewachsen ist", sagte Bischof Scheuer. Gedankt werden könne für die Kräfte der Menschen, den Zusammenhalt in den Gemeinden und die Solidarität unter den Landwirtinnen und Landwirten. Erntedank sei immer auch ein „Fest der Unverfügbarkeit", so der Bischof weiter. Trotz Wissen, Fleiß, technischer Weiterentwicklungen und besserer Prognosemöglichkeiten bleibe die Landwirtschaft von den Kräften der Natur abhängig. „Letztendlich bleibt es außerhalb des unmittelbar Beeinflussbaren."

 

Die Arbeit der Landwirte bezeichnete der Bischof als grundlegenden Dienst für die Lebenskultur und das Gemeinwohl. Bäuerinnen und Bauern sorgten für Nahrung, pflegten die Kulturlandschaft und entwickelten durch ihre Arbeit mit Boden, Pflanzen, Tieren und Wäldern ein besonderes Gespür für die Schöpfung.

 

Die dafür gebührende Anerkennung und Wertschätzung müsse sich auch beim Konsum zeigen. Scheuer verwies auf Lebensmittelverschwendung, Produktionsstandards, Transportwege und die Frage eines fairen Preises. Wer regionale Produkte kaufe, handle solidarisch mit der heimischen Landwirtschaft. Zugleich verwies Scheuer auf die Anpassungsleistungen der Land- und Forstwirtschaft angesichts der klimatischen Veränderungen. Bäuerinnen und Bauern seien vielfach die Ersten, die Veränderungen in der Natur wahrnähmen. Sie seien zu Flexibilität und Innovation gezwungen. Dafür brauche es auch „bestmögliche Unterstützung von der öffentlichen Hand".

 

Weiters verwies Bischof Scheuer auch auf die enge Verbindung von Arbeit, Landwirtschaft und christlichem Glauben. In der Bibel werde Gott unter anderem als Gärtner, Töpfer, Baumeister, Arzt und Lehrer beschrieben. Auch Jesus habe in seinen Gleichnissen immer wieder Bilder aus der bäuerlichen Lebenswelt verwendet, etwa vom Sämann, vom Weizenkorn und vom Weinstock. Menschliche Arbeit könne als „Mitarbeit am Schöpferwerk" verstanden werden. „Wir leben das Mit-Schöpfer-Sein aus in Arbeit und Liebe", sagte Manfred Scheuer.

 

Predigt von Bischof Manfred Scheuer beim Landeserntedankfest zum Nachlesen

 

Bischof Manfred Scheuer
Gottedienst im Mariendom
Segnung der Erntekronen
Segnung der Erntekronen
Erntekrone
Erntekrone von Niederneukirchen

 

Für den festlichen Rahmen der Erntedankfeier sorgten die Erntekronen aus Micheldorf, Niederneukirchen und Perg. Nach dem Gottesdienst präsentierten mehr als 20 Direktvermarkter aus Oberösterreich ihre Produkte am Domplatz, und es gab Mitmachstationen der Seminarbäuerinnen, Musik und Brauchtum. Unter den Ehrengästen waren unter anderem Landeshauptmann Thomas Stelzer, Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger und Landesrätin Michaela Langer-Weninger.

 

Kathpress

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