Monday 5. October 2026

DJ „Padre Guilherme" begeistert in Mörbisch 5.000 Jugendliche

Wo sonst Operetten und Musicals erklingen, dominierte am 12. September 2026 in Mörbisch christlicher Techno: Der portugiesische Priester und DJ „Padre Guilherme" begeisterte 5.000 Jugendliche beim Festival „Cross Pulse Pannonia – The Sound of Hope".

Der Geistliche trat nach einem Gottesdienst und Workshops, Gesprächen, Anbetungen mit den Teilnehmenden ab 20.30 Uhr als Hauptact des Festivals auf der Seebühne auf. Padre Guilhermes Shows zeichnen sich durch sakrale Klänge mit elektronischer Tanzmusik, Videoelementen und Lichteffekten aus, die Menschenmengen zum Tanzen bringen. Seine umjubelten Auftritte beim Weltjugendtag 2023 in Lissabon und ein weiterer mit Papst Leo XIV. im Jahr 2025 machten ihn international bekannt.

 

Angetan von diesem gelungenen Versuch, „neue Wege in der Kirche im Burgenland zu gehen", zeigte sich anschließend auch der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics im Kathpress-Interview. Er hatte Padre Guilherme in Kosice (Slowakei) kennengelernt und für ein Techno-Event ins Burgenland eingeladen. Eine Fortsetzung dieses hierzulande noch wenig bekannten Veranstaltungsformats sei bereits für das kommende Jahr angedacht und geradezu „eine Verpflichtung".

 

DJ „Padre Guilherme' begeistert in Mörbisch 5.000 Jugendliche

Der portugiesische Priester und DJ „Padre Guilherme" begeisterte 5.000 Jugendliche auf der Seebühne Mörbisch beim Festival „Cross Pulse Pannonia - The Sound of Hope". © Kathpress / Paul Wuthe

 

Mörbisch solle nicht nur die Kultur- und Musikszene bespielen, sondern zur Evangelisierung beitragen, hofft der Bischof: „Von hier, im Herzen Europas, aus soll das Evangelium wieder neue Kraft gewinnen, vor allem die Jugend wollen wir mitnehmen." Von hier, wo früher der Eiserne Vorhang Europa durchschnitt, möge gemäß dem Festival-Motto „Sound of Hope" Hoffnung ausgehen, die gerade heute so dringend gebraucht werde. Zsifkovics verwies dazu auf die aus der Slowakei, aus Ungarn und aus Slowenien angereisten Gäste.

 

„Kirche darf laut, fröhlich und lebendig sein"

 

Ähnlich innovative Zugänge zum christlichen Glauben wie Padre Guilherme erschließt hierzulande Franziskanerpater Sandesh Manuel. Der indisch-österreichische Seelsorger, Rapper, Blogger und Maler lud vor dem Techno-Hauptact bei einer Messe mit rund 1000 Jugendlichen in Mörbisch dazu ein, sich immer wieder auf Neues einzulassen – ganz im Sinne des heiligen Franz von Assisi. „Entwicklung" bedeute dabei nicht, immer mehr anzuhäufen, sondern vielmehr, Verwicklungen zu entwirren und zurückzufinden zu dem, was wesentlich und einfach ist.

Dabei dürfe Kirche auch laut, fröhlich und lebendig sein, so P. Manuel. Gerade in einer Zeit, in der Menschen in Social-Media-Blasen oft nur noch das sehen, was sie ohnehin erwarten, brauche es Orte der Begegnung. Kirche müsse nicht immer von ernsten Gesichtern geprägt sein: Man dürfe lachen, klatschen und Freude zeigen, ermutigte der Ordensmann. Es gelte nicht: „Je trauriger man schaut, desto heiliger", sondern Heiligkeit zeige sich auch in einer befreienden Freude am Glauben.

 

Frohbotschaft auch nach „draußen" tragen

 

Der 52-jährige Techno-Padre Guilherme – eigentlich Guilherme Guimaraes Peixoto – nutzte seinen Besuch im Burgenland auch zu Gesprächen und Begegnungen. So besuchte er am Freitag die Gemeinschaft Cenacolo in Kleinfrauenhaid. Sie bietet jungen Menschen in Krisensituationen – besonders bei Drogenproblemen –  die Möglichkeit zu einem Neubeginn. „Die wahren Helden seid ihr. Ihr geht hier einen steinigen Weg und das ist beeindruckend", sprach Guilherme den jungen Bewohnern Mut zu.

 

Zu seinem eigenen Wirken erklärte der Techno-Padre, der hauptberuflich Pfarrer unweit von Braga und portugiesischer Militärseelsorger ist und eine DJ-Ausbildung in Porto absolvierte, dass er mittels elektronischer Tanzmusik den Kern der christlichen Botschaft vermitteln wolle: „Ganz im Sinn von Psalm 150 in der Bibel sollen wir alle Instrumente nützen, um Gott zu loben und zu preisen – auch mit Techno-Musik." Nach seinen Auftritten sollen die Leute glücklich nach Hause gehen, „dann können sie auch über die Message nachdenken", ergänzte der Priester. Aktuell folgen ihm 3,4 Millionen Menschen auf Instagram.

 

„Wir müssen unsere Arbeit in den Kirchen machen, aber wir müssen auch hinausgehen und Jesus und seine Botschaft zu den Menschen bringen", ist Padre Guilherme überzeugt: „Junge Menschen müssen stolz auf ihren Glauben sein, müssen stolz darauf sein, dass sie Christen sein dürfen."

 

„Kirche verträgt Haydn und Techno"

 

Auch für den Organisator des Festivals „Cross Pulse Pannonia – The Sound of Hope", Christian Jelicic, ist die Verbindung von Techno und Kirche kein Widerspruch: „Die Kirche ist groß genug für Techno und die Haydn-Messe", sagte er in einem Interview mit der Kooperationsredaktion der österreichischen Kirchenzeitungen. Es sei verfehlt zu meinen, „dass alles, was nicht mein Geschmack ist, automatisch nicht christlich ist." Es handle sich bei Guilhermes Musik um elektronische Tanzmusik, „genauer melodischen Techno der emotionalen Schule, nicht den harten, industriellen Technostil". Dabei würde dieser respektvoll sakrale Melodien in ein neues Klanggewand hüllen.

 

Kathpress

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