Schöpfungszeit: Michael Etlinger im Podcast der Ordensspitäler
Nachhaltigkeit im Spitalsalltag ist komplex, denn ein Krankenhausbett verbraucht so viel Energie wie mehrere Haushalte. Diagnostik, Lüftung, Sterilisation, Kühlung und vieles mehr machen Spitäler energietechnisch zu kleinen Städten. Umso wichtiger sind gezielte Maßnahmen, um den Ressourcenverbrauch zu senken. Und genau das geschieht: Die Ordensspitäler setzen an all ihren Standorten zahlreiche Nachhaltigkeitsprojekte um. Am Ordensklinikum Linz etwa brachte der Tausch alter Leuchten gegen LED-Technik eine gewaltige Energieeinsparung.
Ein Hebel, den Außenstehende kaum vermuten würden, liegt in den Operationssälen bei den Narkosegasen. „Da hat man lange Zeit nur geschaut, welche am besten wirken, und nicht darauf geachtet, welche Auswirkungen diese auf die Umwelt haben. Einige Mittel haben hohe CO₂-Äquivalente. In den letzten Jahren wurden sie durch weniger umweltbelastende Gase oder andere Verfahren ersetzt. Das hat einen großen Impact“, erklärt Michael Etlinger.
Nachhaltige Küche und Abfallreduktion als weitere Schwerpunkte
Ein weiterer wichtiger Bereich sind die Lebensmittel, denn in jedem Krankenhaus werden täglich unzählige Portionen für Patient:innen sowie Mitarbeitende zubereitet. Die Elisabethinen setzen auf die Vermeidung von Lebensmittelabfällen und eine möglichst regionale, nachhaltige Beschaffung. Gemeinsam mit den Franziskanerinnen von Vöcklabruck werden weitere Nachhaltigkeitsschwerpunkte vorangetrieben, etwa eine höhere Bio-Quote und eine konsequente Abfallreduktion. „Wir wissen, dass Ernährung einen ganz wesentlichen Beitrag zur Gesundheit der Menschen leistet. Uns ist eine möglichst nachhaltige und qualitativ sehr hochwertige Küche wichtig“, betont Etlinger.
Entscheidend bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten ist die Initiative der Mitarbeitenden: „Jeder versteht am besten, woran er arbeitet, und kann vor Ort am besten definieren, wo Einsparungs- und Verbesserungspotenziale liegen“, ist Etlinger überzeugt. „Und das ist, glaube ich, das Wichtigste: dass man auch weiterhin auf die Initiativen und die Ideen der Mitarbeitenden setzt.“
Nachhaltigkeit muss im Krankenhaus aber auch im Einklang mit der Sicherheit der Patient:innen stehen. Ein Beispiel dafür ist der Wasserverbrauch. „Gerade in diesem Sommer war es ein großes Thema, den Wasserverbrauch zu reduzieren. Aber gleichzeitig mussten wir durch Hygienespülungen der Wasserleitungen verhindern, dass sich Keime bilden. Das verbraucht Wasser, das ist uns bewusst, aber diesen Schritt müssen wir trotzdem gehen“, erklärt Etlinger, der künftig auf technische Lösungen hofft.
Ökumenische Schöpfungszeit mit Umweltschutz im Fokus
Ab 1. September machen die christlichen Kirchen in Österreich wieder auf die Dringlichkeit der Bewahrung der Schöpfung aufmerksam. Die ökumenische Schöpfungszeit mit Veranstaltungen, Gottesdiensten und Aktionen zum Thema Umwelt- und Klimaschutz endet am 4. Oktober, dem Fest des heiligen Franziskus. „Die Elisabethinen leben nach der Regel des heiligen Franziskus und die ist jetzt 800 Jahre alt. Dabei sind Themen wie Schöpfungsliebe und Schöpfungsverantwortung wichtige Bereiche“, so Etlinger.
Wie würde der heilige Franziskus wohl urteilen, wenn er heute einen Blick auf die Nachhaltigkeit werfen würde? „Der heilige Franziskus war ein sehr radikaler Mensch. Er wäre wahrscheinlich nicht zufrieden, auch wenn er es so vielleicht nicht sagen würde. Er hat hohe Ansprüche an sich selbst gestellt“, so Etlinger. „Aber genau an diesem Anspruch wollen wir uns ausrichten und uns ständig weiterentwickeln. Das ist für uns täglicher Ansporn.“
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