„GANZ OHR!“: Vorlesepat:innen-Ausbildung startet im Herbst
Vorlesen ist weit mehr als die Weitergabe einer Geschichte. Es unterstützt die sprachliche, geistige, soziale und emotionale Entwicklung von Kindern und schafft gleichzeitig Nähe, Vertrauen und gemeinsame Erlebnisse zwischen Kindern und Erwachsenen. Deshalb gehört regelmäßiges Vorlesen zu den wirksamsten und zugleich einfachsten Möglichkeiten, Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern.
2016 wurde von der SPIEGEL-Elternbildung und der Bibliotheksfachstelle das Projekt Vorlesepat:innen für Kinder ins Leben gerufen. 2023 kam auch der Ausbildungsbereich Vorlesen für Senior:innen in Kooperation mit SelbA (Selbständig im Alter) dazu. 12 Kurse wurden bislang abgehalten, 160 lesefreudige Personen zu Pat:innen ausgebildet. „Unsere Ausbildung richtet sich an alle, die mit Begeisterung vorlesen und dabei besondere Momente schaffen möchten“, sagt Stephanie Millinger, pädagogische Mitarbeiterin der SPIEGEL-Elternbildung. Bei den Teilnehmenden handelt es sich zum allergrößten Teil um Frauen – vor allem SelbA-Trainer:innen, Bibliothekarinnen, Kindergärtnerinnen, SPIEGEL-Eltern-Kind-Gruppenleiterinnen, Pädagoginnen, aber auch um interessierte Mütter und Großmütter.
Nicht vorrangig Sprache, sondern Leselust fördern
Der große Unterschied zu Angeboten anderer Organisationen, die ebenfalls Vorleser:innen ausbilden, sei, so Millinger, „dass bei uns die Lese- und Sprachförderung nicht im Vordergrund steht“. Vielmehr gehe es darum, eine qualitätsvolle Zeit miteinander zu haben und die Leselust zu fördern. „Die Teilnehmer:innen lernen in unseren Kursen, wie man die Begeisterung für Bücher und fürs Lesen übermittelt und wie man gemeinsam in Geschichten eintaucht. Unsere Teilnehmer:innen erfahren, wie sie mit Stimme, Sprache und Ausdruck für Jung und/oder Alt fesselnde Vorlesemomente gestalten können“, erklärt Millinger.

Die Vorlesepat:innen sind vorwiegend in Kinderbetreuungseinrichtungen im Einsatz, wie etwa in der Krabbelstube in Sipbachzell. © Krabbelstube Sipbachzell
Auch gibt es für die Absolvent:innen keine Verpflichtung, organisiert in Schulen, Kindergärten, etc. vorzulesen: Jeder, der Lust und Freude daran hat, anderen vorzulesen, kann an den Kursen teilnehmen. „Selbst Omas und Opas, die ausschließlich ihren Enkeln vorlesen wollen.“
Patin Monika Felber: „Schon kleine Veränderungen beim Lesen wecken die Begeisterung“
Eine der 158 ausgebildeten Vorlesepatinnen ist Monika Felber aus Tarsdorf. Die 46-jährige Krankenschwester hat im Herbst 2025 den Lehrgang „GANZ OHR!“ absolviert. Sie ist ehrenamtliche SPIEGEL-Eltern-Kind-Gruppenleiterin und – wie sie selbst sagt – ein richtiger Bücherwurm. Als Mutter eines fünfjährigen Sohnes, dem sie regelmäßig vorliest, weiß Monika Felber wie viel Abenteuer in Büchern stecken. Mittlerweile ist nicht nur daheim, sondern auch in der Spielgruppe eine Vorlesezeit für die Kinder fix eingeplant. „Ich liebe lesen und vorlesen“, sagt Felber, und mit dem Kurs habe sie auch das richtige Werkzeug in die Hand bekommen. „Wir haben zum Beispiel gelernt, wie bei Kindern nur dadurch die Begeisterung steigt, dass man beim Lesen Kleinigkeiten verändert – etwa Pausen macht, die Stimme verstellt, in die Mundart wechselt oder einer Figur einen Sprachfehler gibt“, sagt sie. Dadurch würden bei den jungen Zuhörer:innen Bilder im Kopf entstehen und die Spannung steige.

Monika Felber aus Tarsdorf ist eine der 158 Vorlesepat:innen. © Felber
Kindern und Senior:innen vorlesen: Ausbildungskur für Lesefreudige
Den Ausbildungslehrgang „GANZ OHR! Faszination Vorlesen“ gibt es seit vielen Jahren in ganz Österreich. Die Ausbildung besteht aus drei verpflichtenden Modulen. Im zweiten Modul gibt es eine Wahlmöglichkeit. Die Teilnehmenden können entweder die Settings und Methoden für Kinder oder jene für Senior:innen kennen lernen. „Es können aber auch beide Varianten besucht werden“, so Millinger.
In Oberösterreich gibt es aktuell sechs Kursleiter:innen. Diese vermitteln den Teilnehmer:innen wichtige Kernkompetenzen. Die künftigen Pat:innen erlenen Techniken und Methoden, die Geschichten für Kinder lebendig und unvergesslich machen (Erlebnisorientiertes Vorlesen), Grundkenntnisse darüber, welche Bücher für welche Altersstufen und Entwicklungsphasen am besten geeignet sind und lernen zu verstehen, wie Kinder Sprache aufnehmen und wie durch das Vorlesen die Neugier und das Selbstvertrauen gestärkt werden.

Elke Freudenthaler aus Reichenthal bei ihrer Abschlusspräsentation im Rahmen der Vorlesepat:innen-Ausbildung im Bildungshaus Greisinghof in Tragwein. © Diözese Linz / SPIEGEL
Nach dem Lehrgang können die Pat:innen sofort losstarten. Bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit werden sie nicht alleingelassen. Die Vorlesepat:innen sind in das regionale Netzwerk des Treffpunkt Ehrenamt eingebunden, zudem finden Austauschtreffen mit anderen Vorlesepat:innen statt.
13. Ausbildungslehrgang startet im Herbst 2026
Modul 1: Freitag, 9. Oktober 2026, 14.00 bis 20.30 Uhr
Samstag, 10. Oktober 2026, 9.00 bis 17.00 Uhr
Modul 2: Samstag, 7. November 2026, 9.00 bis 17.00 Uhr (Variante 1)
Samstag, 21. November 2026, 9.00 bis 17.00 Uhr (Variante 2)
Modul 3: Samstag, 16. Jänner 2027, 9.00 bis 16.00 Uhr
Ort: Bildungshaus Greisinghof, Tragwein
Anmeldung: T.:0732/7610-3221 oder M.: spiegel@dioezese-linz.at
Anmeldeschluss: 18. September 2026
Je nach Umfang der Ausbildung (ein Wahlmodul oder beide Wahlmodule) belaufen sich die Kurskosten zwischen 260 und 330 Euro. Für ehrenamtliche Mitarbeiter:innen des Katholischen Bildungswerkes gibt es Ermäßigungen.
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