Sonntag 4. Oktober 2026

Ein Jahr invita Ried: Ein Haus wächst zusammen

Vor einem Jahr hat das invita-Wohnhaus der Caritas am Franziskusweg in Ried seinen Betrieb aufgenommen. Heute leben dort 26 Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Für die Bewohner:innen ist das Haus ist ein Ort, der Stabilität und Gemeinschaft bietet.

Als Anfang Juli 2025 die ersten Bewohner:innen einzogen, war vieles neu. Ein neues Gebäude, ein neu zusammengestelltes Team und Menschen, die sich erst kennenlernen mussten. „Dass der Start eine Herausforderung wird, war mir bewusst", sagt Hausleiter Daniel Hinterleitner, der seit mehr als 30 Jahren im Sozialbereich tätig ist. „Umso mehr freut es mich, dass wir heute eine Gemeinschaft sind und in einen stabilen Alltag hineingefunden haben."

 

Ein Jahr invita Ried: Ein Haus wächst zusammen

Hausleiter Daniel Hinterleitner und Bewohnerin Brigitte Edinger © Caritas

 

Die frisch eingestellten Diplomkrankenpflegerinnen, Sozialpädagoginnen, Fachsozialbetreuer:innen und eine Ergotherapeutin wuchsen rasch zu einem multiprofessionellen Team zusammen. Gemeinsam begleiten sie Menschen mit psychischen Erkrankungen dabei, ihren Tag möglichst selbstbestimmt zu gestalten.

 

Individuelle Begleitung statt Betreuung nach Schema


Derzeit leben 26 Menschen im Wohnhaus. Sechs Bewohner:innen werden teilbetreut und gestalten ihren Alltag weitgehend eigenständig, 20 Menschen leben in drei vollbetreuten Wohngruppen. Viele von ihnen besuchen tagsüber die Arbeits- und Beschäftigungsangebote von pro mente in Ried.


„Bei uns steht nicht die Erkrankung im Mittelpunkt, sondern der Mensch. Wir unterstützen dort, wo Hilfe gebraucht wird, und fördern gleichzeitig die vorhandenen Fähigkeiten. Ziel ist es, Selbstständigkeit zu erhalten oder weiterzuentwickeln“, erklärt Hinterleitner, der ausgebildeter Behinderten- und Traumapädagoge ist.

 

Gemeinschaft entsteht im Alltag

 

Der Tagesablauf orientiert sich an den Bedürfnissen der Bewohner:innen. Ein Teil davon wird gemeinsam gestaltet – etwa die Mahlzeiten, Spaziergänge oder Ausflüge. Dann hat natürlich jede Person auch persönliche Termine, die je nach Bedarf begleitet werden. Auch gemeinsame Aktivitäten wie Gesellschafts- oder Kartenspiele bieten Raum für Begegnung und Austausch. Gerade diese kleinen gemeinsamen Momente schaffen Vertrauen und stärken das Zusammenleben.


Caritas-Mitarbeiterin Leah Kunesch weiß, wie wichtig ein gelungener Start ist. „Wenn jemand neu einzieht, lade ich die Person zuerst auf einen Kaffee ein. Manche erzählen sofort ihre Geschichte, andere brauchen mehr Zeit. Beides ist in Ordnung. Jeder Mensch kommt mit seiner eigenen Lebensgeschichte zu uns."


Auch die Bewohner;innen mussten sich erst als Gemeinschaft finden. „Für alle war es ein Neuanfang, der uns gut gelungen ist", sagt Leah Kunesch. „Menschen brauchen Zeit, um anzukommen und neue Beziehungen aufzubauen."

 

Ein Zuhause mit Platz für Mitgestaltung

 

Nicht nur das Team, auch die Bewohner:innen gestalten das Haus aktiv mit. Im Frühjahr wurde gemeinsam der Garten angelegt – ein Projekt, das Begegnungen schafft und das Wohnumfeld Schritt für Schritt wachsen lässt. Für Daniel Hinterleitner liegt genau darin die besondere Qualität des ersten Jahres: „Beim Aufbau eines neuen Hauses entsteht ein besonderer Spirit. Alle bringen ihre Ideen ein, um ein lebendiges Zuhause und funktionierende Alltagsstrukturen zu schaffen.“ Nach einem Jahr ist aus einem Neubau längst ein Zuhause geworden – ein Ort, an dem Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen Sicherheit finden, Beziehungen wachsen können und ein möglichst selbstbestimmtes Leben möglich wird.

 

Caritas OÖ


 

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