Mittwoch 24. Juni 2026

„Trilogie für Schönau“ am Kirchenplatz: Kunst als Symbol für den Lebensweg

Für den neuen Kirchenplatz in Schönau/Mkr. gestaltete die Künstlerin Judith Huemer drei Elemente. Die „Trilogie für Schönau“ nimmt Bezug auf die Etappen eines Lebensweges und verweist auf die Kirche als zentralen Ort und Kraftplatz.

Bereits vor mehr als zehn Jahren gab es die Absicht, den Platz vor der Pfarrkirche Schönau neu zu gestalten. Im Juni 2025 erfolgte schließlich der Startschuss zu den Umbauarbeiten, die Segnung und offizielle Eröffnung wurde mit einem Pfarrfest am 26. April 2026 gefeiert.

 

Ziel des Bauvorhabens war die Errichtung eines ökologisch zeitgemäßen, ansprechenden und vielseitig nutzbaren Kirchenplatzes für die Pfarre Schönau. Auch ein Kunstprojekt war geplant. Dazu wurde vom Fachbereich Kunst der Diözese Linz zusammen mit dem Verschönerungsverein und der Pfarre Schönau im Mühlkreis ein künstlerischer Wettbewerb ausgeschrieben, den Judith Huemer, Professorin an der Akademie der bildenden Künste in Wien und OÖ. Landeskulturpreisträgerin, für sich entscheiden konnte.

 

Trilogie für die Jakobskirche in Schönau

 

Die Pfarrkirche von Schönau im Mühlkreis ist ein historischer Ort mit Pilgertradition. In früheren Zeiten führte ein Pilgerweg von Nordeuropa über die Schönauer Jakobskirche nach Süden bis nach Santiago de Compostela in Nordspanien. In den letzten Jahren ist dieser spirituelle Weg wieder mit dem „Johannesweg“ verstärkt ins Bewusstsein gerückt.

 

Im Rahmen der Neugestaltung des Kirchenplatzes in Schönau im Mühlkreis gestaltete die aus Münzkirchen stammende Künstlerin Judith Huemer drei Interventionen/Elemente: die 'Trilogie für Schönau'

„Trilogie für Schönau": Judith Huemer schu die Kunstinstallation für den Kirchenplatz in Schönau im Mühlkreis. © Diözese Linz / Ulrich Kehrer

 

An diese Tradition knüpft die künstlerische Komposition von Judith Huemer an, die aus den drei Elementen Pilgerstab, Bodenlinie und Ellipse besteht. Die „Trilogie für Schönau“ symbolisiert den Lebensweg: aufbrechen und unterwegs sein, Sinn und spirituelle Richtung suchen, ankommen.

  • Pilgerstab: Stabilität und Richtung finden

Die Skulptur steht fest auf dem Boden – wie ein Wanderstab, der Halt gibt. Ihre fließende Form in Griffhöhe vermittelt Stabilität für den ungewissen Weg des Lebens. Die Skulptur weist himmelwärts und lässt den menschlichen Lebensweg zwischen Erdung und Spiritualität nachempfinden.

  • Bodenlinie: Die eigene Spur legen und sich sammeln

Am Festplatz vor dem Haupteingang der Kirche spiegelt sich die Skulptur als klare Bodenlinie wider. Die geschwungene Spur lädt ein, dem eigenen Weg intuitiv nachzuspüren, und ist zur Kirche ausgerichtet. Es entsteht eine Atmosphäre der Offenheit, Präsenz und Ruhe.

  • Ellipse: Einladung zu Ruhe und Andacht

Die Ellipse über dem Haupteingang zur Kirche vollendet den Bogen und symbolisiert Ganzheit, Einheit und Ewigkeit. Als drittes Element lädt sie zum Betreten der Kirche ein und zu Einkehr und Ruhe. „Kommt alle zu mir …“ (Mt 11,28) – diese Botschaft wird spürbar und weithin sichtbar.

 

Die „Trilogie für Schönau“ der Künstlerin Judith Huemer entstand im Auftrag des Verschönerungsvereins und Tourismusforums Schönau/Mühlkreis sowie der Pfarre Schönau im Mühlkreis und dem Fachbereich Kunst der Diözese Linz.
Technische Assistenz: Thomas Sandri, Produktion: Wolfgang Prohaska

 

Segnung: Trilogie für Schönau
Segnung: Trilogie für Schönau
Segnung: Trilogie für Schönau
Im Rahmen der Neugestaltung des Kirchenplatzes in Schönau im Mühlkreis gestaltete die aus Münzkirchen stammende Künstlerin Judith Huemer drei Interventionen/Elemente. Die „Trilogie für Schönau“ nimmt Bezug auf die Etappen eines Lebensweges.
Im Rahmen der Neugestaltung des Kirchenplatzes in Schönau im Mühlkreis gestaltete die aus Münzkirchen stammende Künstlerin Judith Huemer drei Interventionen/Elemente. Die „Trilogie für Schönau“ nimmt Bezug auf die Etappen eines Lebensweges.
Trilogie für Schönau; Judith Huemer, 2026
Im Rahmen der Neugestaltung des Kirchenplatzes in Schönau im Mühlkreis gestaltete die aus Münzkirchen stammende Künstlerin Judith Huemer drei Interventionen/Elemente. Die „Trilogie für Schönau“ nimmt Bezug auf die Etappen eines Lebensweges.
Im Rahmen der Neugestaltung des Kirchenplatzes in Schönau im Mühlkreis gestaltete die aus Münzkirchen stammende Künstlerin Judith Huemer drei Interventionen/Elemente. Die „Trilogie für Schönau“ nimmt Bezug auf die Etappen eines Lebensweges.

 

Die Künstlerin Judith Huemer

 

Die aus Münzkirchen stammende Künstlerin Judith Huemer ist Professorin an der Akademie der bildenden Künste Wien, wo sie den Fachbereich Kunst und Intervention leitet. Ihr künstlerisches Schaffen zeichnet sich durch eine Vielfalt an Medien und Formen aus. Neben Fotografie, Videokunst und Audioarbeiten umfasst ihr Oeuvre auch Konkrete Poesie und ortsspezifische Werke. Studium in Wien und Amsterdam, Artist-in-Residence in Rom und New York. Internationale Ausstellungstätigkeit, vertreten in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen, u. a. Dommuseum Wien, Salzburg Museum, Österreichische Galerie im Belvedere Wien. Sie wurde mit dem Oberösterreichischen Landeskulturpreis (Fotografie) ausgezeichnet.

 

„Mir war es wichtig, ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, das die Etappen eines Lebensweges erfahrbar macht, in Anlehnung an die Pilgertradition der Jakobskirche – Aufbruch, Suche, Ankommen, und immer wieder neu Aufbrechen“, sagt Künstlerin Judith Huemer: „Die Skulptur als Sinnbild des Lebenswegs vereint Gegensätze – Erdung und Aufwärtsbewegung, Stabilität und Dynamik – schlicht, reduziert, kontemplativ. Die goldglänzende Oberfläche verbindet die Besonderheit des Lebens mit dem sakralen Ort. Das Werk lädt ein zum Innehalten – und ist doch in Bewegung: Es verändert sich mit dem Licht, der Tageszeit und den Menschen.“

 

Martina Gelsinger: „Eindrucksvolles Zusammenspiel von Spiritualität und Kunst“

 

Martina Gelsinger, Kunsthistorikerin und Kuratorin vom Fachbereich Kunst der Diözese Linz gratuliert der Pfarre und dem Verschönerungsverein zur inhaltlich und formal gelungenen Gestaltung des Kirchenplatzes: „Kirche als Ort von Spiritualität und Kunst findet hier ein eindrucksvolles Zusammenspiel.“

 

„Die Qualität des Konzeptes von Judith Huemer liegt in der eingehenden Auseinandersetzung mit der Situation vor Ort und den inhaltlichen Parametern der Projektgruppe“, sagt Gelsinger. Die dem hl. Jakobus geweihte Kirche stehe als unverrückbarer, weitgehend schmuckloser Baukörper, als monumentale und eindrucksvolle „Geste“, im Ortszentrum. Die drei Interventionen setzen mit der organischen Form des Bogens und der runden Elemente einerseits einen Kontrapunkt und greifen andererseits die Reduktion und Schlichtheit des Baukörpers auf.

 

„Die Skulptur im Pilgergarten (Pilgerstab, der himmelwärts weist) ,wächst‘ direkt aus dem Boden, das ovale Objekt über dem Hauptportal scheint zu schweben“, so Gelsinger weiter. Beide seien aus vergoldetem Messing, das Material fungiere hier als Bedeutungsträger und schaffe Assoziationen zur Bedeutung von Gold als Symbol im Christentum für das Göttliche. Das Bogensegment, das ausgehend von einer Bank zum Haupteingang führe und an den Pilgergarten anschließe, sei als Spur zu sehen, die den Weg intuitiv zum Hauptportal – in die Kirche – weise. Der regionale Bezug werde über das Material, Mühlviertler Granit, hergestellt.

 

„Die Interventionen von Judith Huemer wirken auf den ersten Blick reduziert und zurückhaltend und überzeugen zugleich, indem sie die Gegebenheiten vor Ort unmittelbar einbeziehen und dadurch ihre gestalterische Qualität entfalten. Sie gehen einen Dialog mit dem Umfeld ein, sind präzise durchdacht, inspirierend in Bezug auf die inhaltlichen Parameter der Ausschreibung und schaffen in der Begegnung Erfahrungsmomente, die in unmittelbarer Beziehung zum Thema ,Kommt alle zu mir … (Matthäus 11,28)‘ stehen“, sagt Gelsinger abschließend.

 

Pfarrer Martin Truttenberger: „Ort der Ruhe und Begegnung“

 

„Unser Schönauer Kirchenplatz ist mit seinem Pilgergarten und mit dem Festplatz als Ort der Ruhe und der Begegnung gestaltet“, sagt der Schönauer Pfarrer Martin Truttenberger. Mit seiner Botschaft des „Ruheplatzes am Pilgerweg des Lebens“, die durch das umgesetzte Kunstprojekt „Trilogie für Schönau“ verdeutlicht werde, lade der Platz alle, ob Gäste oder Einheimische, ob Pilger:innen oder Kirchenbesucher:innen, ob jung oder alt zum Verweilen, zum Erholen und zur Besinnung ein: „So hat die Pfarrvision ‚Offen – freudig – lebensstärkend – mit Jesus auf dem Weg‘ in diesem Platz eine äußere Gestalt gefunden.“

 

Der Platz sei ein Ausdruck der Sehnsucht der Menschen nach Stille, Geborgenheit, Frieden, Lebensstärkung und Freude. Der Kirchenplatz führe als vorsakraler Ort hin zum sakralen Raum, zur Kirche, mit dem Leitsatz Jesu gemäß dem Matthäusevangelium 11,28: „Kommt alle zu mir – bei mir ist Ruhe, Frieden, Kraft, Freude, Glück“.

 

„Insgesamt ist ein Ort entstanden, der inspiriert und bereichert mit der Botschaft: „Kommt – begegnet Gott und einander. Seht, erlebt und vergesst nicht, dass die Welt auch spirituelle und sakrale Räume mit Tiefe und Weite für euch hat“, so der Pfarrer.

 

Barbara Brandstätter: „Leichtigkeit und Beweglichkeit“

 

„Der Kirchenplatz bekommt durch die Mauer Fassung und Intimität, die Trilogie kann so in ihrer inspirierenden Mehrdeutigkeit und in aller Ruhe hervortreten. Je nach Tageslicht, immer leicht verändert – ein offener Platz und lebendiger Garten zugleich“, sagt Barbara Brandstätter, die Landschaftsarchitektin des Pilgergartens am Kirchenplatz: „Das Organische in den drei Elementen tut mir gut, es bringt dem manifesten Ort Leichtigkeit und  Beweglichkeit im Geist. Besonders gelungen finde ich das Zusammenspiel des glänzenden gewundenen Pilgerstabs mit der flirrenden, vielfältigen und veränderlichen Stauden- und Gräsermischpflanzung. Ich beobachte es immer wieder aufs Neue und berühre dann den Stab, um das Vibrieren, den Schwung und die Lebendigkeit zu spüren und mitzunehmen.“

 

Peter Schneider: „Vielzahl an Deutungen“

 

„Die Trilogie für Schönau mit den ‚goldenen Typographien‘ haben mich von der Präsentation bis zu den übermittelten Fotos angesprochen“, sagt Architekt Peter Schneider, dessen Architekturbüro Schneider Lengauer Pühringer Architekten ZT GmbH für das Konzept des Kirchenplatzes verantwortlich zeichnet. „Diese fein nuancierte Geste im offenen Raum, die Form, die Oberfläche sowie das Schattenspiel bei Sonnenschein und bei Dunkelheit lassen eine Vielzahl an Deutungen offen. Für mich ist dies eine stille und gerade dadurch starke Antwort auf die Frage nach einer räumlichen/ortsspezifischen künstlerischen Gestaltung – Gratulation!“

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