Mittagsgespräch zu der an der KU Linz laufenden Ausstellung
Professorin Anna Minta, die für die kurzfristig verhinderte Kuratorin der Ausstellung, Assistenz-Professorin Veronika Müller, als Moderatorin eingesprungen ist, betonte in der Einführung, dass sowohl verwirklichte Bauprojekte als auch Planungen nie isoliert als „bloße Architektur“ betrachtet werden dürfen, sondern immer auch Ausdruck kultureller, soziale und politischer Entwicklungen sind bzw. auf diese antworten. Diese eminent gesellschaftliche Rolle von Architektur bilde in Forschung und Lehre am Fachbereich Kunstwissenschaft der KU Linz einen besonderen Schwerpunkt. Die aus einem Proseminar des Wintersemesters 2025/26 unter Leitung von Veronika Müller hervorgegangene Ausstellung, in deren Rahmen auch Archivstudien vorgenommen wurden, sei dafür exemplarisch: Und dass mit Hans Huemer und Valerie Straßmayr zwei Studierende die Beschäftigung mit dem Thema in ihren Bachelor-Arbeiten fortsetzen und vertiefen, lasse Ergebnisse erwarten, die neues Licht auf wenig erforschte Bereiche der Stadtgeschichte werfen.
© KU Linz/Reinhard Kren / © KU Linz/Kathrin Haselgrübler
Am Beispiel etwa der von Valerie Straßmayr präsentierten Planung zur einheitlichen Verbauung des Schillerplatzes durch Mauriz Balzarek – anlässlich von Ausschreibungen im Jahr 1909 und 1929 – unterstrich Andrea Bina diese Einschätzung: Es handle sich hier um Projekte, die so bisher noch kaum dokumentiert sind. Als Leiterin des Nordico Stadtmuseum Linz lenkte sie die Aufmerksamkeit insbesondere auf Fragen der Vermittlung dieses kulturellen Erbes und zeigte auf, wie sich hier auch die Formen und Möglichkeiten der Museumsarbeit geändert haben. Beim gemeinsamen Gang durch die Ausstellung schöpfte sie aus ihrer reichen Kenntnis der Linzer Stadtgeschichte und leuchtete damit manchen Hintergrund der Projekte aus: Oft waren es wirtschaftliche, finanzielle und verkehrstechnische Rahmenbedingungen, parallele Bauvorhaben oder schlicht pragmatische Dringlichkeitserwägungen, die den Ausschlag gaben, ob es zur Umsetzung eines Projektes kam. Kaum überschätzt werden könne für Linz zudem die Bedeutung der bewussten politischen Entscheidung, der Stadt nach 1945 ein neues Image zu geben: als Abkehr nicht nur vom „Bild“ der Industriestadt, sondern auch vom Erbe des Nationalsozialismus, dessen nicht nur bauliche Präsenz eine aktive und kritische Auseinandersetzung erfordert.
Haben die bei „Ungebautes Linz“ gezeigten Projekte auch keine manifeste städtebauliche Tradition begründet, so sind sie, wie beim Mittagspräche immer wieder deutlich wurde, doch auf eine spezifische Weise mit Traditionen verknüpft: Sei es in Form des Entwurfs einer monumentalen turmartigen „Klammer“ als Kulturzentrum, mit der Clemens Holzmeister 1953 den Schlossberg mit der Promenade verbinden wollte – und die von Hans Huemer bei seiner Vorstellung durchaus auch als Aufnahme des Bautyps Burg interpretiert wurde; oder sei es, dass die Projekte oft gerade die Ort neu denken, die nicht selten bis heute für Kontroversen sorgen: beispielhaft zeigen lässt sich dies etwa an den immer wieder unternommenen Anläufen, den Linzer bzw. Urfahraner Brückenkopf konzeptuelle anders zu fassen.
An der von Assistenz-Professorin Veronika Müller kuratierten Ausstellung "Ungebautes Linz" haben die Studierenden Dieter Gallistl, Valentin Gattringer, Hans Huemer und Valerie Straßmayr mitgewirkt. Zu sehen ist die Ausstellung im Foyer und Altbau (Stiegenhaus) der KU Linz noch bis 1. Oktober 2026 während der Öffnungszeiten der Universität. Der Eintritt ist frei!
„Ungebautes Linz" wird gezeigt im Rahmen des transdisziplinären und partizipativen Ausstellungs- und Vermittlungsprojekts wir stellen aus: des Fachbereichs Kunstwissenschaft der KU Linz.
Mehr zur Ausstellung unter https://wirstellenaus.at/







