Übergabe des Vorlasses von Paul M. Zulehner an die KU Linz
Betreut vom Team der Diözesanbibliothek, wird der umfangreiche Bestand für Forschung, Lehre und Vermittlung zur Verfügung stehen. Bei seinem Vortrag im Rahmen der Feier entwarf Zulehner das Bild eines lebendigen und aktiven Christentums als „Hoffnungsressource“ in dieser Welt.
Für das doppelte Geschenk des Vorlasses und des Festvortrags dankte Rektor Universitätsprofessor Michael Fuchs bei seiner Begrüßung: Dass neben zahlreichen Vertretern der Diözese Linz und der Universitätsgemeinschaft auch ein breites Publikum der Einladung gefolgt ist, unterstreiche die Bedeutung des Schenkungsaktes für die Universität und für Linz.
Als „bunten Vogel, der nicht auf einen Nenner zu bringen ist“, bezeichnete Bischof Manfred Scheuer in seinen Grußworten Paul M. Zulehner – und wollte das als unbedingtes Kompliment verstanden wissen: für seine Themen- und Interessensvielfalt, seine Offenheit und Anschlussfähigkeit, seine Impulse und Anregungen, mit denen er als wacher und kreativer „Vor-, Mit- und Nachdenker“ die Kirche in Österreich und auch die Diözese Linz nachhaltig geprägt habe. Umso größer sei die Freude darüber, dass er einen bedeutenden Teil seiner Sammlung im Wege des Vorlasses der KU Linz bzw. der Diözesanbibliothek Linz übergebe.

V. l.: Bibliotheksdirektor Dipl.-Theol. Ingo R. Glücker, M.A. (LIS), M.Th. (Abdn.), Vizerektorin Univ.-Prof.in Dr.in Klara Antonia Csiszar, emer. O. Univ.-Prof. DDr. Paul Michael Zulehner, Bischof Dr. Manfred Scheuer, Gen.-Dir. Mag. Klaus Kumpfmüller (HYPO Oberösterreich, Obmann des Fördervereins "Freunde der KU Linz"), Rektor Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs. © KU Linz / Hermine Eder
„Vorlass Zulehner“: Konzentriertes Gedächtnis eines Theologenlebens
Dass sein Lebenswerk damit nicht irgendwohin zurückkehre, sondern an einen Ort, mit dem es biografisch, geistig und kirchlich zutiefst verwoben ist, hob Vizerektorin Universitätsprofessorin Klara-Antonia Csiszar in einer sehr persönlichen Würdigung ihres akademischen Lehrers, Kollegen und Freundes Paul M. Zulehner hervor. Er vermittle eine das Leben erkundende und die Lebenswirklichkeiten der Menschen ernstnehmende Pastoraltheologie, der man sich auch an der KU Linz verpflichtet fühle. Und er stehe für ein mutiges und eigenständiges Denken, das „nicht unter dem Niveau der Wirklichkeit theologisiert“. Im Vorlass seiner wissenschaftlichen Produktion könne dabei nicht nur erkundet werden, was er geschrieben, sondern auch, wie er gearbeitet habe: aufmerksam für die Wirklichkeit, geistlich wach, prophetisch oft einen Schritt voraus – und europäisch vernetzt.
Wie eine solche Erkundung und wissenschaftliche Erschließung der umfangreichen Sammlung – es handelt sich um 777 Monographien, 666 Zeitschriften- und Zeitungshefte und rund 320 Film- und Tondokumente – möglich wird, stellte Bibliothekdirektor Ingo Glückler vor. Seine Darlegung der Schritte, wie ein Bestand von Dokumenten zu einem analog und digital zugänglichen, recherchierbaren und langfristig gesicherten Archiv wird, war eine Einführung in den informationstechnologischen ‚State of the Art‘ und zugleich Zeugnis der selbstgesetzten Aufgabe: Das Ziel sei, so Glückler, ein „lebendiges Archiv, das wirkt, ein offener, einladender Ort des Denkens, der Auseinandersetzung und des Dialogs“.

V. l.: Bibliotheksdirektor Dipl.-Theol. Ingo R. Glücker, M.A. (LIS), M.Th. (Abdn.), Vizerektorin Univ.-Prof.in Dr.in Klara Antonia Csiszar, emer. O. Univ.-Prof. DDr. Paul Michael Zulehner, Rektor Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs
© KU Linz / Hermine Eder
Himmelsgeschenke für Europa
Können Religionen eine Hoffnungsressource sein? – Diese Frage stand im Zentrum des Vortrags „Himmelsgeschenke für Europa“ von Paul M. Zulehner, den er mit einer Zusammenschau aktueller Krisen eröffnete: Kriege, ökologische Verwerfungen, Migrationsströme, Deindustrialisierung und Informatisierung lassen mit ihren sich überlagernden und gegenseitig verstärkenden Folgen das Bild einer „taumelnden Welt“ entstehen, aus der jede Hoffnung verschwunden ist. Ein Bedrohungsempfinden greife um sich, welches „Kulturen der Angst“ mit einer Atmosphäre wachsender Rivalität hervorbringe – Angst aber entsolidarisiere und lasse sich populistisch missbrauchen. Als bewussten religionskritischen Kontrapunkt machte Zulehner deutlich, dass Religionen in ihrer Ambivalenz und als von Menschen gelebte Realität dabei nicht außerhalb stehen. Geschichte wie Gegenwart lehren, quer durch alle Kulturen, dass Religionen zu oft anstatt einer Lösung Teil des Problems seien, weil sie sich „zur Legitimation von bösartiger Gewalt missbrauchen lassen“.
Und dennoch, insistierte er, sei sie in Christentum und Kirche da, die „Sprengkraft gelebter Hoffnung“. Die „Himmelsgeschenke“ der Überlieferung anzunehmen, heiße, diese zu Ressourcen und Quellen der Hoffnung zu machen und die Welt damit menschlicher und gerechter zu gestalten. Konkret gehe es darum, „etwas zu tun“, was nicht nur Aufgabe und Herausforderung für das Individuum, sondern „für uns als Gemeinschaften“ sei.
Musikalisch stimmungsvoll gestaltet wurde der Abend von Sara Spek Jezernik (Violine) und Veronika Löberbauer (Celllo) von der Anton Bruckner Privatuniversität.
Hermine Eder / KU Linz







