Montag 5. Oktober 2026

Tarek Leitner an der KU Linz: Sprechen im öffentlichen Raum

"Sprechen im öffentlichen Raum", lautete der Titel des Vortrags von ORF-Moderator Tarek Leitner als Auftakt der liturgiewissenschaftlichen Fachtagung, die von 12. bis 14. März 2026 an der Katholischen Privat-Universität Linz stattfand.

Rektor Michael Fuchs begrüßte knapp 100 Gäste zur Abendveranstaltung am Beginn der Fachtagung "Die Liturgiesprache. Ein Komplex von Herausforderungen". Dass die Sprache und das Sprechen zu den großen Themen der Theologie gehören, komme nicht zuletzt auch im fächerübergreifenden Forschungsschwerpunkt der KU Linz "Diskurse der Öffentlichkeit" zum Ausdruck, so Rektor Fuchs eingangs. Dieser widme sich sowohl dem Sprechen und Reflektieren über die Öffentlichkeit als Ort politischer Information und Urteilsbildung als auch den Diskursen in der Öffentlichkeit. Die Tagung sei eine "wichtige Ergänzung und Erweiterung" dazu.

 

Eine Einführung ins Tagungsthema bot Predrag Bukovec, Assistenzprofessor am Institut für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie der KU Linz, gemeinsam mit Institutsleiter Univ.-Prof. Ewald Volgger einer der Organisatoren der dreitägigen Veranstaltung. Ziel sei es, sich mit den unterschiedlichen und vielfältigen Anforderungen an die Liturgiesprache auseinanderzusetzen. Diese sei, wenn auch in besonderer, ritueller Gestalt, Sprechen im öffentlichen Raum – womit die Überleitung zum Vortrag des Abends gegeben war:

 

Nach dem Buchdruck war es vor allem das Fernsehen, das zur Verbreitung von Sprache beitrug, so Tarek Leitner, ZIB-Anchorman, ORF-Moderator, Autor und mehrfacher Romy-Preisträger eingangs. In seinen Ausführungen zu medialen und politischen Zusammenhängen spannte er einen Bogen von den späten 60er Jahren bis zur Gegenwart: Von Beginn an war klar, wer das Medium beherrschte, gewann auch die Wahlen, deutlich zu sehen an "Medienkanzler" Bruno Kreisky. Die ersten Fernsehkonfrontationen sahen freilich anders aus als heute. Minutenlange aufeinanderfolgende Statements ermöglichten das Nachvollziehen von Gedankengängen, das Erfassen des Kontextes, es gab keinerlei Aufzeichnungen, keine Wiederholungen – eine Form der Darbietung, die jedoch schon bald nicht mehr ausreichte.

 

Tarek Leitner referierte an der KU über das Sprechen im öffentlichen Raum.

Referent Tarek Leitner. © KU Linz / Hermine Eder

 

Die Aufmerksamkeitsspannen wurden kürzer. Als Höhepunkt nannte Leitner die Wahlberichterstattung im Jahr 2017, wo die wahlwerbenden Parteien rund 40 Gelegenheiten hatten, gegeneinander anzutreten. Dabei wurden gelungene Formulierungen immer wieder wiederholt, Antworten vorhersehbar, plötzlich zählte nicht mehr die beste Idee, sondern der beste "Sager". Aufmerksamkeit galt als Maßstab für Relevanz, im Zeitalter der algorithmischen Auswertung kam es nun auf die Verwertung an. Eine Entwicklung, die sich bis heute – insbesondere in den Sozialen Medien – fortsetzt, so Leitner.

 

Sprechakte finden sich wieder in der digitalen Welt, jede Äußerung bleibt damit potenziell dauerhaft abrufbar. Dass jede Aussage allen Menschen zugänglich gemacht und immer wieder abgerufen werden kann, dass auch Privates auf einmal öffentlich wurde, veränderte das Sprechverhalten. Sprechen im öffentlichen Raum unterlag nun unterschiedlichen Kriterien, was sich in neuen Begrifflichkeiten wie Political Correctness oder Wokeness zeigte, die ein gestiegenes Bewusstsein für soziale Missstände insbesondere auf Rassismus, Sexismus und Diskriminierung widerspiegeln. Die Konnotation von Begriffen hat sich ins Ideologische verschoben. Wie das Beispiel Gendern zeigt, sind einheitliche Regelungen jedoch oft schwer umsetzbar.

 

Sprechen im öffentlichen Raum veränderte auch die Grundstruktur des Sprechens. Dialoge waren nicht mehr ausschließlich an das Gegenüber gerichtet, sondern immer auch an das Publikum. Sprache wurde performativer. Dass konsumorientiertes Storytelling die Erzählung ersetzt, bezeichnete der Philosoph Byung-Chul Han als eine "Krise der Narration". Einzelne Aussagen werden aus dem Kontext herausgelöst und bekommen oft erst im Nachhinein ihre endgültige Bedeutung. Mit der Aneinanderreihung von Aussagen in der digitalen Welt gehe das Verbindende verloren – das, was den Menschen eigentlich ausmacht.

 

Was der Verlust des öffentlichen Diskurses und die Veränderungen im Sprachverhalten nun konkret für die Liturgiesprache bedeuten und vor welchen vielfältigen Herausforderungen diese steht, damit setzte sich die Tagung an den beiden folgenden Tagen aus interdisziplinärer, ökumenischer und pastoralliturgischer Perspektive auseinander. Im Anschluss an die Frage nach dem Wesen der Gottesdienstsprache, der Analyse der bestehenden Problemfelder, der Betrachtung der performativen und musikalischen Aspekte, sollte schließlich die Praxis beleuchtet werden.

 

V. l.: Rektor Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs, Mag. Tarek Leitner, Univ.-Prof. Dr. Ewald Volgger OT, Vizerektorin Univ.-Prof.in Dr.in Klara-Antonia Csiszar, Ass.-Prof. Dr. Predrag Bukovec.

V. l.: Rektor Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs, Mag. Tarek Leitner, Univ.-Prof. Dr. Ewald Volgger OT, Vizerektorin Univ.-Prof.in Dr.in Klara-Antonia Csiszar, Ass.-Prof. Dr. Predrag Bukovec. © KU Linz / Hermine Eder

 

KU Linz / Hermine Eder

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