Freitag 13. März 2026

Tagung zu Schulseelsorge in Linz: Gewaltprävention im Fokus

Bischöfin Cornelia Richter

Unter dem Motto "Selig, die Frieden stiften!" trafen sich Akteur:innen und Verantwortliche der Schulseelsorge und Schulpastoral aus ganz Österreich am 12. März 2026 in Linz. Im Fokus der Tagung stand das wichtige und aktuelle Thema der Gewaltprävention an Schulen.

An der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz fand am 12. März 2026 die zweite österreichweite ökumenische Schulseelsorge- und Schulpastoraltagung statt. Eingeladen hatten die Österreichische Ordenskonferenz, die Konferenz der Schulamtsleiter:innen Österreichs und die Evangelische Kirche A. und H.B. in Österreich. Im Zentrum der Veranstaltung stand die Frage, wie Schulseelsorge und Schulpastoral zur Friedensstiftung und Gewaltprävention in der Schule beitragen können. Angesichts zunehmender Herausforderungen im Schulalltag wurde diskutiert, wann und auf welche Weise seelsorgliche Begleitung für ein respektvolles Miteinander an Schulen wirksam werden kann – und welche Grenzen dabei zu beachten sind.

 

 

Ökumenische Eröffnung: Grußworte zweier Bischöf:innen

 

Eröffnet wurde die Tagung — ganz im Sinne der ökumenischen Ausrichtung — mit Grußworten der Bischöfin der Evangelischen Kirche A.B. Cornelia Richter und des katholischen Bischofs Wilhelm Krautwaschl. Beide betonten die Bedeutung seelsorglicher Begleitung im schulischen Kontext. Schulpastorales Handeln eröffnet nach Krautwaschl Räume, in denen Fragen und Suchen ihren Platz haben. Gerade in Krisenzeiten zeige sich, wie wichtig solche Orte seien, an denen erfahrbar werde: "Liebe ist wirkmächtiger als Hass." Bischöfin Richter erklärte die Seelsorge zum "Markenzeichen unserer Kirchen" und unterstrich ihre besondere Bedeutung für Kinder und Jugendliche in der Schule. Für die Entwicklung von Resilienz braucht es nach Richter nur eine Bezugsperson, die Kindern bedingungslose Wertschätzung entgegenbringt — dieser eine Mensch könne auch der Schulseelsorger oder die Schulseelsorgerin sein.

 

 

Sensibilität für Macht und Grenzen in der Schulseelsorge

 

Einen ersten thematischen Impuls setzte der Salzburger Generalvikar Harald Mattel, der über viel Erfahrung in der Kinder- und Jugendseelsorge verfügt, mit seinem Vortrag "Begleiten oder bestimmen? Schulseelsorge im Spannungsfeld von Freiwilligkeit und institutioneller Verpflichtung". Er gab einen fundierten Einblick in Fragen der Gewaltprävention im Kontext von Schulpastoral und Schulseelsorge. Ziel schulpastoralen Handelns müsse nach Mattel sein, junge Menschen zu stärken und sie zur freien Entscheidung zu befähigen. Zugleich braucht es Mattel zufolge gerade im schulischen Kontext der Seelsorge ein hohes Maß an Sensibilität für Machtverhältnisse und mögliche Grenzverletzungen. Eine potentielle Gefahr stellt demnach die sogenannte "spirituelle Gewalt" dar, wenn etwa religiöse Inhalte oder geistliche Autorität eingesetzt werden, um Druck auszuüben, Abhängigkeiten zu erzeugen oder eigene Positionen durchzusetzen.

 

Besondere Aufmerksamkeit widmete Mattel den Rahmenbedingungen einer verantwortungsvollen Schulseelsorge. So verwies er etwa darauf, dass seelsorgliche Gespräche mit Minderjährigen nicht in privaten Räumen von Seelsorgerinnen und Seelsorgern stattfinden dürfen. Als Leitgedanken formulierte er das Motto "Begleitung statt Leitung". Gerade im Kontext Schule komme zur persönlichen Autorität der Seelsorgenden auch die institutionelle Autorität der Schule hinzu, was den verantwortungsvollen Umgang mit Macht besonders wichtig mache. Einschränkungen oder verpflichtende Regelungen müssten daher stets an den Kriterien Allgemeingültigkeit, Transparenz und Angemessenheit geprüft werden. In der Diskussion betonte Mattel zudem, dass Seelsorge zwar Zeugnis vom eigenen Glauben geben dürfe, jungen Menschen aber keine fertigen Antworten vorgeben solle: "Wir unterstützen beim Suchen", so der Salzburger Generalvikar.

 

 

Beispiele aus der Praxis: Schulseelsorge lebt von der Vernetzung

 

Einen praktischen Zugang zum Tagungsthema wählten am Nachmittag Anne-Kathrin Wenk, Fachbuchautorin und Lehrlingsausbildnerin, und Sabine Schönwetter-Cebrat, Fachinspektorin für den evangelischen Religionsunterricht in der Steiermark. Ausgehend von den biblisch-theologischen Grundlagen und der Begriffsbestimmung der evangelischen Schulseelsorge wurden die Teilnehmenden eingeladen, über ihr eigenes Seelsorgeverständnis und ihre Praxis zu reflektieren. Die Referentinnen zeigten unter anderem die vielfältigen Möglichkeiten der Schulseelsorge auf: Einmalige Gesprächskontakte gehören demnach ebenso zum Spektrum wie Gruppenangebote, spirituell-religiöse Impulse und andere Formen der Begleitung bis hin zu diakonischen Projekten.

 

Eine zentrale Schlussfolgerung: Schulseelsorge brauche Zeit und "lebt von der Kooperation innerhalb und außerhalb der Schule", so Wenk und Schönwetter-Cebrat. Dabei wurde die Rolle der Schulseelsorge auch in Abgrenzung zu anderen Formen psychosozialer Unterstützung wie Schulpsychologie oder Schulsozialarbeit beschrieben – zugleich aber klar als Teil eines gemeinsamen Netzwerkes im System Schule verstanden. Das angestrebte Modell ist demnach der Aufbau eines kooperierenden psychosozialen Unterstützungssystems, in dem die verschiedenen Angebote zusammenwirken. Neben Schulpsychologie und Schulsozialarbeit wurden dabei unter anderem Jugendcoaching, Bildungsberatung, Schülerberatung und Peer-Mediation als wichtige Partner in der Präventionsarbeit genannt. Für die Tätigkeit als evangelische Schulseelsorgende sei eine spezifische Qualifizierung grundlegend sowie die kirchliche Beauftragung und somit Verortung in der Evangelischen Kirche, betonte Sabine Schönwetter-Cebrat.

 

 

Diskussion zu Fragen aus dem schulischen Alltag

 

Neben den fachlichen Impulsen bot die Veranstaltung vor allem auch Raum für die Reflexion der eigenen Praxis. In den Diskussionen wurden konkrete Fragen aus dem schulischen Alltag aufgegriffen, etwa bezüglich der Begleitung von Schüler:innen ohne religiöses Bekenntnis. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, in der Seelsorge einerseits Zeugnis vom eigenen Glauben zu geben, andererseits aber die Freiheit der jungen Menschen zu respektieren und sie nicht mit fertigen Antworten zu konfrontieren. Stattdessen wurde betont, wie sehr Schulseelsorge davon lebt, Fragen zu stellen, zum Nachdenken anzuregen und Jugendliche auf ihrem persönlichen Suchprozess zu begleiten. Die Teilnehmer:innen nutzten die Gelegenheit, Erfahrungen zu teilen und neue Anregungen für ihre Arbeit in der Schulseelsorge und Schulpastoral mitzunehmen. Den Abschluss bildete eine ökumenische Andacht, die den gemeinsamen Tag spirituell ausklingen ließ.

 

Die ökumenische Schulpastoral- und Schulseelsorgetagung brachte rund 100 Interessierte aus Schulseelsorge, Schulpastoral und Religionsunterricht aus ganz Österreich in Linz zusammen. Gemeinsam organisiert wurde die Tagung von Marie-Theres Igrec (Ordensgemeinschaften Österreichs), Sabine Schönwetter-Cebrat (Evangelische Kirche A. und H.B. in Österreich) und Anna Davogg (Konferenz der Schulamtsleiter:innen Österreichs). Im Organisationsteam waren auch Clemens Paulovics von der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs, Fachbuchautorin und Lehrlingsausbildnerin Anne-Kathrin Wenk, Schulseelsorgerin Sr. Gudrun Schellner SSM sowie der katholische Religionspädagoge und Schulpastoralverantwortliche Markus Aichelburg.

 

Bereits 2023 fand eine erste österreichweite ökumenische Schulseelsorge- und Schulpastoraltagung statt. Die Impulse aus diesem Treffen wurden inzwischen auch in Textform aufgearbeitet: Die Publikation "Seelsorge im Lebensraum Schule — Ökumenische Perspektiven" erscheint in diesen Tagen im Verlag Herder und macht zentrale Themenfelder zugänglich.

 

Konferenz der Schulamtsleiterinnen und Schulamtsleiter der österreichischen Diözesen (SALK)

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