Samstag 4. April 2026

Sonntagsallianz: Freier Sonntag in schnelllebiger Zeit unverzichtbar

Zum Internationalen Tag des freien Sonntags (3. März 2026) hat die Allianz für den freien Sonntag Österreich daran erinnert, "wie unverzichtbar dieser gemeinsame Ruhetag für das soziale Gefüge, die Gesundheit und die Lebensqualität in unserer Gesellschaft ist".

Die wirtschaftlichen Einzelinteressen dürften nicht über das Wohl von Menschen gestellt werden, richtete die Allianz einen Appell für die Bewahrung des freien Sonntags an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Der arbeitsfreie Sonntag sei ein "wertvoller Ruhepol in einer Zeit, die immer schneller wird", erklärte Wilhelm Krautwaschl, Referatsbischof für die Sonntagsallianz. Er schenke Raum für Begegnung, für Familie, für Glauben, gebe Kraft für die Woche und "für das, was unsere Seele stärkt".

 

Der freie Sonntag sei ein "Schutzschild gegen Erschöpfung in einer Arbeitswelt, die immer stärker von Beschleunigung, Flexibilisierung und ständiger Erreichbarkeit geprägt ist", betonte der Vorsitzende der Allianz Philipp Kuhlmann. Das wüssten insbesondere im Handel arbeitende Menschen zu schätzen, so der Vizevorsitzende des Bereichs Handel der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp Wien).

 

 

"Wertvoller Zeitanker"

 

Gerade in der Gastronomie und im Tourismus, im öffentlichen Verkehr oder in der Pflege tätige Menschen würden die Folgen von Sonntagsdiensten kennen. Die fehlende gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie wirke sich nachteilig auf das Beziehungsleben aus, und auch die körperliche und psychische Gesundheit leide, wenn bewusste Ruhezeiten für Stressabbau und Regeneration fehlten.

 

Gegen die "Durchlöcherung" der Sonntagsruhe sprach sich auch Peter Pitzinger, Vorsitzender des Katholischen Familienverbandes der Diözese St. Pölten, aus. Der freie Sonntag sei eine "notwendige Unterbrechung der Leistungsgesellschaft", die Zeit für gemeinsame Unternehmungen, das Ehrenamt und Spiritualität gebe. Aktuelle Vorstöße, die den Schutz des Sonntags etwa durch erweiterte Ladenöffnungszeiten in Tourismuszonen oder Aufweichungen im Arbeitsruhegesetz infrage stellten, steht Pitzinger kritisch gegenüber, heißt es in einer Aussendung des Familienverbandes. Der freie Sonntag als "wertvoller Zeitanker" dürfe nicht ökonomischen Zwängen zum Opfer fallen.

 

 

Unterrichtsmaterialien

 

In der Diözese Graz-Seckau präsentiert der Fonds für Arbeit und Bildung rund um den 3. März neue Unterrichtsmaterialien für mittlere und höhere Schulen, die das Thema "freier Sonntag" zeitgemäß und lebensnah aufbereiten, hieß es in einer Aussendung. Die Materialien beleuchten historische, soziale und religiöse Dimensionen des Sonntags. "Sie leisten einen wichtigen Beitrag, den Wert des Sonntags als Tag der Ruhe, der Begegnung und der spirituellen Vertiefung auch in der nächsten Generation lebendig zu halten", richtete der Diözesanbischof an alle Religionslehrerinnen und Religionslehrer sein Anliegen, die neuen Unterrichtsmaterialien zu nutzen.

 

Auf den Wert des arbeitsfreien Sonntags macht die Allianz für den freien Sonntag aufmerksam.

Die Allianz für den freien Sonntag setzt sich für die Bewahrung des freien Sonntags als "wertvollen Zeitanker" ein. © Allianz für den freien Sonntag Österreich

 

Katholische Aktion gegen Arbeitszeit-Liberalisierung

 

Vor einer zunehmenden Liberalisierung der Arbeitszeiten und Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen hat die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) in einer Aussendung gewarnt. Diese führten zu einer "einer immer stärkeren Verinselung von Lebenswelten". Es werde zwar immer Berufsgruppen geben, die im Dienst des Funktionierens von Staat und Gesellschaft auch sonntags arbeiten müssen. Diese sollten aber "klar begrenzt und immer hinsichtlich des Gemeinwohls begründbar bleiben".

 

Gesellschaftlicher Zusammenhalt und das Familienleben bräuchten den freien Sonntag dringend. "Wenn Menschen zunehmend am Sonntag Lohnarbeit verrichten müssen, können sich Familien und Kommunen nicht mehr darauf verlassen, dass es Zeiten gibt, in denen die allermeisten Menschen ihren Freizeitaktivitäten nachgehen können. Das führt dazu, dass es ganz schwierig ist, gemeinsame Familien- oder Vereinsaktivitäten zu planen", gab KAÖ-Vizespräsident Thomas Immervoll zu bedenken.

 

Die Politik müsse daher der Kapitalisierung der menschlichen Arbeitskraft mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln Einhalt gebieten. "Nur so hält sie den Familien, den Vereinen und auch der Pflege kirchlicher Traditionen den Rücken frei", so Immervoll.

 

 

Geschichte

 

Am 3. März 321 verfügte Kaiser Konstantin der Große per Edikt den ersten staatlichen Schutz des arbeitsfreien Sonntags der Geschichte. Demnach sollten "am Tag der Sonne alle Richter, ebenso das Volk in den Städten, sowie die Ausübung der Künste und Handwerke ruhen". In Österreich werden die Anliegen des arbeitsfreien Sonntags seit 2001 von der "Allianz für den freien Sonntag" ("Sonntagsallianz") wahrgenommen. Die Allianz ist ein Zusammenschluss überparteilicher, gemeinnütziger gesellschaftlicher Akteure (christliche Kirchen, Arbeiterkammer, Gewerkschaften, Kinderfreunde, Naturfreunde, Österreichischer Alpenverein).

 

In Österreich ist der Sonntag gemäß Arbeitsruhegesetz grundsätzlich arbeitsfrei. Es gibt zahlreiche Ausnahmen, wie etwa für unabdingbare Arbeiten bei der Polizei oder in der Gesundheitsversorgung, aber auch in der Gastronomie oder bei Veranstaltungen. (Info: http://www.freiersonntag.at/)

 

Kathpress

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