Donnerstag 1. Oktober 2026

Kirche begeht am 26. Jänner erstmals "Sonntag des Wortes Gottes"

Die Bibel als Quelle für das persönliche Glaubensleben neu entdecken

Die katholische Kirche begeht am 26. Jänner erstmals den von Papst Franziskus ausgerufenen "Sonntag des Wortes Gottes".

In seinem Motu Proprio (Apostolischen Schreiben) "Aperuit Illis" legte Papst Franziskus fest, dass der dritte Sonntag im Jahreskreis der Feier, der Betrachtung und der Verbreitung der Bibel gewidmet sein soll.

 

"Aperuit Illis" im Wortlaut

 

Die österreichischen Bischöfe unterstützen die Einführung dieses Themensonntags, der bewusst in Nähe zur Weltgebetswoche für die Einheit der Christen angesetzt ist und damit die Verbundenheit aller Christen durch die Heilige Schrift stärken will. "Christen sollen sich vom Wort Gottes begeistern lassen, weil es die bevorzugte Weise ist, wie sich Gottes Geist den Menschen mitteilt", hielt die Bischofskonferenz dazu fest.

 

Die katholischen Gottesdienste in allen Diözesen stehen am 26. Jänner unter dem thematischen Schwerpunkt "Sonntag des Wortes Gottes". Das Österreichische Katholische Bibelwerk stellt den Pfarrgemeinden Materialien und Anregungen zur Verfügung, wie dieser "Bibelsonntag" gestaltet werden könnte. Auch ein Predigtvorschlag ist online abrufbar.

 

 

Drei "Jahre der Bibel" in Österreich

 

In Österreich wird bereits seit geraumer Zeit besonderes Augenmerk auf die Heilige Schrift gelegt: Im Advent 2018 begannen im Zuge der Einführung der neuen Messlektionare mit den Texten der revidierten Einheitsübersetzung drei "Jahre der Bibel" (www.jahrederbibel.at). Sie stehen unter dem Motto "BIBEL hören.lesen.leben" und werden ebenfalls vom Bibelwerk inhaltlich begleitet. Die diesjährige Österreichische Pastoraltagung stand Anfang Jänner in Salzburg im Zeichen der Bibel. Ein weiterer Höhepunkt werden die Bibel-Festwochen von 25. September bis 4. Oktober 2020 sein.

 

Gemeinsam mit dem neu eingeführten "Sonntag des Wortes Gottes" sollen die drei Themenjahre die Gläubigen dazu motivieren, die Bibel wieder häufiger in die Hand zu nehmen und als Quelle für ihr Glaubensleben zu entdecken. Hilfreich dabei ist eine neue Bibel-App des Katholischen Bibelwerks "Die Bibel EÜ" mit der gesamten revidierten Einheitsübersetzung, den Tageslesungen und Bibelleseplänen.

 

Für Bibelwerksdirektorin Elisabeth Birnbaum zeigt die Einführung des "Sonntags des Wortes Gottes", dass katholische Frömmigkeit und Bibellektüre – anders als zu Zeiten der Reformation – kein Gegensatz mehr darstellen. Reste eines katholischen, lange Zeit "genuin ambivalenten Verhältnisses" zur Bibel seien zwar immer noch vorhanden, würden aber abgebaut. "KatholikInnen dürfen und sollen die Bibel hochachten und beachten, sie lesen und bedenken, und zwar weltweit", schrieb Birnbaum auf der theologischen Feuilleton-Website feinschwarz.net.

 

 

Bibeltexte sollen nicht "vorbeirauschen"

 

Der in der Bischofskonferenz für die Heilige Schrift verantwortliche Referatsbischof Anton Leichtfried (St. Pölten) vergleicht laut der Bibelwerks-Website die Art, wie in manchen Gottesdiensten die Bibelworte erlebt werden, mit der Stimmung an einem großen Bahnhof: "Züge rauschen durch, manche bleiben kurz stehen. Über Lautsprecher gibt es alle möglichen Durchsagen, die teilweise akustisch schwer verständlich sind." Ähnlich würden manchmal die Lesungen aus der Heiligen Schrift an den Ohren und Augen der Gläubigen vorbeirauschen, "ohne dass diese einsteigen und mitfahren können", wird der Weihbischof zitiert.

 

Das Bibelwerk rät dazu, die Predigt in Gottesdiensten gut vorbereitet am Bibeltext auszurichten: "Auf alle Lesungstexte sollte in der Homilie eingegangen werden, da besonders die schwierigeren Texte Hilfestellungen für einen guten Zugang benötigen." Für viele Gläubige sei der Gottesdienst die einzige Begegnung mit der Bibel und die Predigt die einzige Vertiefung dazu.

 

Das Wort Gottes habe somit in der katholischen Messfeier einen besonderen Stellenwert. Es wird vom Ambo – einem erhöhten Ort im Altarraum – nach einer festen Leseordnung vorgetragen, die die Gemeinde mit möglichst vielen Texten der Bibel vertraut machen soll. In einem dreijährigen Zyklus werden die Evangelien (Markus, Matthäus und Lukas) gelesen. Die erste, meist alttestamentliche Lesung ist thematisch darauf abgestimmt, als zweite Lesung sind meist Paulus-Briefe vorgesehen. Nach dem Evangelium erläutert der Priester den Schrifttext in seiner Homilie. Bei einer Messfeier folgt danach die Eucharistiefeier als zweiter Teil; doch auch reine Wortgottesdienste sind möglich und gelten als vollwertige Liturgie.

 

Kathpress

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