Thursday 18. July 2019

Rom: Internationales Forum mit österreichischer Beteiligung beriet Jugendsynode-Umsetzung

Von dem vom Vatikan vom 19. bis 22. Juni 2019 organisierten internationalen Jugendforum in Rom waren die etwa 300 Delegierten aus aller Welt begeistert. Unter ihnen: die Oberösterreicherin Eva Wimmer.  

Von so viel organisiertem Einsatz waren auch die gut strukturierten Deutschsprachigen beeindruckt. Was eine junge Uganderin bei dem vom Vatikan vom 19. bis 22. Juni 2019 organisierten internationalen Jugendforum in Rom darüber erzählte, wie in ihrem Land die jüngste Bischofssynode zum Thema Jugend vorbereitet wurde, hinterließ Eindruck: Der Fragebogen, den Rom im Vorfeld der Synode an die Jugend weltweit gerichtet hatte, wurde tausendfach ausgedruckt und kopiert, persönlich in Schulen getragen, bekanntgemacht und wieder eingesammelt, über Chatgruppen verteilt, geteilt, nachgefragt und schließlich in den Vatikan geschickt.

 

"Für die jungen Leute in Uganda war das eine einmalige Chance, dem Papst direkt sagen zu können, was sie bewegt, was sie sich wünschen", so Daniela Ordowski. Die 26-jährige Studentin der Politikwissenschaft war in der vergangenen Woche aus Deutschland in das Exerzitienhaus "Il Carmelo" in Ciampino bei Rom gekommen. Zusammen mit fast 300 anderen Delegierten – darunter mit Eva Wimmer von der Katholischen Jugend und Peter Karkosch von der Koordinierungsstelle "JAKOB" auch zwei von der Österreichischen Bischofskonferenz Nominierte –  beriet sie dort drei Tage lang über praktische Folgen der Jugendsynode vom vergangenen Oktober in Rom.

 

Die Ugander hätten einen Einsatz gezeigt, "der uns Westler fast beschämt hat", schilderte Ordowski, die wie die 21-jährige Theologiestudentin Eva Wimmer auch bei der sogenannten Jugend-Vorsynode im April 2018 in Rom dabei gewesen ist. Wie damals waren sie erneut beeindruckt von der Vielfalt der Kulturen und Erfahrungen. Und dem gemeinsamen Nenner: Wir jungen Christen wollen nicht nur gehört werden, sondern mitmachen. Das, was der Papst in seinem nachsynodalen Schreiben "Christus vivit" (Christus lebt) fordert, müsse auch gelebt werden zwischen jungen Menschen und etwa den Bischöfen, so Wimmer im Gespräch mit "Kathpress" in Rom.

 

"Wenn ich zurückkomme, sehe ich mich einer klerikalen Phalanx von Priestern gegenüber, die von 'Christus vivit' noch nichts gehört haben", zitierte sie eine Teilnehmerin, mit der sie sprach. Woher die andere Frau kam, wollte die Delegierte der Katholischen Jugend Österreich aus Rücksicht nicht sagen. Aufmunternde Papstworte hin oder her: In manchen Kulturen sei es noch nicht vorgesehen, dass eine junge Frau einem älteren Mann, dazu Bischof, Vorschläge mache, gar Kritik vortrage. Erzählt wird so etwas aber nur in kleineren Arbeitsgruppen – oder am Mittagstisch.

 

Eva Wimmer

Die Oberösterreicherin Eva Wimmer nahm im Frühjahr 2018 an der Vorsynode in Rom teil. © Jakob Ulbrich

 

Es sei frappierend, wie stark sich Redebeiträge im Plenum von denen in kleiner Runde unterscheiden, schilderten Wimmer und Ordowski. So war Wimmer überrascht, als sie nach ihrem Eröffnungsimpuls zum Auftakt des Jugendforums für deutlich mehr Mitwirkung von Frauen in der Kirche von vielen starkes Lob zu hören bekam. In ihrer Diözese nach Diakoninnen in der Kirche zu fragen, sei für sie nicht denkbar, gestanden manche der Delegierten. Umso größer war der Applaus im Plenum für Linda Ghisoni als leitende Vatikanmitarbeiterin des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, das das Forum organisierte.

 

Viel gelobt und zitierte wurde auch die päpstliche Umwelt-Enzyklika "Laudato si". Trotzdem ernteten die Deutschsprachigen verdutzte Blicke, wenn sie eigene Gläser aus dem Rucksack kramen und demonstrativ auf den Tisch stellen. Mit Blick auf die überall angebotenen Plastikbecher meint Thomas Andonie vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ): "Da muss man in Italien und im Vatikan noch dazulernen."

 

 

Unklare Folgen

 

Eine sogenannte "Vorsynode" im April 2018 in Rom sollte die Bischofssynode mit vorbereiten. Das viertägige IX. Internationale Jugendforum, wie es offiziell hieß, in Ciampino war Teil der Nachbereitung. Eine solche sieht die vom Papst erlassene neue Synodenordnung auch regional vor. Die Frage, wie so etwas einschließlich konkreter Folgen genauer aussehen kann, bleibt allerdings offen. Das Ziel des Forums sei nicht ganz klar, kritisierte der Schweizer Delegierte Roman Fiabane. Immerhin wollen einzelne Arbeitsgruppen ihre eingerichteten Chatgruppen beibehalten.

 

Folgen haben werde das Forum umso eher, je mehr sich die Teilnehmer vernetzen, betonte auch Papst Franziskus am Samstagmittag bei einer Begegnung mit den rund 300 Teilnehmern des Jugendforums. Die jungen Menschen seien die "Hauptfiguren einer pastoralen Bekehrung der Kirche", so der Papst. Die Kirche brauche sie unbedingt.

 

 

Hürden bei Mitwirkung

 

Eine von den Jugendlichen gern gehörte Forderung, deren Umsetzung allerdings auf mindestens zwei Hürden stößt, wie die Teilnehmer berichten: Zum einen lassen die Alten die Jungen nicht überall wirklich mitmachen. Zum anderen ist angebotene Mitwirkung vielen Jungen zu kompliziert. In der Schweiz sei ja einiges möglich, sagt Fiabane. Etlichen aber sei das zu kompliziert und langwierig.

 

Bessere Strukturen allein reichen zur Erneuerung der Kirche nicht aus. Es brauche auch, wie Kardinal Kevin Farrell, der Präfekt des Vatikan-Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, in der Abschlussmesse des Forums am Samstag forderte, das gelebte Bekenntnis, wie wichtig einem der Glaube an Jesus Christus ist. Sonst verlösche das Feuer der Begeisterung sehr schnell, warnte der Papst zum Abschluss.

 

Kathpress

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