Sunday 21. July 2019

Weltflüchtlingstag: Mehr als 70 Millionen Menschen auf der Flucht

Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag. Laut Global-Trends-Jahresbericht des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) veröffentlichten zufolge waren weltweit zuletzt doppelt so viele Menschen auf der Flucht wie noch vor 20 Jahren.

Während die Zahl der Asylsuchenden in Österreich weiter deutlich sinkt, hat das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR 2018 weltweit zum ersten Mal mehr als 70 Millionen Flüchtlinge, Vertriebene und AsylbewerberInnen gezählt. Im Vergleich zum Vorjahr nahm ihre Zahl um 2,3 Millionen auf 70,8 Millionen zu. Das geht aus dem am 19. Juni 2019 in Berlin vom UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) veröffentlichten Global-Trends-Jahresbericht hervor. Demnach waren weltweit zuletzt doppelt so viele Menschen auf der Flucht wie noch vor 20 Jahren. Das 1950 gegründete UN-Hilfswerk zählte nach eigenen Angaben nie zuvor eine höhere Zahl.

 

In Österreich bietet sich – ebenso wie in Deutschland und den meisten EU-Staaten – laut UNHCR ein anderes Bild: Die Zahl der Asylanträge ist 2018 erneut gesunken und liegt bei 13.746 Anträgen, 2017 waren es 24.735 Anträge. Die Asylanträge in Österreich bewegen sich somit auf einem ähnlichen Niveau wie vor zehn Jahren.

 

Die größte Gruppe bildeten laut UNHCR Binnenvertriebene, also Menschen die innerhalb ihres Heimatlandes auf der Flucht waren, mit 41,3 Millionen; 20,4 Millionen verließen als Flüchtlinge wegen Krieg und Verfolgung ihr Land. Dazu kamen 5,5 Millionen Palästinenser unter dem Mandat des UN-Flüchtlingshilfswerk für Palästinenser UNRWA. Weitere 3,5 Millionen Menschen warteten noch auf eine Entscheidung über ihr Asylgesuch.

 

Allein 6,7 Millionen Flüchtlinge kamen laut UNHCR aus Syrien, weitere 2,7 Millionen aus Afghanistan und 2,3 Millionen aus dem Südsudan. Weitere wichtige Herkunftsländer waren Myanmar, Somalia, Sudan und die Demokratische Republik Kongo.

 

Besonders betroffen sind Kinder: So ist jeder zweite Flüchtling jünger als 18 Jahre und 111.000 Kinder wurden auf der Flucht von ihren Familien getrennt, informierte das UNHCR. Allein Uganda meldet 2.800 geflüchtete Kinder, die jünger als sechs Jahre alt und allein oder von ihren Eltern getrennt sind.

 

Flüchtlingskind in Syrien

Flüchtlingskind in Syrien. © jeyeonwon / www.pixabay.com CC0 1.0

 

"Die Daten unterstreichen, dass die Zahl der vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehenden Menschen langfristig steigt", sagte UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi. Obwohl die Sprache, wenn es um Flüchtlinge und Migranten gehe, oft vergiftet sei, gebe es weltweit Beispiele von Großmut und Solidarität. Und weiter: "Auf diesen positiven Beispielen müssen wir aufbauen und unsere Solidarität für die vielen Tausenden unschuldigen Menschen, die jeden Tag vertrieben werden, verdoppeln." Lösungen könne es aber nur geben, wenn alle Länder zusammenarbeiteten, zeigte sich Grandi überzeugt.

 

Fast 600.000 Menschen konnten laut UNHCR im vergangenen Jahr nach Hause zurückkehren. Weitere 60.000 wurden Staatsbürger des Landes, in dem sie Schutz gefunden hatten. Etwas mehr als 90.000 kamen über eine Härtefallregelung (Resettlement) in ein sicheres Aufnahmeland, das sind weniger als sieben Prozent der Flüchtlinge, die aus Sicht der UNHCR dringend einen Resettlement-Platz brauchen.

 

"Für jede Flüchtlingssituation, wie lange sie auch dauert und wo immer sie auch ist, muss der Fokus auf Lösungen liegen und darauf, jene Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die Flüchtlingen für eine Rückkehr im Weg stehen", betonte Grandi.

 

 

Papst bittet erneut um Solidarität

 

Anlässlich des UN-Weltflüchtlingstags am 20 Juni hat Papst Franziskus erneut zu Solidarität mit den Menschen aufgerufen, die "vor Krieg, Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen fliehen". "Mögen unsere kirchlichen und zivilen Gemeinschaften ihnen nahe sein und auf ihre Bedürfnisse und Leiden achten", sagte der Papst am Sonntag, 16. Juni 2019 beim Mittagsgebet in der mittelitalienischen Stadt Camerino. Franziskus stattet der bei einem Erdbeben schwer getroffenen Stadt an diesem Sonntag einen Besuch ab.

 

Der Weltflüchtlingstag wurde von den Vereinten Nationen als Aktionstag eingerichtet. Seit 2001 findet er jährlich am 20. Juni statt. Daneben gibt es bereits seit 1914 den katholischen Welttag der Migranten, der jährlich am 19. Januar begangen wird. Eingerichtet wurde dieser ursprünglich, um auf das Schicksal der aus Europa auswandernden Menschen aufmerksam zu machen und diese zu unterstützen.

 

Kathpress

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