Montag 25. März 2019

Benediktinermönch schrieb "Kleine Schule des Loslassens"

P. Bernhard Eckerstorfer präsentierte sein neues Buch  „Kleine Schule des Loslassens. Mit den Weisheiten der Wüstenväter durch den Tag“

Ballast abwerfen, Einfachheit und Stille suchen, sich ganz auf das Wesentliche konzentrieren – Sehnsüchte der Menschen von heute. P. Bernhard Eckerstorfer hat hilfreiche Botschaften der frühchristlichen Wüstenmönche in Buchform herausgebracht.

Die überlieferten Weisheiten der Wüstenmönche faszinieren bis heute. Ihr Auszug in die Einöde entsprach der Sehnsucht, Materielles loszulassen. Dieses Verlangen nach dem Wesentlichen teilen sie mit den Menschen der heutigen Zeit. Der Benediktiner P. Bernhard A. Eckerstorfer hat sich in die Schule der Wüstenväter begeben. Bei der Präsentation seines Buches „Kleine Schule des Loslassens. Mit den Weisheiten der Wüstenväter durch den Tag“ am 15. Februar 2019 im Stift Kremsmünster schilderte er, warum sie ihm ans Herz gewachsen sind und was den Menschen heute zu sagen haben.

 

Im Gespräch zwischen der ORF-Journalistin Brigitte Krautgartner und P. Bernhard Eckerstorfer wurde deutlich, wie viel die Wüstenväter heute zu sagen haben. Bischof Maximilian Aichern, der unter den ZuhörerInnen war, sagte: „Mich haben diese Weisheiten durchs Leben begleitet.“ Abt Ambros Ebhart wies in seiner Begrüßung vor 120 Gästen darauf hin, dass die Wüstenväter die Menschen von heute mit ihren kurzen, prägnanten Weisheiten in eine Schule des Lebens im Alltag schicken.

 

Von der Aktualität der Texte zeigte sich auch Brunhilde Steger vom Tyrolia-Verlag beeindruckt, denn der rechte Umgang mit den eigenen Leidenschaften oder die Schwierigkeiten mit Tod und Sterben hätten nach wie vor große Lebensrelevanz. Dabei stellte sie mit Freude fest, dass das Büchlein mit seinen kurzen Erzählungen ein guter Begleiter im Alltag und speziell in der Fastenzeit sei.

 

V. l.: Abt Ambros Ebhart, Brunhilde Steger (TYROLIA-Verlag), P. Bernhard Eckerstorfer, Brigitte Krautgartner (ORF Wien), Bischof em. Maximilian Aichern

V. l.: Abt Ambros Ebhart, Brunhilde Steger (TYROLIA-Verlag), P. Bernhard Eckerstorfer, Brigitte Krautgartner (ORF Wien), Bischof em. Maximilian Aichern. © Stift Kremsmünster

 

Umgang mit Leidenschaften

 

„Sind Leidenschaften automatisch schlecht?“ Mit dieser etwas provokanten Einstiegsfrage eröffnete Brigitte Krautgartner ein interessantes Zwiegespräch. „Die Wüstenväter“, so Eckerstorfer „brannten für Gott und deshalb zogen sie auch Menschen an. Doch schlechte menschliche Neigungen waren ihnen nicht fremd und sie zeigen uns einen Weg, mit ihnen umzugehen.“

 

 

Humor der Wüstenväter

 

Während seiner jahrelangen Beschäftigung mit den Wüstenvätern habe er auch ihren Humor schätzen gelernt, eine Eigenschaft, die vor allem für Papst Franziskus besonders wichtig ist, so P. Bernhard. Als Beispiel dafür erzählte er mit viel Enthusiasmus „Die Frau im Fass“, die dem Publikum nicht nur ein Lachen entlockte, sondern auch zeigte, mit wie viel Verständnis und Fingerspitzengefühl diese weisen Mönche agierten, wie sehr sie nach dem Evangelium lebten und wie Menschen für Gott gewonnen werden können. Texte wie „Die Weisheit der Gießkanne“ begeistern die Wiener ORF-Redakteurin, die bekennende Hobby-Gärtnerin ist. „Anhand der Natur zeigen uns die Wüstenväter, wie wir die Dinge im Alltag Schritt für Schritt erledigen können und so nicht in der Hektik des Lebens untergehen“, so Eckerstorfer.

 

 

Autofahren mit den Wüstenvätern

 

Auf die Frage des Autors, warum er bei den Radiosendungen, aus denen das Buch entstanden ist, immer nur ganz kurz schreiben dürfe und die Sendungen so kurz seien, reagierte die Journalistin mit einem Schmunzeln und einem biblischen Zitat und meinte: „Sprich nur ein Wort! Mönche stehen wahrscheinlich schon um halb drei Uhr früh auf und haben dann ewig Zeit, aber normale Menschen haben es in der Früh eilig, sie stehen im Stau und haben Alltagsdinge im Kopf. Die Gedanken für den Tag und die Morgengedanken sollen die Hörerinnen und Hörer zum Nachdenken anregen, wie ein Dominostein, der umfällt und alles verändert. Die Geschichten berühren die Menschen, können sich im Tag fortsetzen und der Geist kann dann wirken. Das ist schließlich sein Job.“

 

Autor P. Bernhard Eckerstorfer im Gespräch mit ORF-Journalistin Brigitte Krautgartner. 

Autor P. Bernhard Eckerstorfer im Gespräch mit ORF-Journalistin Brigitte Krautgartner. © Stift Kremsmünster

 

Wüstenväter im Glückskeks

 

P. Bernhard, der neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit auch Lehrer am Stiftsgymnasium Kremsmünster ist, hat im Wahlpflichtfach Religion mit seinen 17-jährigen Schülerinnen und Schülern Sprüche der Altväter gelesen und sie interpretieren lassen. Die Aussage einer Schülerin über das rechte Maß beeindruckt ihn. Sie meint: „Ich bin bei so vielen Vereinen, dass ich lernen muss, die Neigung zu manchen Sachen abzuschneiden, damit ich das Wichtige machen kann.“ Ein anderer Schüler interpretiert einen Spruch, der das Lob behandelt, so: „Nur zu loben ist auch gefährlich, denn man kann abheben und blendet Negatives einfach aus.“  Journalistin Brigitte Krautgartner meinte daraufhin: „Die Sprüche gehören eigentlich in ein Glückskeks!“

 

 

Potenzial der Wüstenväter heute

 

Zum Abschluss erzählte Krautgartner, wie wichtig das Narrative für die Hörerinnen und Hörer im Radio sei. Denn manchmal hätten Menschen Probleme mit der Religion. „Geschichten aber machen nicht wütend, sie erzählen von Menschen oder von Vergangenem, man wird dabei nicht belehrt, man kann sie akzeptieren. Darin steckt auch das ungeheure Potenzial der Texte, da sie über das rein Religiöse hinausgehen“, so die Journalistin.

 

Unter den BesucherInnen war auch Bischof em. Maximilian Aichern, der spontan das Wort ergriff. Er dankte P. Bernhard in seinem Schlusswort für sein literarisches Schaffen, das den Frieden, die Verbindung mit Gott, das Gebet, die Betrachtung, den Dialog und die Bildung in den Mittelpunkt stellt. Die Einzigartigkeit der Wüstenväter liege seiner Meinung nach in ihrer Lebensform, durch die sie tief in sich hineinblickten und deshalb Weisheiten für alle sprechen konnten. „Mich begleiteten die Weisheiten der frühen Mönche ein Leben lang. Gerade als Abt und dann als Bischof schaute ich öfter in ein Buch mit Sprüchen der Wüstenväter, zeitweise habe ich davon gelebt“, bekannte der 86-jährige Benediktiner.

 

Musikalisch umrahmt wurde die gelungene und stimmungsvolle Veranstaltung vom Klavierspiel der Stiftsorganistin Ingrid Achleitner und P. Altman Pötsch an der Violine.

 

 

Morgengedanken zu den Wüstenvätern

 

Eine neue Reihe von Radiosendungen von P. Bernhard über die Wüstenväter bringt der ORF auf Ö2 von 17. bis 23. Februar 2019 in den Morgengedanken, jeweils um 5.40 Uhr.

P. Bernhard wurde zum Thema „Wüste“ für ein Projekt der Katholischen Akademie Berlin interviewt: http://www.alpha-omega-letters.de/wustenerfahrung.html

 

 

Cover 'Kleine Schule des Loslassens. Mit den Weisheiten der Wüstenväter durch den Tag'
 

Bernhard A. Eckerstorfer

Kleine Schule des Loslassens

Mit den Weisheiten der Wüstenväter durch den Tag

136 Seiten, 11 x 18 cm, zweifärbig, gebunden

Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2019

ISBN 978-3-7022-3737-0

€ 14,95

 

 

Der Autor

 

BERNHARD A. ECKERSTORFER, geb. 1971 in Linz, Studien der Geographie und Theologie in Salzburg, Wien und den USA, Promotion über amerikanische Theologie. Im Jahr 2000 Eintritt ins Benediktinerstift Kremsmünster in Oberösterreich, 2001–2003 Spezialstudien der monastischen Theologie in Rom, 2005 Priesterweihe. Novizenmeister und Lehrer am Stiftsgymnasium. In Vorträgen, Publikationen und universitären Lehraufträgen beschäftigt sich der Autor mit der Kirche und dem Mönchtum in der heutigen Welt.

 

P. Bernhard Eckerstorfer präsentierte sein neues Buch über die Weisheiten der Wüstenväter.

P. Bernhard Eckerstorfer präsentierte sein neues Buch über die Weisheiten der Wüstenväter.

 © Stift Kremsmünster

 

Text: Theresia Obermair

 

Lesen Sie auch: "Wüstenväter – unbequem und hilfreich zugleich" (KirchenZeitung online)

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