Dienstag 23. Oktober 2018

Hubert Gaisbauer: Papst Johannes XXIII., das Zweite Vatikanische Konzil und die Ökumene

Professor Hubert Gaisbauer referierte über Johannes XXIII., das Zweite Vatikanische Konzil und die Ökumene

Die Stiftung PRO ORIENTE und die Katholische Privat-Universität Linz luden am 10. Oktober 2018 zum Vortrag mit Professor Hubert Gaisbauer zum Thema „Johannes XXIII., das Zweite Vatikanische Konzil und die Ökumene“ ein.

Am Jahrestag des Vorabends der Konzilseröffnung (1962) und gleichzeitig Gedenktag des Heiligen Johannes XXIII. referierte Professor Hubert Gaisbauer, Autor und Religionsjournalist, über das Leben dieses Papstes und seine Bedeutung für die Ökumene heute.

 

Hubert Gaisbauer: Biografie war für Wirken als Papst maßgeblich

 

Anhand von vier biografischen Stationen zeigte Professor Hubert Gaisbauer auf, welche prägenden Ereignisse den Ausschlag dazu gaben, dass der Papst 1959 die Einberufung eines Konzils ankündigte. Ausgehend vom familiären Umfeld über die Zeit als Sekretär des aufgeschlossenen Bischofs von Bergamo Giacomo Radini Tedeschi, der Lehrtätigkeit als Professor für Kirchengeschichte und zuletzt der Dienst als Apostolischer Delegat in Bulgarien, Griechenland und der Türkei konnten einschneidende Erfahrungen ausgemacht werden, welche die weitere Tätigkeit als Papst maßgeblichen bestimmten.

 

Ines Weber: Johannes XXIII. griff Geist der Zeit auf

 

Univ.-Prof.in Dr.in Ines Weber, Leiterin des Instituts Kirchengeschichte an der KU Linz, komplettierte die Einschätzungen Gaisbauers, indem sie aufzeigen konnte, dass Johannes XXIII. den damaligen Geist der Zeit aufgriff und die Notwendigkeit erkannte, dass sich Kirche in Hinblick auf die Gesellschaft ändern müsse. Eine Einsicht, welchen man auf politischer Ebene in ähnlicher Weise bei John F. Kennedy ausmachen könne, der in der Situation des sogenannten „Sputnikschocks“ um den Handlungsbedarf wusste. Die Erfahrung, dass eine erneuerte Einstellung zur globaler und pluraler werdenden Gesellschaft vonnöten ist, war dermaßen im Bewusstsein von Johannes XXIII. verankert, dass er gegen den Widerstand der Kurie ein Konzil einberief. Dieser Mut setzte voraus, dass ihm als ehemaliger Professor der Kirchengeschichte deutlich vor Augen stand, dass die Änderung der Mentalität des Gesichtsbewusstseins eine Dauer von rund hundert Jahren benötigt.

 

Franz Gruber: Antimodernismus-Debatte spielte bei Konzilsvätern eine Rolle

 

Univ. Prof. Dr. Franz Gruber wies darauf hin, dass in die Jugend- und Studienzeit von Johannes XXIII. auch die Streitigkeiten um den sogenannten „Antimodernismus“ gefallen waren, einer Strömung in der Kirche, die sich gegen die gesellschaftlichen und politischen Reformen und Umbrüche der Moderne und des Liberalismus wandte. Diese Streitigkeiten führten dazu, dass sich die damaligen Protagonisten in das Studium der Kirchengeschichte vertieften, um anhand der Tradition der Kirche gewisse Standpunkte gegenüber lehramtlichen Disziplinierungsversuchen zu rechtfertigen. Der derzeitige Rektor der KU Linz, Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, resümierte weiter, dass diese Herangehensweise auch Auswirkungen auf das Theologietreiben der Konzilsgeneration hatte, die um die Wurzeln der eigenen Identität wusste. Daher konnte auch die Ökumene auf einer anderen Ebene betrieben werden. Eine Errungenschaft, die man Papst Johannes XXIII. zuschreiben kann, der schließlich das Zweite Vatikanische Konzil einberief.

 

Prof. Hubert Gaisbauer war Mitarbeiter beim ORF, insbesondere bei der "Ö3-Musicbox", bevor er Leiter der Abteilung Religion im ORF-Hörfunk wurde. Gaisbauer hat sich intensiv mit dem Wirken und der Person von Johannes XXIII. beschäftigt und hierzu auch zwei Publikationen veröffentlicht.

 

Religionsjournalist Gaisbauer referierte über Papst Johannes XXIII, das Zweite Vatikanische Konzil und die Ökumene
Am Podium: Professor Hubert Gaisbauer, Mag. Josef Wallner (KirchenZeitung, Moderation), Univ. Prof.in Dr.in Ines Weber, Univ. Prof. Dr. Franz Gruber

Fotos (c) KU Linz / Eder

 

Quelle: KU Linz

 

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