Donnerstag 1. Oktober 2026

Ordensspitäler legen "spirituellen Ratgeber" aufs Krankenbett

PatientInnen in Österreichs Ordenskrankenhäusern finden auf ihrem Krankenbett künftig eine Broschüre zu spirituellen Themen vor. Der Ratgeber mit dem Titel "Quellen der Kraft" wurde am 20. Dezember 2016 in Wien vorgestellt.

Der Ratgeber mit dem Titel "Quellen der Kraft" soll dabei helfen, neue Zugänge zur spirituellen Dimension des eigenen Lebens zu finden - und damit auch den Heilungsprozess fördern, legten Frauenordens-Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer und der Generalsekretär der Superiorenkonferenz, P. Franz Helm, am Dienstag, 20. Dezember 2016 in Wien vor JournalistInnen dar. Das 36-Seiten-Heft entstand in einem mehrjährigen Identitätsprozess der 25 heimischen Ordensspitäler.

 

Spiritueller Ratgeber 'Quellen der Kraft'

Spiritueller Ratgeber "Quellen der Kraft". © Ordensgemeinschaften Österreich

 

"Die Seele ist im Krankenhaus besonders gefordert", verwies P. Helm auf eigene Erfahrungen als Spitalspatient. Nach einer Lebertransplantation in Wien vor zehn Jahren habe er große Ängste durchlebt, später aber Dankbarkeit empfunden für die Medizin, die sein Überleben möglich machte. PatientInnen hätten im Spital viel Zeit zum Nachdenken über das Leben, und durchaus seien in dieser "unfreiwilligen Auszeit" auch positive Veränderungen wie etwa die Stärkung von Beziehungen zu anderen Menschen oder zu Gott denkbar, so der Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler. Darauf wolle man mit der Broschüre eingehen, ohne aber dabei zu überrumpeln.

 

"Zum Gesundsein und Gesundwerden gehören mehr als perfekte Diagnose und kompetente Therapie", betonte Sr. Mayrhofer. Das Heft "Quellen der Kraft" rufe dies in Erinnerung und sei mit ihrem Blick auf den "ganzen Menschen" eine Antwort auf bestehende "Krankheitssymtome" des Gesundheitssystems. Besonders klar sprach sich die Frauenordens-Präsidentin gegen einen Trend zur Gewinnoptimierung von Kliniken zum Nachteil der Patienten aus: Wo Gesundheit zum Geschäft werde, sei die Menschenwürde in Gefahr. Es dürfe keine Frage des Einkommens werden, ob man sich Kranksein und Therapie überhaupt leisten könne. Vor allem aber dürfe das Sorgen und Versorgen "nie und nie und nimmer zu einem Entsorgen führen", betonte die Ordensfrau.

 

Der Ratgeber ist nach Helms Darstellung per se nicht christlich und verzichte auch völlig auf Ratschläge. Enthalten sind vielmehr Übungen und "Fragen, die ich mir stellen könnte", zu Themen wie "Vertrauen", "Liebe" oder "Dankbarkeit". Geschichten eines Patienten - Herrn P. - und dessen Frau begleiten den Leser bzw, die Leserin durch das Heft. Erst auf den letzten Seiten wird auf die christliche Botschaft explizit eingegangen, wenn es um das Gebet und schließlich um die Person Jesu Christi als Vorbild geht. Auch eine Darstellung der Spiritualität und des Seelsorge-Angebots des jeweiligen Krankenhauses sowie eine Gesamtübersicht zu den österreichischen Ordensspitälern sind enthalten.

 

V. l.: Pater Franz Helm, Sr. Beatrix Mayrhofer und Medienbüro-Leiter Ferdinand Kaineder bei der Prsäentation

V. l.: Pater Franz Helm, Sr. Beatrix Mayrhofer und Medienbüro-Leiter Ferdinand Kaineder bei der Prsäentation. © Ordensgemeinschaften Österreich

 

Das Klinikum Wels-Grieskirchen - Eigentümerinnen sind die Kreuzschwestern und die Franziskannerinnen von Vöcklabruck - geht noch einen Schritt weiter in Sachen Kommunikation und Patienten-Fokus: PatientInnen werden dazu angeregt, freiwillig selbst zur Genesung beizutragen. Spezielle Anleitungen auf Kärtchen erleichtern es, Fragen bei Diagnose und Therapie zu stellen und bei den Visiten die Ärzte aktiv anzusprechen. Ein strukturiertes Tagebuch hilft schließlich, die Erlebnisse, Gedanken und Gefühle zu ordnen. "Verlassen Sie sich nicht nur auf uns, sondern übernehmen Sie möglichst viel Verantwortung für sich selbst", heißt es in einem Begleitfolder "My way - mein Weg zur Gesundheit". Die ersten Erfahrungen dieses Pilotprojektes seien gut, so die OrdensvertreterInnen in Wien.

 

Wie Sr. Mayrhofer bei dem Pressegespräch darlegte, ist die Broschüre der erste Teil einer dreijährigen Kampagne, bei der die Ordensgemeinschaften ihren eigenen Dienst durch insgesamt neun zentrale Themenfelder stärker zum Ausdruck bringen wollen. Bei Teil eins steht unter dem Schlagwort "Beziehung heilt!" in den kommenden neun Monaten das Wirken der Ordensspitäler im Vordergrund. Weitere Schwerpunkte sind u. a. die Aufgaben im Kulturbereich, das solidarische Handeln, die Ökumene, die Bildung, der Sozialbereich und der Beitrag zu internationalen Beziehungen.

 

Infos: Ordensgemeinschaften Österreich

 

Ordensspitäler Österreichs

 

Kathpress

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