Dienstag 23. Juni 2026

Schöpfungsverantwortung muss politisch werden

Rosenberger © Diözese Linz

Linzer Moraltheologe Rosenberger plädiert in der Zeitschrift "miteinander" für "spürbare Ökosteuern"

"Schöpfungsverantwortung" ist ein christliches Modewort, das sich jeder gerne auf die Brust heftet, das aber ansonsten weitgehend folgenlos im Alltag gläubiger Menschen  bleibt: Gegen diese Mentalität formuliert der Linzer Moraltheologe Michael Rosenberger einen Weckruf "wider die Sandkastenverantwortung": Schöpfungsverantwortung könne nur dann zur Veränderung der Lebens- und Konsumgewohnheiten beitragen, "wenn sie politisch wird", so Rosenberger in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "miteinander" des Canisiuswerkes. "Persönliche Lebensstiländerungen und politische
Strukturveränderungen gehören zusammen." Es brauche daher auch finanziell schmerzhafte Strafen für Umweltsünden, so Rosenberger: "Spürbare Ökosteuern sind zwingend notwendig."

Gerade in kirchlichen Kreisen erlebe er es immer wieder, dass "Schöpfungsverantwortung nur bis zum Rand des Mülleimers" reiche, d.h. dass sie "jenseits der eigenen Dorf- oder Regionsgrenzen" endet. Dabei sei Schöpfungsverantwortung keine Haltung, "von der 'a  bissi' genügt", so Rosenberger in seinem in sechs Thesen verfassten "Zwischenruf".

In dem Maße, wie sich Schöpfungsverantwortung am Ruf Jesu zur Umkehr orientiere, sei sie "radikal" und insofern immer auch politisch. Auch dürfe sie sich nicht "von der emotionslosen Vernunft einschläfern lassen", die dem Menschen einflüstere, dass alles nur halb so schlimm sei. Zugleich warnte Rosenberger aber vor jeder Form "schöngeistiger Naturromantik", die in dem Begriff ebenfalls mitschwinge: Christliche Schöpfungsverantwortung dürfe "vor der gekreuzigten Schöpfung nicht die Augen verschließen".

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "miteinander" widmet sich unter dem Titel "Erschöpfung" den Fragen des Umweltschutzes und des nachhaltigen Lebensstils. (Infos: www.miteinander.at)

 

Kathpress, mw

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