Samstag 7. Februar 2026

Familien unter Druck: Mit der Erziehung überfordert

Mit der Erziehung überfordert...

Susanne Bock von BEZIEHUNGLEBEN.AT über Erziehung, die kein Kinderspiel ist.

„Mein Baby schreit die meiste Zeit. Ich weiß nicht mehr was ich noch tun soll. Ich bin verzweifelt!“

 

„Jeden Morgen dasselbe Theater mit dem Anziehen. Und dann will unsere Tochter auch nicht in den Kindergarten gehen. Wie sollen wir uns verhalten?“

 

„Wenn unser 4-jähriger Sohn etwas will, dann nervt er so lange, bis er das Gewünschte bekommt. Und wenn wir es verweigern, dann stellt er die Wohnung auf den Kopf.“

„Meine zwei Kinder streiten unentwegt. Ich halte diesen Lärm und diese Aggression nicht mehr aus!“

 

„Unser 14-jähriger Sohn sitzt den ganzen Tag in seinem Zimmer und spielt mit dem Computer. Er hat keine Freunde mehr und vergisst sogar manchmal auf das Essen.“

 

„Unser Kind tut sich schwer in der Schule. Er kann nicht ruhig sitzen bleiben, ärgert seine MitschülerInnen und kann sich kaum konzentrieren.“

 

„Der Klassenlehrer hat uns verständigt. Unsere Tochter schwänzt die Schule. Wir sind entsetzt und ratlos.“

 

„Wir wissen nicht mehr weiter. Unser 15-jähriger Sohn verbringt die meiste Zeit mit seinen Freunden und ist auch schon öfter betrunken nach Hause gekommen. Was können wir tun?“

 

„Unsere Tochter wird gemobbt, weil sie keine Markenkleidung trägt. Wie sollen wir uns jetzt verhalten und wie können wir ihr helfen?“

 

Erziehung ist und war noch nie ein Kinderspiel. In meinem Beratungsalltag erlebe ich immer mehr Eltern, die sich überfordert, unsicher und ratlos fühlen.

 

Was Eltern bewegt:

  • Es ist verständlich, dass man als Eltern seine Kinder gut und richtig erziehen will – aber was ist richtig, was ist gut bei all den vielen Ratgebern und Informationsquellen? Meinungsverschiedenheiten zwischen dem jungen Vater und der jungen Mutter entstehen. Unsicherheit und schlechtes Gewissen machen sich breit und hindern „aus dem Bauch heraus“ zu handeln.
  • Die Schnelllebigkeit und der Medieneinfluss machen auch vor unseren Kindern nicht Halt. Mit immer subtileren Methoden verführt die Wirtschaft zu immer mehr Konsum und weckt bei Eltern und Kindern viele Wünsche. Sich hier als Vater oder Mutter dagegen zu stellen braucht viel Kraft. Eltern, die sich bewusst diesem Konsum entziehen wollen, werden schnell als „schlechte Eltern“ dargestellt und angesehen.
  • „Ich kann nicht mehr, ich habe keine Energie mehr für mein Kind!“ Bei Babys und Kleinkindern ist der Schlafmangel der Eltern ein häufiger Grund für die Überforderung.
  • Viele Eltern gehen in der Erziehung der Kinder voll und ganz auf und vergessen auf ihre eigenen Bedürfnisse und schon ist die „Batterie“ zur Gänze geleert und die Überforderung wird spürbar. Ohne Kraft und Energie gibt es wenig Sicherheit und Klarheit für die Kinder.
  • „Ich wünsche meinem Kind ein besseres und freieres Leben (als ich es gehabt habe).“ Dieser Wunsch macht es schwierig vernünftige Grenzen zu setzen – ein Nein aus Liebe zu sagen.
  • Kein Elternteil will sein Kind vor den Kopf stoßen und verletzen. Der Wunsch nach einer heilen Welt lässt Eltern nicht daran vorbei kommen, ihrem Kind liebevoll die notwendigen Grenzen zu setzen und konsequent zu bleiben. Eltern sind oftmals genau mit diesem liebevollen Nein überfordert.
  • „Wir möchten, dass unser Kind in dieser Welt bestehen kann.“ Doch die Messlatte um bestehen zu können wird immer höher gelegt. „Perfekt sein“ ist die Devise und daher übertragen viele diesen Maßstab der Vollkommenheit auch auf ihre Kinder – fördern und puschen und unterstützen, anstatt sie auch hin und wieder einfach sein zu lassen. Ja und die Kinder und Jugendlichen versuchen sich zu wehren und wollen aus diesem Perfektionismus ausbrechen und schon ist der Konflikt in vollem Gange.
  • Druck in der Schule, das ist nicht nur ein Thema bei den Kindern, sondern ebenso bei den Eltern. Von ihnen wird erwartet, dass sie ihre Kinder bei den Hausübungen betreuen, dass sie ihre Kinder auch während der Schulzeit individuell fördern oder Nachhilfeunterricht ermöglichen, dass sie zum Beispiel pubertierende Jugendliche so weit bringen, dass sie spätestens um 8.00 Uhr in der Schule sitzen (obwohl das in diesem Alter nicht ihrem Biorhythmus entspricht!) usw. Ich erlebe diese Lebensphase mit Schulkindern bei den Ratsuchenden oft sehr konfliktgeladen und voll Hilflosigkeit.
  • Die Mehrfachbelastung der Eltern – Kinder, Familienleben, Lohnarbeit, Haushalt, eigene Bedürfnisse, … – bindet sehr viel Kraft und es entsteht Stress, der für ein Leben mit Kindern kontraproduktiv ist. Kinder brauchen Zeit zum Wachsen, Zeit sich zu entwickeln. Eltern beschreiben sich oft hin und hergerissen zwischen den von außen erwarteten und den eigenen Anforderungen. Kinder und Jugendliche reagieren auf ihre Weise auf diesen Stress und der Konflikt ist vorprogrammiert.
  • Eltern bezeichnen ihre pubertierenden Kinder als ziellos und antriebslos und machen sich Sorgen. Katastrophenmeldungen, Klimawandel, Kriegsberichterstattung, Überbevölkerung, Pensionslücken usw. sind Schlagworte die wenig Mut für die Zukunft machen. Kein Wunder, wenn manche Jugendliche z.B. bis zur Bewusstlosigkeit Alkohol trinken oder die Schule verweigern.
  • Überforderte Eltern sind eher bereit zu Wutausbrüchen und Gewalt gegen ihr Kind. Selbstvorwürfe und Scham behindern einen wünschenswerten unbeschwerten Umgang miteinander.
  • Oft gibt es nur ein oder zwei Kinder in einer Familie, für die sich die Eltern bewusst entschieden haben. Kinder müssen da ein gelungenes Projekt werden – in allen Bereichen. Das ist eine große Überforderung für die Kinder sowie für die Eltern.

 

 

Mein Wunsch an die Familiensynode:

 

Menschen lernen vom Modell - Kirche als Modell erlebbar machen:

  • Mit den Menschen bedingungslos in Beziehung treten und zuhören
  • Überforderten Müttern und Vätern Mut zusprechen und nicht moralisieren und bewerten
  • Das Klischee der „heiligen – nicht fehlbaren Familie“ brechen, denn es ist in dieser Welt normal, Fehler zu machen
  • Arbeitsfreie Zeit vehement einfordern, z. B. Sonntags- und Feiertagsruhe
  • Sich für familienfreundliche Arbeitszeiten einsetzen
  • Angebote zur Pflichtweiterbildung für Priester zu aktuellen Themen wie: Erziehung, Familie, Beziehung
  • FamilienSeelsorge heißt: Den direkten Kontakt zu den Vätern, Müttern und Kindern suchen und nicht warten, bis diese von selbst kommen
  • Wertschätzung durch Zuwendung, Wärme, Verständnis, Liebe
  • Die Zusage Gottes: „Ich bin da!“ erlebbar machen
  • Beistand bei Sorge, Leid, Überforderung
  • Nachhaltigkeit der menschlichen Ressourcen fördern
  • Den Widerspruch der Jugendlichen ernst nehmen
  • Beratungseinrichtungen der Kirche fördern und darin keine Konkurrenz zur Seelsorge sehen
  • Christliche Werte nicht predigen, sondern erlebbar machen

 

Susanne Bock

Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin bei BEZIEHUNGLEBEN.AT

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