Donnerstag 5. Februar 2026

Paare mit unerfülltem Kinderwunsch

Spielendes Kind am Wasser. © anitapeppers/morgueFile.com

Mag.a Martha Leeb von BEZIEHUNGLEBEN.AT und ZOE über die belastende Situation des unerfüllten Kinderwunsches.

 

Freundinnen oder Arbeitskolleginnen werden schwanger, bei den Geschwistern stellt sich Nachwuchs ein, die Eltern/Schwiegereltern wünschen sich ein Enkelkind. Die Familie und Freunde sind unsicher, sie trauen sich nicht direkt nachzufragen, sondern es bleibt bei Vermutungen und Spekulationen. Eine Situation, die ein Paar mit Kinderwunsch unter Druck setzen kann.

 

Menschen, die unfreiwillig kinderlos sind, erleben sich öfters in einer umfassenden Krise. Die Nichtfruchtbarkeit wird zur Herausforderung für die gesamte Identität.

Neben Ohnmacht und Frustration ist Scham ein zentrales Gefühl in den Beratungs-gesprächen. Es veranlasst Frauen beispielsweise verschiedene Krankheiten zu erfinden, um den KollegInnen, dem Chef, Aufenthalte in der Klinik zu verschleiern, verursacht sozialen Rückzug und Ängste. Wer kein Kind bekommt, leidet im Verborgenen.

 

In den Gesprächen wird die Ungleichzeitigkeit und die verschiedene Intensität des Kinderwunsches thematisiert – etwa ein Partner kann sich medizinisch Möglichkeiten vorstellen, der andere nicht (oder nicht mehr), die negativen Gefühle werden verbalisiert, dem Kinderwunsch wird Raum gegeben und er wird auch wieder begrenzt. Beratung soll beim Ringen um eine eigene persönliche Entscheidung auf der Basis hoher Informiertheit unterstützen, aber auch die anderen Lebensbereiche – Beruf, Freizeit, soziale Aktivitäten als Gegengewicht zum derzeit dominanten Lebensthema wollen angesprochen werden.

Das Aushalten von nicht erfüllten Hoffnungen und der Abschied vom leiblichen Kind ist ein Weg voller Wut, Rebellion und Schmerz. Es ist keine Erfolgsstory und auch selten für eine größere Öffentlichkeit bestimmt. Deshalb ist in jeder Diskussion über dieses Thema eine große Behutsamkeit gegenüber verletzlichen Menschen gefragt.

 

Mein Wunsch an die Familiensynode:

 

Bei der kirchlichen Trauung wird dem Paar üblicherweise die Frage gestellt: Sind Sie beide bereit, die Kinder anzunehmen, die Gott Ihnen schenken will, und sie im Geist Christi und seiner Kirche zu erziehen? Neben dem katholischen Ideal von Ehe sollen bei der Familiensynode die Erfahrungen von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch beachtet werden, damit die betroffenen Frauen und Männer sich angesprochen fühlen und als willkommener Teil der Kirche erleben können.

 

In unseren Gesellschaften wurden und werden Kinder mit medizinischer Unterstützung gezeugt. Die römisch-katholische Kirche soll nicht nur die ablehnende Haltung gegenüber allen Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin betonen, sondern sich mit deren Konsequenzen für Kinder, Partnerschaften und Familien auseinandersetzen.

 

Mag.a. Martha Leeb
Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin bei BEZIEHUNGLEBEN.AT und ZOE

 

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