Donnerstag 5. Februar 2026

Sexualisierte Gewalt – Missbrauch an Kindern

Sexualisierte Gewalt – Missbrauch an Kindern

Josef Hölzl MSc von Beziehungleben über das Tabutema sexualisierte Gewalt und ihre Folgen für die Betroffenen.

 

Das Erleben von sexualisierter Gewalt, das Erfahren von Misshandlung und Erniedrigung, von Ohnmacht und Wehrlosigkeit führt häufig zu Angst, Schock, Verzweiflung, Schmerz, Scham, Trauer, Wut, Hilflosigkeit und Verunsicherung. Die starken Gefühle können allerdings lange im Verborgenen bleiben – wir sagen gerne, verdrängt werden – denn sie werden als unangenehm und bedrohlich erlebt.

 

Von Missbrauch und Misshandlung Betroffene tun sich oft schwer, über ihre Opfer-Erfahrungen zu sprechen: Sich einzugestehen, schlimme Erlebnisse von Misshandlung und psychischer Gewalt gemacht zu haben, ist an sich schwer – bei Burschen und Männern kommt erschwerend dazu, dass dies mit Versagen und Schwäche in Verbindung gebracht wird. Nicht selten fühlen sich Betroffene für erlittene Gewalt gar selbst schuldig. Kinder hingegen können bzw. konnten nicht erkennen, was mit ihnen passiert ist, können sich daher schwerer wehren oder Hilfe holen, sie finden bzw. fanden keine Worte und keine Vertrauensperson.

 

Verdrängung ist manchmal eine notwendige und hilfreiche Form, mit erlebtem Leid umgehen und leben zu können: Nicht darüber zu sprechen kann den Eindruck erwecken, die Erlebnisse seien nicht vorhanden. Die schmerzliche Erfahrung wird damit ausgeblendet, bagatellisiert oder „vergessen“.

 

Diese Distanz zur eigenen Verletztheit lässt aber auch keine Nähe zu sich selbst und zu anderen zu. Das Erlebte, die starken, unliebsamen und auch bedrohlichen Gefühle nicht wahrhaben zu wollen, nicht zu akzeptieren, kann sich negativ und störend auf das gegenwärtige Leben und auf Beziehungen auswirken.

 

In rigiden Familien und autoritären Kontexten (teilweise auch in Religionsgemeinschaften) sind sexuelle Handlungen moralisch hoch aufgeladen. Reden über Sexualität wird tabuisiert, sexuelle Handlungen von Kindern werden streng geahndet. Das wird von Tätern oft bewusst dazu benutzt, dass Opfer sich als sündhaft und (mit)schuldig erleben – dies wiederum erleichtert die Aufrechterhaltung und Geheimhaltung ihrer Übergriffe.

 

Was hilft und was es braucht

 

Aufgabe von Beratungsstellen ist es, von sexueller Gewalt betroffene Menschen ernst zu nehmen und ihnen Zuwendung zu geben. Es geht darum, gewaltvolles Verhalten wahrzunehmen, zu benennen und sich dagegen auszusprechen. Das erfordert Zeit, Hingabe und Konfrontation mit dem Erlebten. Unangenehme Gefühle wie Angst, Scham und Hilflosigkeit sollen in den Beratungen angesprochen und ausgehalten werden.

Betroffene reden dann eher über ihre belastenden Erfahrungen, wenn sie auf Menschen treffen, die damit vertrauensvoll und ohne Vorurteile umgehen. Akzeptanz, Raum und Zeit, Respekt, Achtsamkeit und Zuwendung, der Wunsch nach Wiedergutmachung, sind Rechte, die vom Umfeld und professionellen Helfern respektiert bzw. garantiert werden sollen.

 

Menschen brauchen Ermutigung, um ihre eigenen Opfererfahrungen wahrnehmen und ausdrücken zu dürfen. Ziel sollte es sein, jemanden zu befähigen, selbst die Verantwortung für die Bewältigung von Gewaltfolgen übernehmen zu können.

 

Gefördert werden muss:

  • Ein offener Umgang mit Fragen der Sexualität
  • Eine klare Positionierung der einzelnen Institutionen und Organisationen zum Phänomen sexueller Gewalt
  • Pädagogische Re-Vision von Eltern-Kind-, LehrerInnen-SchülerInnen-Beziehungen, Macht, Autorität, Nähe-Distanz
  • Theologische Re-Vision von Familie, Vergebung, Versöhnung, Sünde, Gemeinde und Amt
  • Schulung von MitarbeiterInnen (inkl. Leitung)
  • Konzepte und Strategien für den Umgang mit betroffenen Gemeinden, Schulen, …
  • Strategien (und Hilfsangebote) für den Umgang mit Tätern

 

Josef Hölzl MSc

Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberater, Gewaltberater bei BEZIEHUNGLEBEN.AT

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