Krankheit des Partners / der Partnerin

Dipl.-PAss. und Diakon Andreas Hagler, Ehe-, Familien- und Lebensberater, über eine sehr persönliche Erfahrung – die Krebserkrankung seiner Frau.
Sommer 2005 – genau vor 10 Jahren. Diese Zeit werde ich nicht mehr vergessen. Meine Frau Elisabeth ertastet einen Knoten in ihrer Brust. Die Diagnose: Mammakarzinom – bösartiger Brustkrebs.
Nur nach und nach begreife ich die Tragweite dieser Diagnose und was das für mich als frischgebackenen Ehemann bedeuten könnte. Meine Frau ist mit ihren Gedanken damit beschäftigt, sich auf die Operation und die nachfolgenden Therapien vorzubereiten.
Wir reden miteinander, oft schweigen wir aber. Unser Gleichgewicht ist zu einem Auf und Ab geworden. Der Satz aus dem Treueversprechen bei der Hochzeit wird sehr präsent: In Gesundheit und Krankheit – bis der Tod euch scheidet.
Der Tod wird Teil unserer Beziehung, selten reden wir darüber, oft fühlen wir ihn.
Wir gehen mit unserer Situation sehr offen um, die Leute sehen ja anhand der Frisur meiner Frau, dass da was anders ist. Wir suchen uns Hilfe und finden sie in der psychologischen Begleitung im Krankenhaus Wels. Hier findet unsere Sprachlosigkeit Worte, hier wird die Krankheit und der Tod thematisiert.
Auch unsere Zukunftspläne haben sich verändert. Aus dem Wunsch nach einer Großfamilie ist der Wunsch nach Gesundheit für uns und unsere Tochter geworden.
Wir verbringen viel Zeit als kleine Familie miteinander, das Leben wird uns bewusster. Dann wieder eine Chemo – hilflos und traurig sitze ich neben ihr und muss mitansehen, was der chemische Cocktail mit ihr macht.
Nach einem Jahr ist es geschafft, doch die Angst bei jeder Nachsorgeuntersuchung bleibt. Es könnte jederzeit wieder losgehen.
Eine große Stütze ist uns unser Glaube – der Glaube an einen liebenden Gott, der uns begleitet und trägt.
Ich wünsche mir von der Familiensynode in Rom, dass die Lebenswirklichkeit der Paare gesehen und wahrgenommen wird.
Krankheit verändert eine Partnerschaft – macht sie intensiver oder lässt sie zerbrechen. Ich sehe, dass Menschen in diesen Situationen eine behutsame Begleitung brauchen, die da sind und die für Unausgesprochenes Worte finden.
Ich wünsche mir eine menschenfreundliche, liebende Kirche, so wie ich sie aus Jesu Botschaft heraus verstehe.
Dipl.-PAss. Diakon Andreas Hagler
Pastoralassistent, Ehe-, Familien- und Lebensberater



